25405 Theorie der Architektur (MA) Bauen, Wohnen, Minimieren

Wie viel Raum braucht der Mensch mindestens zum Wohnen? Die Frage hat in der Architektur immer dann Konjunktur, wenn Raum knapp und teuer wird, wie es die Debatte um eine „neue Wohnungsnot“ in einigen Großstädten aktuell andeutet. „Tiny Houses“, also kleinste Häuser oder Kleinstwohnungen scheinen eine spektakuläre Antwort auf Frage des Minimalwohnens zu geben, Mikrowohnen wird zum neuen Hype. Dabei ist das Thema nicht ganz neu und durchzieht die Architekturdebatten seitdem sich Architektinnen und Architekten überhaupt für Wohnbauten jenseits der Villenarchitektur zuständig fühlten. Schon der Bauhaus-Gründer Walter Gropius thematisierte 1930 die „soziologischen Grundlagen der Minimalwohnung für die städtische Bevölkerung“ und behauptete: „die frage nach dem wohnungsminimum ist die nach dem elementaren minimum an luft, licht, raum, die der mensch braucht, um bei der vollentwicklung seiner lebensfunktionen durch die behausung keine hemmungen zu erfahren. vom biologischen standpunkt aus benötigt der gesunde mensch für seine wohnung in erster linie luft und licht, dagegen nur eine geringe menge an raum, also ist es unrichtig, dass heil in einer vergrösserung der räume zu erblicken vielmehr lautet das gebot: vergrößert die fenster, spart an wohnraum.“[1]

Aber wer „gebietet“ hier eigentlich wem? Zu welcher Zeit, mit welchem Recht und welchen Mitteln? Definitionen der unteren Grenzen des noch Bequemen oder auch nur Erträglichen des Wohnens beschreiben offenbar eine kulturelle Schwelle von sozialer Sprengkraft. Welche Kräfte wirken aber an deren Definition mit? Welche dieser Kräfte wären dem engeren Architekturdiskurs zuzuschreiben, welche nicht? Prozesse des Aushandelns von und des Umgangs mit Knappheit sollen sowohl in konkreten Fallstudien, als auch in deren weiterem diskursiven Umfeld untersucht werden. Denn wie fragte der Philosoph Martin Heidegger eine weitere Wohnungskrise nach der von Gropius beschriebenen Misere: „Wohnbauten gewähren wohl Unterkunft, […] aber: bergen die Wohnungen schon die Gewähr in sich, daß ein Wohnen geschieht?“


[1] Walter Gropius: „Die soziologischen Grundlagen der Minimalwohnung für die städtische Bevölkerung“, in: Internationale Kongresse für Neues Bauen und Städtisches Hochbauamt in Frankfurt a.M. (Hg.): Die Wohnung für das Existenzminimum, Frankfurt a.M., 1930, S. 17–19, Zit. S. 18.

 

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