Überlegungen zum Warten in Corona-Zeiten

Warten kann als eine mehr oder minder lang andauernde ortsgebundene Tätigkeit, ein stationäres Verweilen, beschrieben werden, bei der eine oder mehrere Personen ihre Aufmerksamkeit auf ein künftiges Ereignis richten und sich mental darauf vorbereiten.

Dabei können verschiedene Merkmale identifiziert werden, die mit dem Warten verbunden sind:

ZEITERLEBEN

Stillstand und Unproduktivität

A: Durch das Warten war ich unkonzentrierter in meinem Handeln, da ein Gefühl von Ungeduld in mir aufkam oder ich sogar an einen Ort gebunden war und keine anderen Tätigkeiten nachgehen konnte.

B: Gerade ist der Alltag aber nicht so geschachtelt bzw. in kleine Zeitabschnitte geteilt, sondern eher so etwas wie ein großer Bogen vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen. Das Warten im lästigen Sinne bleibt mir also weitestgehend erspart. Jetzt warte ich eher auf Dinge, die längerfristig eintreten können.

SEHNSUCHTSZEIT

Auf die Zukunft ausgerichtetes Wünschen Hoffnung und Erwartung

C: Positives Warten verbinde ich mit Vorfreude.Ich denke also, dass die Umstände, unter denen man Warten muss, wie z. B. das Wohlbefinden und die Ablenkung, aber auch das zu erwartende, eine sehr große Rolle beim Empfinden des Wartens spielen.

D: Mittlerweile sind aus dem Warten vielmehr Hoffnung und Vorfreude geworden. Ich bin der Meinung, dass diese Zeit in Quarantäne uns alle ein wenig gelassener gemacht hat. Ich glaube, das ist genau das, was wir alle gebraucht haben. Eine Pause für uns selbst. Um uns selbst wieder kennenzulernen und zu vermissen.

E: Dass ich mich über zu viel freie Zeit beschweren kann, ist ein Luxusproblem. Ich erwarte, meine Einstellung diesbezüglich zu ändern, es eher als Geschenk zu sehen.

KÖRPERLICHE ERFAHRUNG

Schlange stehen,
Warten ist Stagnation,
Ödnis und Langeweile

F: Als ich nach Deutschland zog, schien es mir, dass das Warten hier als ein Symbol der Ordnung wahrgenommen wird. Du wartest auf den Bus, aber der Bus wartet nicht auf dich. In den berühmtesten Clubs ist das Warten sogar ein Zeichen dafür, wie gut die Party ist; man wartet also vielleicht nur, um die Party weiter bekannt zu machen. Das Warten in einem Supermarkt auf Toilettenpapier wird zu einer recht angenehmen Erfahrung. Es ist auf jeden Fall besser, als allein zu Hause zu warten, mit nichts als den eigenen Gedanken.

SELBSTBEZOGENHEIT

Jeder wartet für sich, obwohl alle das Gleiche tun

G: Was anders ist jetzt: alle müssen darauf warten, dass die Epidemie weg ist. Also gibt es eine Art von Warten, welche alle anderen umfasst. Denn viele alltägliche Arten von Warten, die man immer noch in dieser Zeit erlebt, sind einem noch umfassenderen Warten untergeordnet, dem Warten auf das Ende der Pandemie.

TRANSFORMATION

Ohnmachtsgefühl, Verlust an Selbstbestimmung,
Machtmissbrauch, Erniedrigung,
Ungewissheit des Ausgangs

H: Auf den ersten Blick scheint das Warten ein grundlegend hierarchischer Prozess zu sein. Man muss auf Dinge warten, die man nicht kontrollieren kann oder auf Autoritätspersonen, die Macht über einen haben.

I: Musste ich mich in der Vergangenheit dem "Warten aussetzen", war es ein Gefühl von Kontrollverlust und Ernüchterung, weil ich mich der "externen Kraft" unterordnen musste und somit temporär meine Selbstbestimmung verliere. Durch die kollektive Entschleunigung (Ausgangsbeschränkung), fiel es mir leicht diesen Zustand zu akzeptieren und anzunehmen, wodurch ich das "Warten" aus einem anderen Blickwinkel betrachte. Damit musste ich mich dem "Warten" bzw. der externen Kraft nicht mehr unterordnen, sondern habe es zu meiner eigenen Handlung gemacht, die ich für mich individuell gestalten kann.

K: Ich warte darauf, dass fremdgegebene Strukturen wiederauftauchen, die mir einen Tagesrhythmus schaffen.Das Warten hat sich insofern verändert, als dass sich eine gewisse Akzeptanz breitgemacht hat, dass ein Ende weder in Sicht, noch durch mich beeinflussbar ist.

KULTURTECHNIK

Kontemplation und Selbstvergewisserung (Erkenntnisse können reifen)
Wissenschaftliche und künstlerische Hervorbringungen, religiöse Vorstellungen oder philosophische Überlegungen werden vom Warten geprägt

L: Das Warten hat sich für mich in dem Sinne positiv verändert, da in der heutigen Situation, während ich darauf warte, dass die Quarantäne vorbei ist, die Zeit zwar still zu stehen scheint, aber ich dadurch auch das Gefühl habe, viele Dinge organisieren zu können und mehr Zeit für mich zu haben.

M: Wann genau eine Wartezeit beginnt Frust auszuüben kommt darauf an, auf welches Warte-Intervall ich mich eingestellt habe und im welchem Maße dieses überschritten wurde.

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