Denkfiguren. Raumfiguren Modul 25405 (MA)

Dozentin: Gastprofessorin Adria Daraban

Veranstaltungs-Nr.623101

Seminar 4 SWS
Credit Points
: 6

Zeit: 9.30 – 13.00 Uhr / immer dienstags
Ort: LG 2A Raum A0.03

Einführung: Dienstag, 8. Oktober 2019, 9:30 Uhr, LG 2A Raum A0.03

Dieses Seminar wird sich der Denk- und Raumfigur im architektonischen Kontext der Moderne widmen. Der Begriff Figur bezieht sich auf Gegenstände, die sich in ihrer Komplexität durch Vorstellungskraft nicht reproduzieren lassen. Figuren werfen die Frage auf nach dem Wechselspiel zwischen Bild und Begriff, zwischen Form und Bedeutung, zwischen dem Materiellen, Visuellen und Sinnlichen. Die Figur begegnet uns sowohl in der Geometrie als auch in der Rhetorik, in der Musik, in der bildenden Kunst oder im Tanz. Ihre Gestalt wechselt zwischen grafischen, plastischen, räumlichen, kinetischen oder sprachlichen Formen. 

„Denkfiguren (…) sind unverzichtbare Formen und Vehikel der Theorie (…). Noch bevor wir eine Theorie mit allen ihren Implikationen durchschauen, erfassen wir ihre charakteristischen Denkfiguren. Wir vollziehen sie lesend mit, gewöhnen uns an sie und beginnen, bewusst oder unbewusst, sie zu reproduzieren. Sie gehören zum Stil einer Theorie, formen ihre Sprache mit und bilden eine Voraussetzung für das, was man ihre ‚Elastizität‘ nennen könnte: für ihre Fähigkeit, sich in verschiedenen Gegenstände anzuverwandeln und dabei im Kern ihrer Aussage auch ohne detaillierte Rekapitulation wiedererkennbar zu sein. In diesem Sinne ist eine Figur auch eine Abkürzung und ein Markenzeichen. Sie vollzieht immer wieder von Neuem und häufig in verkürzter, besonders prägnanter und eleganter Form den argumentativen Weg, der den Kernbestand, die zentrale These, die charakteristische Denkweise einer Theorie ausmacht.“[1]

Genauso wie Denkfiguren Werkzeuge der Theorie sind, bilden Raumfiguren ein poetologisches Vokabular für die Erzeugung, aber auch für die Wahrnehmung von Raum. Sie haben eine plastisch-räumliche Gestalt; zugleich können sie Handlungen im Raum beschreiben. Raumfiguren verkörpern beispielsweise Momente des Übergangs, des Verweilens, des Umkehrens oder der Abschweifung. Figuren sind in der Lage, Raumkonstellationen zu artikulieren, indem sie Zusammenhänge und Korrespondenzen zwischen verschiedenen Bauteilen und Raumfragmenten herstellen und diese dadurch in Relation setzen. 

Wie machen sich Raumfiguren erkennbar? Wie können sie erfasst, beschrieben und im Architekturdiskurs verortet werden? Wie lassen sich strukturell Denk- und Raumfiguren mit den Mitteln der Architekturtheorie verbinden?

Um solche Fragen zu beantworten, werden wir uns mit theoretischen Diskursen der Kultur- und Architekturgeschichte beschäftigen. Zugleich werden wir Konzepte und Bauwerke der Architekturmoderne erkunden und zeichnerisch erfassen, um Diskurse der Theorie im Zusammenspiel mit Architekturen und Räumen aufzudecken. 


[1] Caroline Torra-Mattenklott: Poetik der Figur. Zwischen Geometrie und Rhetorik: Modelle der Textkomposition von Lessing bis Valéry, Paderborn, 2016, S. 50.