Smart Cargo Station Wo Güter im Bahnverkehr so simpel wie Personen ein-, aus- und umsteigen.

Gefördertes Forschungsprojekt: Interaktion von neuen Technologien des kombinierten Güterverkehrs mit der Gestaltung und dem Betrieb von Bahnanlagen

LKW beherrschen heute den Güterverkehr. Überlastete und geschädigte Straßen, ein großes Unfallrisiko, Niedriglohnarbeit, Luftverschmutzung und hoher Verbrauch fossiler Treibstoffe prägen diese energetisch ineffiziente Art des Transportes. Die einst dominierende Eisenbahn wird von der europäischen Politik zu Recht wieder als Alternative gefordert. Innovative Technologien des kombinierten Verkehrs Straße-Schiene setzen sich jedoch nur schleppend durch, weil geeignete Zugangsstellen zum Schienennetz fehlen. Im Vordergrund steht daher die Frage: Wie kommen die Güter eigentlich auf die Schienen? Die Smart Cargo Station (SCS) könnte die Antwort liefern.

Die Eisenbahn kann, trotz günstiger Primärenergiebilanz, ihren Marktanteil am Güterverkehr in Deutschland von ca. 17 % der Tonnenkilometer nur mühsam behaupten. Viele potentielle Güterkunden sind auf dem Schienenweg nicht (mehr) erreichbar. Jedem Gewerbe- oder Industriebetrieb (wieder) einen eigenen Gleisanschluss zu legen, ist oftmals unrentabel, öffentliche Ladestellen sind größtenteils verschwunden. Die meisten Transporte gehen demzufolge über die Straße, verbunden mit Nachteilen für Ökologie und Gesellschaft. Eine Alternative zu Langstreckenverkehren per LKW bildet der Kombinierte Verkehr (KV). Dabei werden die Güter in einem Behälter teils auf der Straße, teils auf der Schiene transportiert. Genormte Behälter existieren in großer Stückzahl für nahezu alle Arten von Ladegütern. Der Umschlag zwischen den Verkehrsträgern findet in KV-Terminals statt, ist jedoch mit Zeitverlust sowie zusätzlichen Kosten verbunden. KV-Terminals sind rar gesät und die Wege dorthin oft weit. Wirtschaftlich sinnvoll werden konventionelle KV-Verkehre daher erst bei einem großen Güteraufkommen und langen Transportrelationen. Beides erreichen Güterkunden der mittelständischen Wirtschaft nur in wenigen Fällen. Selbst die Regionen entlang der europäischen Güterverkehrskorridore sind de facto vom Kombinierten Verkehr abgehängt, weil die Züge abseits der KV-Terminals nicht zum Be- oder Entladen halten. Es mangelt also an einem Konzept, mit dem Güter auf kürzestem Wege, schnell, sicher und unkompliziert zum Zug kommen.

Die Projektidee besteht aus der Übertragung von Grundprinzipien des öffentlichen Personenverkehrs auf den Gütertransport. Verkehrsstationen in Siedlungsnähe gestatten Reisenden den schnellen Ein-, Aus- und Umstieg von einem Verkehrsmittel in das andere. Was fehlt, ist ein bauliches Pendant für den Güterverkehr. Dafür soll die Smart Cargo Station entwickelt werden, die sich vor Allem für eine dezentrale Lage eignet. Kostengünstig und einfach gestaltet, könnten Smart Cargo Stations das existierende Eisenbahnnetz um einen neuen Baustein, in großer Anzahl ergänzen und zusätzliche Potentiale des Güterverkehrs für die Eisenbahn erschließen. Die genormte Gestaltung mit erweiterbaren Modulen soll sich in bestehende Bahnanlagen integrieren und erfordert keinen Eingriff in bestehende Stellwerkstechnik, was Kosten spart. Die benötigten Areale stehen in Gestalt von Brachflächen, entstanden durch Rückbau von Bahnhofsgleisen, zur Verfügung. Geeignete Horizontalumschlagstechnologien können in der Smart Cargo Station den Einsatz teurer Krananlagen vermeiden und funktionieren auch bei elektrischem Bahnbetrieb mittels Oberleitung. Den Kern des Projektes bildet eine neuartige Lösung, die auf zeitraubende Rangier- und Zugbildungsprozesse komplett verzichtet. Stattdessen soll der Güterumschlag während eines kurzen Verkehrshaltes an einem Hauptgleis möglich gemacht werden, selbstverständlich unter dem Nachweis gleichbleibender Sicherheit.

Güter können in der Smart Cargo Station auf einem Hauptgleis rasch ein-, aus- und umsteigen, wo zuvor und danach andere Züge fahren. Der Bau zusätzlicher Gleise ist dafür nicht erforderlich, das bisher unverzichtbare Rangieren entfällt. Die kurzen Distanzen zum Kunden werden auf der Straße überbrückt. Der Aufbau und die Abläufe in der Smart Cargo Station werden in einer Labor- und Lehranlage simuliert. Mehr Güter auf die Schienen: Nicht nur als politischer Slogan, sondern ein wissenschaftlich-technisches Forschungsziel an der BTU Cottbus-Senftenberg, gefördert durch die Karl-Vossloh-Stiftung.

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Bearbeiter:
Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der BTU-Lehrstühle Eisenbahnwesen und Graphische Systeme
Doktorand im Projekt ist Christian Menzel, M.Sc. (Lehrstuhl Eisenbahnwesen)

Projektlaufzeit:
2015 bis 2018

gefördert durch: