Forschung

Arbeits- und Geschlechterverhältnisse im Umbruch

Die Krisenerscheinungen der letzten Jahre haben in doppelter Hinsicht zu einer Verschärfung der sozialen Ungleichheit geführt: Nicht nur findet weltweit eine Vertiefung der sozialen Ungleichheit innerhalb vieler Gesellschaften statt, sondern es bleibt auch die Kluft zwischen einzelnen Staaten bestehen. Auch in der EU stehen sich Staaten mit hoher Wirtschaftskraft und relativ niedrigen Arbeitslosenzahlen solchen mit schwacher Konjunktur und hohen Erwerbslosenzahlen gegenüber. Die sozialen Krisen haben darüber hinaus eine deutliche geschlechtliche Schlagseite: Frauen haben nicht nur im Schnitt niedrigere Einkommen und ein erhöhtes Risiko, arbeitslos zu werden, sind sie doch prekärer beschäftigt. Ihnen kommt auch der größte Teil der Reproduktionsarbeit zu, also der Sorge um Kinder und Pflegebedürftige sowie die Haushaltsarbeit.

In diesem Kontext wird die Vergesellschaftung durch den Arbeitsmarkt und den Privathaushalt unter besonderer Berücksichtigung von Geschlecht in den Blick genommen und unter dem Vorzeichen der multiplen Krisen der letzten Jahre erforscht. So können die Zunahme gering entlohnter, haushaltsnaher Dienstleistungstätigkeiten im Globalen Norden und die verstärkte Feminisierung der Migration im Kontext einer internationalen Arbeitsteilung erst im Zusammenhang mit der Rücknahme wohlfahrtsstaatlicher Sicherungssysteme als Care-Krise verstanden werden. Das Fachgebiet widmet sich darum der Untersuchung des Zusammenhangs von Prekarität und Geschlecht, insbesondere des Gender Pay Gap, aber auch dem historischen Gewordensein vergeschlechtlichter Arbeitsverhältnisse.

Aktivitäten:

Pflücke, Virginia Kimey und Anna Kow (2018): [work in progress]. Lohnarbeit, Reproduktion und die Gleichheit der Geschlechter. Beitrag in: Linkerhand, Koschka: Feministisch streiten. Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen. Querverlag, Berlin.

Pflücke, Virginia Kimey (im Erscheinen): Wenn Hausarbeit bezahlt wird. Der Wandel der Arbeitsbeziehung im Privathaushalt in Spanien und Uruguay. Dissertationsschrift bei Campus: Labour Studies, Frankfurt a.M.

Projekt “Gender Pay Gap: New solutions for an old problem. Developing transnational strategies together with trade unions and gender equality units to tackle the gender pay gap.” (2014-2016, Förderung durch Europäische Kommission, DG Justice, PROGRESS, ca. 40.000 Euro)

Projekt: „European Network of Experts on Gender Equality (ENEGE) “ der Europäischen Kommission, DG Justice (seit 2012)

Habilitationsprojekt: Scheele, Alexandra: Krise und Geschlecht. Neue Artikulationsformen und Ungleichheiten (laufend)

Scheele, Alexandra 2014: „Doppelbelastung: nur ein Frauenthema? Zum Zusammenhang von Arbeit und Leben." Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Arbeit der Zukunft – Mehr Freiheit oder mehr Stress“ (14.10.2014) im IKMZ der BTU Cottbus-Senftenberg.

Scheele, Alexandra 2014: „Public Childcare Services in the European Union: The model of Germany“. Vortrag im Frauenausschusses des Europäischen Parlamentes in Brüssel
(25. 11.2014).

Lepperhoff, Julia / Scheele, Alexandra 2014: Zwischen Finanzmarkt und Fürsorge: Feministische Perspektiven auf Ökonomie und Arbeit. In: Rendtorff, Barbara / Riegraf, Birgit / Mahs, Claudia (Hrsg.): 40 Jahre Feministische Debatten. Resümee und Ausblick. Weinheim und Basel: Beltz Juventa, S. 118-133 (mit Julia Lepperhoff).

Annesley, Claire / Scheele, Alexandra 2011: Gender, Capitalism and Economic Crisis:
Impact and Responses across Europe. In: Journal of Contemporary European Studies. Vol. 19, No. 3, pp 335-347.

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