Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes Rathenow

In den Jahren 2000 und 2001 wurden vom damaligen Lehrstuhl Eisenbahnwesen der BTU Cottbus die Gestaltungsidee und die Entwurfsplanung zur Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes Rathenow als interdisziplinäre Arbeit von Verkehrsplanern, Architekten und Bauingenieuren geliefert.

Mit der Verkehrsfreigabe des umgestalteten Bahnhofsvorplatzes am 20.04.2006 ist dieser - auf der Basis der im Folgenden beschriebenen Planungsansätze entstandene - Entwurf mit nur geringen Änderungen Realität geworden.

Städtebauliche und verkehrliche Analyse

Der Bahnhofsvorplatz Rathenow ist durch markante Baukörper - Empfangsgebäude, Kaiserbahnhof, Wasserturm, Wohnbebauung am Dunckerplatz - städtebaulich gefasst. Dennoch bestanden erhebliche Defizite im unmittelbaren Umfeld, die vor allem die ungeordneten Flächen westlich und östlich des Bahnhofsensembles betrafen. Hier war eine städtebauliche Neuordnung im Interesse einer Entree-Funktion dringend geboten.
Auch verkehrlich war eine Neuordnung notwendig. Der Dunckerplatz stellte einen großen, ungeordneten Verkehrsraum dar, auf dem die Orientierung sowohl für Autofahrer als auch für Fußgänger und Radfahrer nicht einfach war. Aufenthalts- und Verweilfunktion hatte der Platz allenfalls in der Platzmitte (um das Denkmal), aber eine einheitliche Erscheinungsform des Platzes im Sinne einer verkehrlichen Nutzung fehlte.
Dem öffentlichen Verkehr stand zwar grundsätzlich ausreichend Raum zur Verfügung (Ankunfts- und Abfahrtspositionen der Busse, Wartefläche), aber auch hier war die fehlende Strukturierung und die daraus resultierende Orientierungslosigkeit für Fußgänger und Busfahrgäste zu bemängeln.
Die Taxistellplätze lagen zwar in räumlicher Nähe und guter Sichtbeziehung zum Empfangsgebäude, aber es war der gesamte Verkehrsraum des Vorplatzes zu überqueren; darüber hinaus standen die Taxis in Gegenrichtung zum Straßenverkehr, was zu Behinderungen und ungünstigen Ein- und Ausstiegssituationen führen konnte.
Insgesamt war festzustellen, dass das Bahnhofsumfeld aus städtebaulichen und verkehrlichen Gründen dringend neu gestaltet werden musste. Das auch unter dem Aspekt, dass im Jahre 2006 in Rathenow die Landesgartenschau stattfindet und spätestens zu diesem Zeitpunkt die Gesamtanlage neugestaltet zur Verfügung stehen sollte.

Ziele und Vorgaben bei der Neugestaltung

Alle Bestandteile der Verkehrsanlagen sollten fahrgastfreundlich gestaltet werden, das Umsteigen grundsätzlich erleichtern, für mobilitätsbehinderte Menschen ohne fremde Hilfe benutzbar sein und erforderliche Wartezeiten angenehm und sicher erlebbar machen. Es wurden kurze Fußwege zwischen den Bestandteilen der Verkehrsanlagen angestrebt. Die Angebote des ÖPNV waren dabei in kompakter Form zu verknüpfen.
Für die Führung des Straßenverkehrs wurde zwar die innerorts zulässige Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h angesetzt, die tatsächliche Fahrgeschwindigkeit wird auf Grund der vorhandenen Verkehrsraumsituation eher 30 km/h betragen.
Für den Entwurf wurden die unter Denkmalschutz stehenden Anlagen und Bauwerke beachtet und respektiert:

  • Empfangsgebäude des Bahnhofs
  • Kaiserbahnhof
  • Gleisanlage des Kleinbahn Nauen-Senzke-Kriele auf dem Vorplatz
  • Dunckerdenkmal
  • Wasserturm der Berlin-Lehrter Eisenbahn im Zusammenhang mit Wasserkran, der allerdings mit dem Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin - Hannover abgerissen wurde, einschließlich des hierzu gehörenden Rohrleitungsnetzes.

In Ergebnis des Abstimmungsprozesses wurden für die optimale Anordnung und Bemessung der Verkehrsanlagen des Bahnhofsvorplatzes folgende Ansätze umgesetzt:

  • zwei Doppel-Bushaltestellen für zeitgleiche Ankunft und umgehende Abfahrt
  • insgesamt 5 Bushaltestellen für Ankunft und nachfolgende Ruhezeit (Wartezeit) für Linien- und Sonderbusse
  • Insgesamt 147 Pkw-Stellplätze (Park+Ride; Bemessungsfall zwischen "sonstige RE-Halte" und "Mittelzentrum")
  • Ca. 80 Fahrradstellplätze (Bemessungsfall Mittelzentrum, entsprechend 5 % der täglich ein-/aussteigenden Fahrgäste), im Maximalfall 160 (Bemessungsfall sonstige RE-Halte)
  • 10 Taxistellplätze (je 5 für Ankunft und Abfahrt)
  • 10 Stellplätze für Kurzvorfahrt des MIV ("Kiss-and-Ride")

Die Dimensionierung der Verkehrsanlagen orientierte sich ausschließlich am örtlichen und regionalen Bedarf und berücksichtigte die landesseitigen Planungsvorstellungen.