DFG-Studie "Hate Speech als Schulproblem?" Eine kombinierte Schüler- und Lehrerstudie zur Relevanz, zur Häufigkeit und zu den Determinanten des Phänomens Hate Speech an Schulen sowie zum Umgang damit

Projektbeschreibung

Die Auseinandersetzung mit Hate Speech (HS) ist zu einer gesellschafts- und bildungspolitischen Herausforderung geworden, der sich auch die Institution Schule nicht entziehen kann. Ca. 90% der Jugendlichen haben schon Erfahrungen mit Hass im Netz gemacht (Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen, 2017). Zwar ist Hass gegen bestimmte Gruppen, z.B. wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung, keineswegs neu; dieser hat aber offenbar als Alltagserscheinung eine neue Dimension angenommen. Die Schule mit ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag ist dabei in doppelter Hinsicht gefordert: Zum einen ist HS kein reines Onlinephänomen, sondern kann auch das schulische Zusammenleben beeinträchtigen. Zum anderen ist Schule als demokratiebildende Instanz dafür prädestiniert, HS durch die Vermittlung entsprechender Kompetenzen entgegenzuwirken. Allerdings liegen bisher weder über HS unter SchülerInnen, noch zur Rolle der Lehrkräfte fundierte Erkenntnisse vor. Hier setzt das Projekt an, indem es erstmals HS aus Schüler- und Lehrersicht untersucht. Ziel ist es, das medial stark beachtete Phänomen in der Lebenswelt Schule zu untersuchen. Unter HS verstehen wir dabei eine kommunikative Ausdrucksform in der Öffentlichkeit mit Botschaftscharakter (z.B. Schrift, Sprache, Videos), die absichtlich Ausgrenzung, Verachtung und Abwertung bestimmter Bevölkerungsgruppen fördert, rechtfertigt oder verbreitet und durch die diese in diskriminierender Weise in ihrer Würde verletzt, herabgesetzt oder gedemütigt werden. Konkret sollen die Relevanz, die Häufigkeit und die Determinanten von HS an Schulen sowie der Umgang damit untersucht werden. Darin eingeschlossen ist auch die Frage nach der Spezifik von HS und deren Abgrenzung zu verwandten Phänomenen wie verbale Gewalt oder Cybermobbing. 

Das Vorhaben umfasst eine qualitative Vorstudie, eine Tablet-basierte quantitative und experimentelle Untersuchung von SchülerInnen und eine Fragebogenerhebung von Lehrkräften. Mit Hilfe der Vorstudie soll eine Bestandsaufnahme der unter SchülerInnen verbreiteten HS-Formen sowie Reaktionsweisen vorgenommen werden. Die auf dieser Grundlage entwickelten Instrumente sollen in der Hauptstudie mit rund 2.000 Schüler*innen der Klassenstufen sieben bis neun und 450 Lehrkräften an 18 Schulen in Berlin und Brandenburg eingesetzt werden. Hierbei liegt der Fokus auf den intra-, interpersonellen und kontextuellen Determinanten von Verwicklung in und Reaktionen auf HS aus Schüler- und Lehrersicht. Die experimentelle Untersuchung dient der Erforschung des Einflusses des Lehrerhandelns auf den Umgang von SchülerInnen mit HS. Das Vorhaben schließt Forschungslücken im Bereich der Gewalt-, Diskriminierungs- und Vorurteilsforschung. Zugleich soll es dazu beitragen, schulbasierte Interventions- und Präventionsansätze zu entwickeln und so das demokratische Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft zu fördern.