Alumnus des Monats

Auch ehemalige Mitarbeiter sind Alumni. So auch Prof. Vierhaus, der uns allerdings noch erhalten bleibt und das Fachgebiet Technische Informatik und seinen Nachfolger Prof. Michael Hübner trotz Ruhestand noch in Lehre und Forschung unterstützt.

Prof. Dr.-Ing. Heinrich Theodor Vierhaus
Technische Informatik, 1996 – 2018

Prof. Vierhaus hat in Bochum studiert und in Siegen promoviert, wo er den Rechner noch selbst zusammenlötete auf dem er die Berechnungen für seine Promotion über Ostern und Weihnachten laufen lassen konnte. Nach langjähriger wissenschaftlicher Tätigkeit kam er 1996 nach Cottbus und baute die Technische Informatik auf, die inzwischen internationale Sichtbarkeit erreicht hat. Seit 2018 lehrt und engagiert er sich noch als Professor im Ruhestand und Alumnus an der BTU Cottbus-Senftenberg.

Hallo Herr Prof. Vierhaus, hätten Sie als Student schon gedacht irgendwann mal Professor zu werden?
Als Student habe ich mir meine Karriere so natürlich niemals vorgestellt. Zur Schulzeit wusste ich, dass ich etwas Technisches machen will, also studierte ich in Bochum Elektrotechnik. Von über 180 Studierenden im Erstsemester blieben bis zum Vordiplom nur ungefähr 20 übrig. Auch mir fiel das Studium nicht leicht. Ich hatte nicht nur Zweier, da war auch ab und zu mal ein Vierer dabei. Nach dem Studium wurde ich statt Soldat Entwicklungshelfer mit  Lehrtätigkeit am Technical College in Dar-es-Salaam in Tansania. Als ich zweieinhalb Jahre später  zurück nach Deutschland kam, fand ich 1978 eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle an der Universität Siegen, wo ich auch promovierte. Ich arbeitete danach in St. Augustin bei Bonn bei einer Informatik-Großforschungseinrichtung, der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD), im Gebiet Mikroelektronik. Als sich das Ende der Karriere in der Einrichtung abzeichnete, kam die Ausschreibung für eine Professur in Cottbus zum richtigen Zeitpunkt und ich habe die Stelle bekommen und dann hier die Technische Informatik neu aufgebaut. Das war alles natürlich mit viel Arbeit verbunden, aber das war im Gegensatz zum Studium selbst-organisierte Arbeit, und das fällt leichter. 

Was war ihr Forschungsschwerpunkt?
Früher ging es in der Mikroelektronik vor allem um die Rechenleistung und mit der Verbreitung mobiler Geräte kam das Thema des Stromverbrauchs hinzu. Doch seit Beginn meiner Cottbuser Zeit war mein Hauptthema die Zuverlässigkeit von Elektronik-Systemen. Spätestens seit 2010 merkte man dann auch das akute Interesse an dem Thema. Wenn ich den Leuten heute sage, dass wir uns darum kümmern, dass die Elektronik im Auto über zwanzig Jahre bei jeder Temperatur funktioniert, auch wenn die Einzelbauteile nicht unbedingt hochzuverlässig sind, dann versteht das inzwischen jeder. In den 1970er- und 1980er-Jahren war es noch schwieriger den Leuten zu vermitteln, was ich mache. Meine Frau sagte damals den Nachbarn, dass ich bei der Mikroelektronik immer kleinere Löcher bohre.

Was würden Sie Studierenden heute für den Berufsweg empfehlen?
Wenn man in Deutschland Informatik studiert, dann wird man kaum bei Microsoft, Google oder Facebook landen, die lassen hier nämlich wenig entwickeln. Die bundesweit größten Arbeitgeber sind eher Siemens und Bosch, und für die ist die Technische Informatik von großer Bedeutung. Die brauchen Fachkräfte die auch ein Gespür für die Elektronik, also die Hardware haben, aber das wird nicht mehr an allen Universitäten in der Informatik gelehrt. In Cottbus ist ein solides Wissen über Hardware immer noch ein fester Bestandteil der Lehre. Grundsätzlich geht es im Studium darum, eine solide methodische Grundlagen-Ausbildung zu bekommen und dann sein eigenes Thema zur Vertiefung zu finden. Eine solide Ausbildung bestätigen  uns auch immer wieder die Alumni bei unseren jährlichen Alumni-Treffen. Wer in die Wissenschaft gehen will, der sollte vor allem seine Neugier, Motivation und sein Interesse bewahren und sich darauf einstellen, dass man mehr als 40 Stunden die Woche arbeitet und Kompromisse im Privatleben finden muss. Aber unsere 2 Kinder sind trotzdem groß geworden und haben sich gut entwickelt.

Sie bleiben uns auch im Ruhestand erhalten, fühlen Sie sich denn inzwischen als echter Cottbuser?
Meiner Frau und mir gefällt Cottbus sehr gut, es ist übersichtlich und hat doch ein hohes kulturelles Angebot. Außerdem ist Cottbus nicht so schrecklich eng zugebaut wie andere Städte. Wir haben 1998 ein Haus im Norden von Cottbus gekauft, wo wir immer noch wohnen. Am Haus gibt es immer eine Menge zu tun, wofür ich jetzt auch etwas mehr Zeit habe. Wenn ich meine Nachbarn fragen würde, was ein alter Cottbuser ist, dann würden die wahrscheinlich sagen, dass man dafür Sorbe sein muss. Als gebürtiger Westfale werde ich auch im Alter kein Sorbe mehr werden, aber der Region und der BTU Cottbus-Senftenberg bleibe ich trotzdem verbunden. Außerdem unterstütze ich das Fachgebiet Technische Informatik und meinen Nachfolger Prof. Michael Hübner auch sehr gerne noch weiter.

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