Learning from ... Las Vegas? Wovon heute lernen?

Dozent: Vertr.-Prof. Dr.-Ing. Gernot Weckherlin
Termin
: Donnerstag 13.45 – 17.00 Uhr
Ort:
LG 2B / U16

Vor 50 Jahren machte sich eine kleine Gruppe von Architektur-, Geographie- und Grafikstudentinnen und -studenten der Yale School of Art and Architecture mit ihren Tutoren auf, um eine Stadt zu untersuchen, die bis dahin nicht auf der Liste üblicher Exkursionziele seriöser Architekturfakultäten gestanden hatte, ja die bis dahin nicht einmal als Stadt bezeichnet wurde. Sie wollten, wie es in der Kursbeschreibung hieß, „eine sorgfältige Dokumentation und Analyse ihrer physischen Form vornehmen...“, die sie „... für Architekten und Urbanisten für so wichtig hielten, wie das Studium der Städte des mittelalterlichen Europas oder des antiken Griechenlands früherer Generationen...“

Aus dieser Untersuchung entstand bekanntlich eine der folgenreichsten architekturtheo-retischen Veröffentlichungen der Postmoderne: Robert Venturis, Denise Scott-Browns und Steven Izenours „Learning from Las Vegas“. Die Behauptung, dass man von der Stadt Las Vegas in Nevada genauso viel wie vom antiken Rom oder dem Florenz der Renaissance lernen könne galt damals als eine ungeheure Provokation, zumal das Buch ja aus einem Studioprojekt dieser Universität hervorging.

Heute stellen sich zweifellos völlig andere Fragen, nicht nur was die Relevanz der auszuwählenden Referenz- und Lernorte genauso angeht, sondern auch hinsichtlich der Frage, wie und was von welchen Orten zu lernen wäre.

Dieses Seminar hat deswegen drei Lernziele:

1.
Wollen wir eine genaue und kritische Lektüre dieses historischen Textes hinsichtlich dessen Relevanz für Probleme der Architekturkultur der Gegenwart leisten. Wie etwa stellt sich heute das Problem des Verhältnisses von Trivial- und Hochkultur, wie steht es um die dem Buch oft vorgeworfenen Nähe zu einem kulturellen Populismus?

2.     
Wollen wir das Motiv des „Lernens von einem Ort“ als Motto und den damit verbundenen Nutzen und Vorteil des Studiums der Geschichte einer jeweils topographisch beschränkten Raum klären. Von welchen Orten ließe sich heute so viel lernen, wie von Las Vegas, oder Rom anno 1968? Warum etwa bildet häufig noch immer die „europäische Stadt“ das dominante architektonische Referenzmodell und nicht etwa die „afrikanische“, oder die „asiatische Stadt“?

3.
Wollen wir einen Katalog der Orte und Untersuchungsmethoden herausarbeiten. Das Lernen von einem Ort bedarf der sorgfältigen Analyse  spezifischer Fragen an diesen Ort. Wir – gemeint sind – zukünftige Planer/Innen und Architekt/innen können von jedem Ort etwas für unsere Praxis lernen, sofern wir die Wahl des zu betrachtenden Ortes in Bezug zu unserem aktuellen Problem stellen, oder wie es die Autorin im Vorwort zur zweiten Auflage von „Learning from Las Vegas“ ausdrückte: „Architecture for the last quarter of our century should be socially les coercive and aesthetically more vital than the striving and bombastic buildings of our recent past. We architects can learn this from Rome and Las Vegas and from looking around us wherever we happen to be.“

Leistungen
Die Veranstaltung wird als Continuous Assessement (MCA) bewertet, womit der aktiven Seminarteilnahme und dem Thesis Paper ein besonderer Stellenwert für den Lernerfolg zukommt.

Leistungsumfang
1. aktive Seminarteilnahme mit einer Exkursion und einem Referat (20%)
2. Abgabe 4 Kurzaufgaben im Rahmen des Seminars (20%)
3. schriftliche Hausarbeit Thesis Paper (60%)