Produktionsbedingungen der Architektur zwischen Autonomie und Heteronomie

Kapitalverwertungsinteressen, rechtliche Regulierungen, Baunormen, genauso wie die Eigenschaften von Baumaterialien und -techniken werden von Architekten/-innen häufig als externe Einschränkungen verstanden, die das Entwerfen mitbestimmen. Der Bauprozess wird aus dieser Sicht als ein scheinbar überregulierter Weg zum fertigen Bauwerk angesehen.
Was geschieht aber mit unserer Vorstellung von Architektur, wenn man nicht nur die Ideen, Entwürfe und deren Repräsentationen betrachtet, sondern die Materialien und Arbeitskräfte, die Technologien und die Bauindustrie, sowie die Wirkmacht des Kapitals und deren Rolle im Entstehen unserer gebauten Umwelt ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt? Wie können die unterschiedlichen Grade von Entscheidungsfreiheit der am Bau Beteiligten erfasst und bewertet werden? Wie verändert sich das (Selbst-)Bild der Architekten/-innen aus diesem Blickwinkel und, vor allem, welche Folgen hat diese Sichtweise für eine Wissenschaft, Geschichte und Theorie der Architektur?
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BEL – Zur Systematik des architektonischen Wissens am Beispiel von Ernst Neuferts Bauentwurfslehre

Die 1936 erstmals erschienene Bauentwurfslehre von Ernst Neufert ist bis heute in unzähligen Neuauflagen und Übersetzungen ein weltweit viel gebrauchtes Handbuch für entwerfende Architektinnen und Architekten. Am Beispiel der Entstehung dieses Bestsellers unter den deutschsprachigen Architekturfachbüchern wird hier dargestellt, unter welchen historischen Bedingungen solch spezifisches Expertenwissen gesammelt und aufgeschrieben wurde, welcher Systematik es dabei folgt(e) und wie dessen Status eines verlässlichen Wissensspeichers, der erfolgreicher als alle anderen Handbücher seiner Epoche wurde, entstehen konnte. Vor dem Hintergrund dessen, dass Architektinnen und Architekten bis heute den Einfluss solcher Wissenssammlungen auf deren Entwerfen oft leugnen, sucht die Arbeit mit ihrem methodischen Vorgehen eine Antwort auf die Frage zu finden, wie sich der Einfluss solcher Handbücher überhaupt jenseits des Biografischen analysieren lässt. Projekt abgeschlossen.