Hybrid Urbanisms Hybride Formen der Stadtentwicklung in Secondary Cities des globalen Südens anhand ihrer infrastrukturellen delivery configurations

Dieses Forschungsvorhaben wird das besondere Verhältnis von formellen und informellen Prozessen und Strukturen der Stadtentwicklung von Secondary Cities im globalen Süden vergleichend untersuchen. Zentraler Ausgangspunkt dieses Antrags ist das dauerhafte Nebeneinander und Miteinander beider Bestandteile von städtischer Entwicklung in Form von hybriden Urbanismen (hybrid urbanisms). Über die Spezifika der lokalen Stadtentwicklungspraktiken in Secondary Cities im globalen Süden ist bisher relativ wenig bekannt, da bisher vor allem makroökonomische Kennzahlen im Vordergrund standen.

Praktisch wird vorgeschlagen, in je einer durch Armut und Informalität und einer durch Wohlstand und Formalität geprägten Nachbarschaft in Sunyani (Ghana) und Arequipa (Peru) formelle Planungsansätze und Alltagspraktiken der Bewohner*innen in Bezug auf die Infrastrukturen Wasser und Mobilität zu analysieren. Die Interdependenzen von Formalität und Informalität in der Stadtentwicklung sollen anhand ihrer fallspezifischen Ausgangsbedingungen (delivery configurations (Olivier de Sardan 2010)) sichtbar gemacht werden. Die Auswirkungen auf städtische Ungleichheit werden untersucht.

Wasser und Mobilität wurden als grundlegende Ressourcen für die Entwicklung von Städten und der Lebensqualität ihrer Bewohner*innen ausgewählt. Die Untersuchung der delivery configurations erlaubt es, mehr oder weniger institutionalisierte Akteure, ihre materiellen wie auch sozialen Ressourcen und die Formen der Zusammenarbeit zu erheben und diese verschiedenen Dimensionen zueinander in Bezug zu setzen. Es wird angestrebt, durch dieses Forschungsdesign umfassende vergleichbare ethnografische Fallstudien der baulichen Herstellung und der dahinterliegenden sozialen Prozesse aber auch der alltäglichen Nutzung spezifischer Infrastrukturen und ihrer Konditionen zu erstellen. Für die Untersuchung dieser dwelling und building perspective (Ingold 2000) werden unterschiedliche qualitative Methodensets eingesetzt.

Dabei soll durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus den Planungswissenschaften und der Soziologie ermöglicht werden, die Verschiedenartigkeit hybrider Arrangements und deren Ausgangsbedingungen multiskalar zu vergleichen. So können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ärmeren und wohlhabenderen Nachbarschaften der gleichen Stadt genauso untersucht werden, wie zwischen Nachbarschaften in Ghana und Peru. Mit dem Fokus auf Hybridität kann der Blick für lokale Besonderheiten geschärft werden und zugleich ergibt sich die Möglichkeit, die Hintergründe ähnlicher Entwicklungen in unterschiedlichen Nachbarschaften sowie staatlichen Kontexten vergleichend zu beforschen. Durch den internationalen Vergleich wird ein innovativer Beitrag geleistet, die Theoriebildung zu Secondary Cities im globalen Süden anhand von Analysen kleinräumlicher lokaler Realitäten voranzutreiben.