Zeichen einer vergangenen Zeit

Mit der historischen Köhlerei in der Lausitz befasst sich ein Team von Umweltwissenschaftlern um Prof. Dr. Thomas Raab

Spätestens seit dem Aufkommen der ersten Metalle in der Kupfer- und Bronzezeit nutzt der Mensch Holzkohle, um die Erze zu verhütten und die Metalle weiter zu verarbeiten. Besonders in überregional bedeutenden Montanregionen des Mittelalters und der frühen Neuzeit war die Köhlerei bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftszweig. Entsprechend widmeten sich bisherige Studien besonders den historischen Montangebieten in den Mittelgebirgen, vor allem dem Harz, Erzgebirge und Schwarzwald. Das Norddeutsche Tiefland und damit auch Brandenburg lagen weit ab vom Fokus der Forschung – zu Unrecht, wie Arbeiten der BTU-Wissenschaftler und ihrer Partner vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und vom Archäologischen Landesmuseum (BLDAM) zeigen.

»Detaillierte Untersuchungen am vermutlich größten bisher in archäologischen Grabungen dokumentierten Areal mit Relikten historischer Holzkohlemeiler im Vorfeld des Tagebaus Jänschwalde bei Cottbus belegen, dass die Bedeutung der Köhlerei besonders für diese Region bisher stark unterschätzt wurde«, resümiert Prof. Thomas Raab, Inhaber des Lehrstuhls Geopedologie und Landschaftsentwicklung. Gemeinsam mit seinem Team beschreibt und bewertet er die Verbreitung der historischen Köhlerei in Brandenburg und deren Auswirkungen auf die Bodeneigenschaften. »Wir haben herausgefunden, dass sich in den Wäldern Brandenburgs tausende und abertausende von Meilerrelikten befinden«, so der Wissenschaftler. Mit Hilfe der sehr genauen digitalen Geländemodelle können wir die Relikte gut kartieren.

»Im Vergleich zu natürlich entstandenen Böden sind Meilerböden wesentlich mächtiger und dunkler, außerdem enthalten sie deutlich mehr Kohlenstoff und stellenweise sogar neu gebildete Minerale«, weiß Dr. Florian Hirsch. Er hat sich die Mineralneubildungen im Mikroskop genau angesehen und kann mit Hilfe weiterer Feld- und Laboranalysen eine Klassifikation der Böden durchführen. »Dies ist wichtig, da Meilerböden mittlerweile in vielen Ländern Europas und auch in den USA untersucht werden. Wir benötigen eine gemeinsame Sprache für die weiteren Arbeiten«. Wesentliche Grundlagen für diese Klassifikation lieferten die Studien aus der Lausitz. »Wir können anhand der Bodenprofile und Kartierungen den ursprünglichen Aufbau eines Meilers rekonstruieren: seine meist kreisrunde Form, den Durchmesser von bis zu 30 Metern oder die verwendete Holzart und deren Alter«.

Die Geschichte der historischen Köhlerei beginnt oft in der Nähe von Bachläufen oder Quellen. Köhler stemmten Holzpfähle senkrecht in die Erde, sodass in deren Mitte ein Zündkanal, der Quandelschacht, entstand. Befüllt mit Holz, Kohle oder anderen leicht brennbaren Materialien ermöglichte dieser das Entfachen des Feuers. Um den Schacht herum platzierte der Köhler die zu verkohlenden Holzscheite, die mit Hilfe von Ästen, Laub oder Erde luftdicht abgeschlossen wurden. »Im Meiler selbst durfte das Holz nicht brennen, sondern nur verkohlen. Durch kleine Luftlöcher konnten die Köhler die Temperatur im Innern regulieren«, so Thomas Raab. Die Hitze des glimmenden Holzes trieb alle flüssigen und organischen Bestandteile als Rauch aus dem Holz. Aufgabe des Köhlers war es, den Meiler weder erlöschen noch ihn durch zu viel Luftzufuhr abbrennen zu lassen. Die Farbe des Rauches zeigte ihm, ob zu viel oder zu wenig Luft zirkuliert und das Holz verkohlt war. Wurde er bläulich, war es soweit. Die Luftlöcher wurden verschlossen, das Feuer erstickt und der Meiler begann auszukühlen. Der Köhler öffnete die Abdeckung und zog die Kohle mit einem Rechen, einer Forke oder einer Schaufel heraus und breitete sie zum Abkühlen aus. »Aus 100 Kilogramm Hartholz konnten ungefähr 30 Kilogramm Holzkohle gewonnen werden. Damals war dies der einzige Brennstoff, der leicht zu produzieren war und der die für die Eisenverhüttung nötige Hitze erzeugen konnte.«

Auch wenn diese Herstellungsart von Holzkohle längst Vergangenheit ist, finden sich ihre Hinterlassenschaften noch zahlreich in den Wäldern. Dr. Anna Schneider widmet sich den Folgen im Detail: »Aufgrund der großen Zahl und der weiten Verbreitung müssen wir damit rechnen, dass die speziellen Bodeneigenschaften der Meiler auch weitreichende Folgen haben – zum Beispiel für den Wasser- oder Nährstoffhaushalt der Wälder«. Sie hat ein Meilerrelikt mit Sensoren bestückt und empfängt damit an 365 Tagen im Jahr Daten aus dem Meilerboden – in unterschiedlichen Bodentiefen werden Wassergehalte und Bodentemperaturen aufgezeichnet. »Wir stehen hier noch am Anfang einer umfassenden ökologischen Bewertung, sehen aber schon deutliche Unterschiede zum Beispiel bei der Temperatur zwischen Meilerböden und ungestörten Bereichen«, merkt Thomas Raab an und blickt nach vorne: »Auch Hinweise für ein unterschiedliches Wachstum von Bäumen konnten wir finden. Zukünftig wollen wir uns daher in Zusammenarbeit mit Biologen und Ökologen mehr um die Folgen für die Ökosysteme und ihre Lebensgemeinschaften kümmern.«

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