Gesundheitsförderung für Lehrkräfte in Brandenburg Inanspruchnahme von gesundheitsförderlichen Maßnahmen im Setting Schule

Projektbeschreibung

Viele Studien zeigen, dass Lehrkräfte im Vergleich zu anderen Berufsgruppen häufiger von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen betroffen sind (z.B. Hasselhorn & Nübling, 2004; Scheuch, Haufe & Seibt, 2015). Psychische und psychosomatische Erkrankungen zählen zu den Hauptgründen für eine Frühpensionierung von Lehrkräften (Scheuch et al., 2015; Weber, Weltle & Lederer, 2004). Der Anteil der Lehrkräfte, die aufgrund von Dienstunfähigkeit frühpensioniert werden, betrug im Jahr 2016 zwölf Prozent (Statistisches Bundesamt, 2017). Zudem zeigen Forschungsbefunde, dass sich die emotionale Erschöpfung von Lehrkräften negativ auf die Motivation von SchülerInnen sowie deren schulische Leistungen auswirkt (Arens & Morin, 2016; Klusmann, Kunter, Trautwein & Baumert, 2006; Klusmann, Richter & Lüdtke, 2016).

Vor diesem Hintergrund haben sich viele Studien mit den Ursachen für psychische Belastungen bei Lehrkräften beschäftigt (vgl. Krause, Dorsemagen & Baeris, 2013; Rothland, 2009). Auf dieser Grundlage wurden verhaltens- und verhältnisbezogene Interventionsmaßnahmen für Lehrkräfte entwickelt (z.B. Dadaczynski, Paulus, Nieskens & Hundeloh, 2015; Lehr, 2014) und es liegen erste Nachweise für die Wirksamkeit, insbesondere von verhaltensbezogenen Maßnahmen vor (siehe für eine Metaanalyse z. B. Iancu, Rusu, Măroiu, Păcurar & Maricutoiu, 2017). Völlig unklar ist jedoch bislang, ob und in welchem Umfang die Zielgruppe diese Maßnahmen in Anspruch nimmt. Welche Hürden gibt es möglicherweise beim Transfer wirksamer Interventionen in die Praxis? Und welche Rolle spielt hierbei das jeweilige schulische Umfeld? Neben der Untersuchung der Wirksamkeit von gesundheitsfördernden Maßnahmen sind diese Fragen aus der Perspektive der betrieblichen Gesundheitsförderung, der Versorgungsforschung und der Gesundheitsökonomie von besonderem Interesse.

Unter Bezugnahme auf sozialwissenschaftliche Modelle zur Vorhersage des Gesundheitsverhaltens (z.B. Reasoned action approach to health promotion; Fishbein, 2008) und der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen (z.B. Behavioral model of health services use; Andersen, 1995) wurde ein Arbeitsmodell entwickelt und folgende Forschungsfragen abgeleitet:

  1. An welchen gesundheitsfördernden Maßnahmen nehmen Brandenburger Lehrkräfte im schulischen Setting teil, wie schätzen sie die Wirksamkeit dieser Maßnahmen ein und für welche Maßnahmen sehen sie einen besonderen Bedarf?

  2. Welche Faktoren bedingen die Bereitschaft der Lehrkräfte in Brandenburg, an gesundheitsfördernden Maßnahmen teilzunehmen?

  3. Wie stark sind die Zusammenhänge zwischen dem Wohlbefinden der Brandenburger Lehrkräfte, ihrer Inanspruchnahme von gesundheitsfördernden Maßnahmen und dem Wohlbefinden ihrer Schülerinnen und Schüler?

Zur Beantwortung der Fragestellungen werden mit finanzieller Unterstützung der Unfallkasse Brandenburg insgesamt knapp 1.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Brandenburg repräsentativ befragt. Hierfür wird die Schülerbefragung der HBSC-Studie Brandenburg („Health Behaviour in School-aged Children“) um eine Befragung der Lehrkräfte ergänzt. Die geplante repräsentative Stichprobe umfasst Lehrkräfte an allen allgemeinbildenden Schulformen (Grundschule, Oberschule, Gymnasium, Gesamtschule und Förderschule) in Brandenburg. Hierbei soll in Anlehnung an die Definition der Betrieblichen Gesundheitsförderung (European Network for Workplace Health Promotion, 2014) die Gesamtheit aller gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz Schule betrachtet werden, z. B. die Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen an der Schule, die Förderung einer aktiven Beteiligung des Kollegiums an der Schulgestaltung und die Stärkung der persönlichen Kompetenzen und Ressourcen von Lehrkräften. Aus den Befunden können Handlungsempfehlungen für die Gestaltung, Weiterentwicklung und Implementierung von gesundheitsförderlichen Maßnahmen für Lehrkräfte abgeleitet werden.