HEIMgebung. Architektonische Ich-Konstruktionen des Heimatbegriffs Modul 25405 (MA)

Dozenten: Adria Daraban und Albrecht Wiesener

Veranstaltungs-Nr.623101

Seminar 2 SWS (Voraussetzung ist die Teilnahme am Online-Workshop „Denk-Räume“)

Credit Points: 3 (+ 3 CP )

Zeit: 9.30 – 11.00 Uhr /immer dienstags
Online-Veranstaltung

Online-Einführung: 21. April 2020

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„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in der Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“[1]

Mit diesen Worten beendet Ernst Bloch sein Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung“. Die Heimat als Hoffnung zu denken, erlaubt es uns, sie „als ein Werk, ein Arbeitsprodukt“, zugleich aber auch als eine Form emotionaler Teilhabe an der Welt und als „eine im Kern kognitive Leistung“ zu verstehen. Heimat ist, so gesehen, kein spezifischer, begrenzbarer Raum mehr, sondern eine Handlung, die es jeder/jedem ermöglicht, „einen beliebigen Raum zur Heimat zu machen“[2]. Heimat wird gemacht oder gegeben (HEIMgebungen), denn „jeder, der Heimat auf diese Weise schon hat, kann jedem, der sie noch nicht hat, helfen, sich diese durch Begehung, Beobachtung, Erfahrung, Lektüre zu erschließen.“[3]

Einem solchen Verständnis sind die identitären Vereinnahmungen des Heimatbegriffs, wie sie in den letzten Jahren einen unerfreulichen Wiederaufschwung erleben, entgegengesetzt. Die Geschichte dieser Vereinnahmung ist lang: Der Heimatbegriff wird im deutschsprachigen Raum seit dem 19. Jahrhundert, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus, als politisch instrumentalisierte Vorstellung vom sozial, kulturell und territorial Eigenen und Begrenzbaren missbraucht. Diese Vorstellungen operieren mit einer Definition der Heimat, die sich vor allem durch Abgrenzung vom Fremden und Ausgrenzung des Anderen kennzeichnet.

Unter dem TitelHEIMgebung. Architektonische Ich-Konstruktionen des Heimatbegriffs“ widmen wir uns im Rahmen des Seminars der Idee der Heimat als individuellem Findungs- und Schaffensprozess. Wir untersuchen mögliche Bedeutungen und Deutungen von architektonisch, künstlerisch und literarisch reflektierter Heimat. Indem wir die Heimat aus der Ich-Perspektive betrachten, versuchen wir kollektive Fragen zu beantworten. Was bedeutet es, die Heimat als einen Erkenntnisprozess aufzufassen, der allen offensteht und nicht vereinnahmt werden kann? Wie lässt sich Heimat machen, konstruieren oder geben?

In diesen bewegten Zeiten wagen wir also den Blick nach innen und untersuchen in Form eines Lektüreseminars einen offenen, widersprüchlichen Begriff. Unsere Absicht ist nicht die verharmlosende Aufwertung des Heimatbegriffs. Vielmehr schulen wir gemeinsam unsere eigenen kritischen Fähigkeiten anhand eines Begriffs, der auch in der Architektur wertvolle Erkenntnisprozesse in Gang setzen kann.

Teil dieses Moduls und Voraussetzung für das Absolvieren ist die Teilnahme an dem zweitägigen Online-Workshop „Denk-Räume. Eremitagen, Einsiedeleien und andere Rückzugsräume“. Details unter: https://www.b-tu.de/fg-architekturtheorie/


[1] Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Bd. 3, Frankfurt a.M. 1979, S. 1628.

[2] Marko Demantowsky, „Public History auf Abwegen. Heimatgeschichte als Einladung“, in: Merkur, gegründet 1947 als Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, 72. Jahrgang, November 2018, Heft 834, Stuttgart, 2018, S. 30-44, hier S. 44.

[3] Ebd. S. 44.

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