Noch schneller mit neuem Carbon-Lenker

Das BTU-Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen hat für die Radsportler vom LKT Team Brandenburg ein maßgeschneidertes Bahnrad-Cockpit entwickelt und produziert. Bei den Weltcup-Rennen im Herbst 2018 griffen die Radprofis erstmalig damit an

Wenn Zehntelsekunden über Sieg und Niederlage entscheiden, wird an allen möglichen Stellschrauben gedreht, um den Athleten schneller zu machen – so auch im Radsport. Mit Heiko Salzwedel kam im Frühjahr eine Koryphäe in dieser Sportart zurück nach Cottbus. Ob Russland, Dänemark, Australien oder zuletzt Großbritannien, unter seiner Regie haben Radprofis zahlreiche Medaillen gewonnen.

Als Trainer bringt er viel Wissen nach Cottbus – und zugleich viele Wünsche. »Er ist es gewohnt, mit dem besten Material zu arbeiten. Beim sogenannten Cockpit, das sich aus Lenker, Vorbau, Armschalen, Extensions und Verbindungskomponenten zusammensetzt, war er mit  dem, was es auf dem Markt gibt nicht zufrieden. So führte ihn sein Weg an die BTU«, erläutert Prof. Holger Seidlitz, Leiter des Fachgebiets Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen, wie es zu der Kooperation mit dem LKT Team Brandenburg kam. Mit deren Sponsor Lausitzer Klärtechnik (LKT) arbeitet das BTU-Fachgebiet schon bei anderen Projekten seit längerer Zeit erfolgreich zusammen. Das Team um Prof. Seidlitz mit den akademischen Mitarbeiter Jonas Krenz und Niklas Vogt befasst sich seit längerer Zeit mit der Entwicklung von Highend-Sportgeräten in Faserverbundbauweise. Dazu zählen Komponenten für Schuhe wie Orthesen, Komponenten für Rennräder wie Sattel sowie Snowboards. Dieser Erfahrungsschatz kommt nun dem LKT Team zu Gute: »Man merkt, dass die beiden vom Fach sind und auch das Gesamtpaket ist super. Wir haben alles hier in Cottbus. Das verbindet. Es ist schön, dass in unserer Region Spitzensport möglich ist – und eben auch technische Spitzenleistungen«, sagt LKT Team-Manager Steffen Blochwitz.

In der Entwicklungsarbeit ging es ganz konkret darum, den Lenker zu optimieren und das gesamte Cockpit so zu konstruieren, dass es adaptiv auf die Athleten einstellbar ist und gleichzeitig die immense Krafteinwirkung beim Anfahren aushält. Am Ende steht nun ein Produkt aus Carbon, das alle Anforderungen mit Bravour meistert: verbesserte Aerodynamik, ergonomische Griffe, idealer Halt in den Armschalen und erhöhte Steifigkeit machen den Athleten in Summe schneller und das Fahrrad sicherer. »Wir haben es geschafft, die Aerodynamik zu optimieren, sprich die erforderliche Leistung, um den Lenker durch die Luft zu schieben, um 24 Prozent im Vergleich zum ursprünglich verwendeten Modell zu reduzieren. Der Lenker ist gleichzeitig leichter und steifer, sodass die Kraft beim Anfahren optimal auf die Bahn übertragen werden kann«, erklärt Jonas Krenz.

An einem warmen Sommertag im August kamen die jungen Radsportler an die BTU, um das neue Cockpit zu begutachten und zu testen. Bei der Montage achteten die Wissenschaftler penibel darauf, dass jeder Lenker genau nach den Maßen und Vorgaben des Fahrers angebracht wurde. Anschließend wurde eine erste Testrunde auf dem Uni-Sportplatz gedreht. Am Ende blickte Niklas Vogt in zufriedene Gesichter und hörte viel Lob, wie zum Beispiel vom diesjährigen Deutschen Meister im Zweiermannschaftsfahren Richard Banusch: »Die Kraftübertragung ist super, genauso wie ich es mir gewünscht habe« oder von Philip Weber: »Das ist der Formel-1-Rennwagen unter den Lenkern. Da er ganz individuell auf mich zugeschnitten ist, hat sich meine Position auf dem Rad deutlich verbessert.«

Nach weiteren Tests und Trainings hat dann pünktlich zum Start der Bahnradsaison im Herbst alles gepasst. Einen ganz besonderen Reiz hatte das Weltcup-Rennen vom 30. November bis 2. Dezember vor heimischem Publikum im Berliner Velodrom. Hier traten Sportler des Cottbuser Teams gegen die Weltspitze im Bahnradsport an.