Eastnor Castle. Denkmalpflege im 21. Jahrhundert.

Judith Berger M.A.

Für die europäische Baukultur spielen Schlösser, Burgen und Landhäuser eine wichtige Rolle. In Verbindung mit der ansässigen Oberschicht stehen sie für politische und soziale Macht, die häufig aus dem Landbesitz heraus legitimiert wurde. Die Gestaltung sowie Funktion der Bauten und deren Umgestaltung lassen Schlüsse auf die jeweiligen Bauherren und Architekten zu. Spezifische und allgemeine Ansprüche der Gesellschaft können so für die jeweiligen Zeitschichten verdeutlicht werden. Heute stehen die meisten dieser Bauten unter Denkmalschutz. Hierbei ist das Sichern des Fortbestehens in Zeiten von staatlichen Mittelkürzungen und der Weltwirtschaftskrise schwierig, da bereits die laufenden Kosten dieser Anwesen immense Beträge entstehen lassen. Für diese Ausgangssituation ist ein autarkes Denkmal, das sein Bestehen aus sich selbst heraus nachhaltig sichert, ohne seiner Substanz zu schaden, der wertvollste Lösungsansatz.

In Großbritannien ist die Baukultur der herrschaftlichen Sitze tief in der Landesgeschichte verwurzelt. Zusätzlich entstand hier nach anfänglichen Schwierigkeiten ein vielseitiges Denkmalpflegesystem auf unterschiedlichen Ebenen. Die besonderen sozialen sowie politischen Gegebenheiten des Landes und die entwickelten denkmalpflegerischen Werkzeuge verleihen ihm heute eine Vorbildfunktion. Einige der Residenzen sind stillgelegt und stehen zum Verkauf, während bei anderen auf kreative Weise versucht wird, deren Eigenständigkeit zu erreichen. Einerseits sind diese Versuche sehr umfassend und einschneidend. Andererseits entstehen neue andere Lösungsansätze, die mit dem Denkmal harmonieren. Ein solches Beispiel wird in der Dissertation in seiner Gesamtheit analysiert.

Die Arbeit betrachtet, in welchen Schritten die Eigenständigkeit von Eastnor Castle, Herefordshire, England entstand und weshalb sie funktioniert. Die Basis bildet eine Untersuchung der Baugeschichte des Anwesens, die den Denkmalwert Eastnors begründet. In einem zweiten Schritt wird die heutige Nutzung des Denkmals untersucht und ausgewertet. Eine wichtige Rolle hierbei spielt das bestehende Nutzungsdreieck aus Wohnhaus, Denkmal und Event-Stätte. Das Ausbalancieren des Dreiecks hat dabei oberste Priorität und bildet die Grundlage für das autarke Fortbestehen des Denkmals. Einzelne Erkenntnisse dieser Untersuchung können schließlich als Resultate der Arbeit verallgemeinert und übertragen werden.

Judith Berger ist Stipendiatin der Internationalen Graduiertenschule, Fachklasse Historische Baukultur.