DerDieDas

DerDieDas ist eine interdisziplinäre Vortragsreihe der BTU Cottbus, Fakultät 2 für Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung, Lehrstuhl Baukonstruktion und Lehrstuhl Baukonstruktion und Entwerfen Prof. Dr. eh. (SPSUACE) Wolfgang Schuster.

Die Vorträge findet in der Regel wöchentlich am Mittwoch um 18.00h im Hörsaal 3 während der Vorlesungszeit statt.

Eingeladen werden Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die sich mit der Gestaltung des alltäglichen Lebens auseinandersetzen, wie z.B. Architekten, Stadtplaner, Bauingenieure, Designer, Künstler, Historiker, Geschichtswissenschaftler u. v. m. und bezieht Position zur Architektur und Stadt.

Im Anschluss an die Vorträge finden offenen Diskussion statt.

weitere Informationen finden Sie unter: www.tu-cottbus.de/derdiedas/


Nils Buschmann, ROBERTNEUN Architekten - Reinvent

Der Bestand ist nicht nur als graue, sondern als kulturelle Energie wertvoll, als reichhaltige Beschaffenheit von Stadt. Ressource Architektur. Der Bestand, der Kontext der Stadt als Ausgangspunkt aller zeitgenössischen Architektur interessiert uns. Im Berlin der Nachwendezeit wurde der gesamte Innenstadtbereich mit dem homogenen Stadtbild der europäischen Stadt im Namen der kritischen Rekonstruktion überplant. Noch heute bildet diese politische Vorgabe Grundlage für viele städtebauliche und architektonische Beurteilungen. Konträr dazu fand eine offkulturelle, inoffizielle Umnutzung und Aneignung konkreter Bauten und Räume statt, vollkommen pragmatisch und unideologisch, konkret, die für die sogenannte junge dynamische vitale Lebensqualität Berlins stehen und international das Image der Stadt prägen. Uns interessiert diese Vitalität, diese Heterogenität, die Stadt der Potentiale und Möglichkeiten. Warum sollen wir eine Vielfalt, die es gibt, die einfach so da ist, einen Reichtum kultureller, geschichtlicher und auch sozialer Art herschenken. Reinvent heißt Wieder - Erfinden. Also zurück und voraus gleichzeitig. Der Bestand, der Kontext der Stadt löst eine Erfindung aus, die den Bestand, den Kontext integriert, ihn sich zunutze macht und in eine Entwicklung des Weiterbauens integriert. Der Bestand, der Kontext der Stadt als Ausgangspunkt zeitgenössischer Architektur. Das ist keine Nostalgie oder Romantik, sondern eine Begeisterung für das Konstrukt von heterogener Stadt im Allgemeinen, für das Rohmaterial, die Resource Architektur.

Gastvortrag Stephanie Nava - Considering a Plot (Dig for Victory)

Im Rahmen des Vortrags stellt Stéphanie Nava das Projekt "Considering a Plot (Dig for Victory)" vor, das ab Ende Januar unter dem Titel "Graben für den Sie oder die Gärten des Überlebens" im dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus gezeigt wird.

Die unter dem programmatischen Titel "Graben für den Sieg oder die Gärten des Überlebens" firmierende Einzelausstellung der in Paris und Marseille lebenden Künstlerin Stéphanie Nava stellt eine aus unzähligen Handzeichnungen bestehende, über den Zeitraum von mehreren Jahren entstandene Installation zweier Gärten vor: Nutz- und Schrebergärten sowie deren politische Geschichte seit dem 19. Jahrhundert werden ornamentalen Repräsentationsanlagen gegenübergestellt.

Seit rund sieben Jahren arbeitet die Künstlerin an ihren "Gärten des Überlebens" indem sie die Geschichte wirtschaftlicher, politischer und sozialer Betrachtungen über unterschiedliche Formen von Gärten in ihre Zeichnungen einfliessen lässt und darüber (und damit) Räume baut. Entstanden sind nicht nur physisch erfahrbare, dreidimensionale Gärten aus Zeichnungen / Papier, vielmehr fungieren diese vor allem als Erzählräume. Jene Erzählung(en) rekapitulieren die Geschichte von Kleingärten, bzw. verweisen auf die Zier- und Landschaftsgärten als Metapher gesellschaftlicher Ordnungen. Gleichermassen sind der Ausstellunge Fragen nach der Implementierung von Gärten, Agrikultur und Parks in die urbane Landschaft und ihre Planung imanent.

Die Handzeichnungen, die stilistisch botanische Druckgrafiken des frühen 19. Jahrhunderts aufgreifen, reflektieren nicht nur das Thema der Gärten, sondern loten auch das Medium selbst und seine Möglichkeiten aus.

Gastvortrag Topotek1 / Martin Rein-Cano

Martin Rein-Cano wurde 1967 in Buenos Aires geboren. Er studierte Kunstgeschichte an der Universität in Frankfurt und Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität in Hannover und Karlsruhe. 1996 gründete er das Büro TOPOTEK 1 in Berlin. Martin Rein-Cano hat als Gastprofessor in Europa und Nordamerika gelehrt. Er hält internationale Vorträge an verschiedenen Universitäten und kulturellen Einrichtungen und nimmt ebenfalls oft als Mitglied von Jurys nationaler und internationaler Wettbewerbe als Preisrichter teil.

TOPOTEK 1 versteht sich als Grenzgänger - als Wanderer in den Bereichen verschiedener Genres, Typologien und Maßstäbe. So ist TOPOTEK 1 im Feld der Gestaltung urbaner Freiräume und der Bearbeitung städtebaulicher Themen verwurzelt, unternimmt aber genauso Ausflüge in die Konzeption und Realisierung von Ausstellungen und Kunstinstallationen. Die Hybridisierung dieser Themen, die Entnahme und Übertragung von Dingen aus ihrem Kontext in einen anderen liegt somit im zentralen Interesse des Büros.

Die Arbeiten von TOPOTEK 1 wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Städtebaupreis 2002, der Deutsche Architekturpreis 2003, der Nationale Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur "Stadt bauen. Stadt leben" 2009 und der INNO 2010; 2013 mit dem "red dot, best of the best" und der IAKS Architekturpreis mit der Gold- und der Bronzemedaille für die Projekte Superkilen und Heerenschürli. 2011 und 2013 erhielt TOPOTEK 1 eine Anerkennung im Rahmen des Deutschen Landschaftsarchitekturpreises. Zahlreichen Publikationen zu TOPOTEK 1 sind bereits als Monographien, in Fachbüchern und Zeitschriften erschienen.