Allgemeines zur Studienwahl

Das Informatik-Studium: Wer - Was - Wie
Hier werden allgemeine Hinweise zum Studium der Informatik, beziehungsweise zum Studieren allgemein, gegeben. Da wir uns auf einer www-Seite befinden, wurde dieses Thema in die drei W-Überschriften:

  • Wer sollte Informatik studieren, wer nicht?
  • Was umfasst das Studium?
  • Wie sollte man studieren?

unterteilt. Schließlich werden noch ein paar Bücher angegeben, die beispielhaft beschreiben was Informatik eigentlich ist. 

Wer sollte Informatik studieren, wer nicht?

Diese Antwort ist einfach: wen es interessiert und wer das Ziel hat, einen interessanten und zukunftssicheren Job zu bekommen.
 
Informatiker sind ein begehrtes Gut und Mangelware. Bei allen Krisen am Arbeitsmarkt der letzten 20 Jahre war die Lage für die Informatiker besser als für die meisten Ingenieure. Der Grund ist darin zu suchen, dass Informatiker für ein riesig breites Arbeitsfeld benötigt und eingesetzt werden - von der Software zur Steuerung von Maschinen und Anlagen über Administration von Großrechnern bei Banken bis zur Entwicklung Web-basierter Informationssysteme. Informatiker sind nach ihrer Ausbildung die Spezialisten zur Beherrschung von Komplexität. Und weil die technischen Systeme grundsätzlich immer komplexer werden, steigt der Bedarf an Experten für Komplexität. Diese Tendenz wird für absehbare Zeit weitergehen und sich noch verstärken.
 
Das Studium der Informatik ist nicht einfach. Es ist aber auch kein Studium nur für Überflieger. Nur wer mit Mathematik immer schon auf Kriegsfuß gestanden hat, bekommt sicher Probleme. Insbesondere müssen Informatiker abstrakt denken und komplexe Zusammenhänge begreifen können. Genau das wird aber auch im Studium schwerpunktmäßig vermittelt. Da diese Ausbildung durchaus anspruchsvoll ist, kann man Informatik kaum nebenher und in Teilzeit studieren. 

Im Berufsbild der Öffentlichkeit wird der Informatiker häufig mit dem mehr oder weniger bösartigen Hacker im stillen Kämmerlein gleichgesetzt. Da stimmt allerdings fast nie, da in den meisten Firmen Informatiker im Team mit Ingenieuren, Mathematikern, Kaufleuten und sogar Psychologen arbeiten. Informatiker sind häufig gefordert, komplexe Abläufe in der Logistik zu analysieren, zu optimieren und zu organisieren.  Deshalb wird Gruppenarbeit auch schon im Studium systematisch gefördert. 

Bleibt noch die Frage, weshalb man dann Informatik an einer Universität studieren sollte, wo es doch (Fach-)hochschulen und Berufsakademien gibt. Die Ausbildung an einer Universität ist schon für den Bachelor theoretisch breiter und anspruchsvoller angelegt. Damit sollen Absolventen befähigt werden, bei Bedarf auch mal später den Job zu wechseln und etwas Neues zu machen. Eine gute Grundlagenausbildung ist eine Versicherung gegen ein fachliches „burn-out“, also das Problem der Quasi-Berufsunfähigkeit nach Veralterung spezifischen Fachwissens. Einer späteren beruflichen Leitungstätigkeit hilft eine gute Theorieausbildung und ein gutes Abstraktionsvermögen, um verschiedene komplexe Alternativen bei der Software-Entwicklung vergleichen und geeignet bewerten zu können. 

Die Informatik der BTU Cottbus hat bereits einige hundert Informatik-Absolventen produziert. Firmen wie IBM, Infineon, Volkswagen und andere nehmen ausgesprochen gern Cottbuser Absolventen. Es hat sich herumgesprochen, dass diese eine solide Ausbildung genossen haben und breitbandig einsetzbar sind. 
Wer Informatik an der Universität studiert, sollte als Ziel gleich den Master anpeilen. Auch Bachelor-Absolventen finden Stellen, aber die Jobs für Master-Absolventen sind meistens interessanter und die Bezahlung ist wesentlich besser. 

Was umfasst das Studium?

Aus methodischer Sicht umfasst das Studium

  • Vorlesungen, in denen Wissen vermittelt wird. Sie sind oft, insbesondere im Fach- und Hauptstudium, so angelegt, dass nur Hinweise gegeben werden, welcher Wissenstoff generell oder gegenwärtig wichtig erscheint und wie man sich diesen aneignen kann.
  • Übungen zu den Vorlesungen helfen, das Wissen anzueignen und zu nutzen. Übungen sind als Unterstützung für die Studierenden angelegt.
  • Praktika erfordern die eigenständige Lösung von praktischen Problemen mit Hilfe des angeeigneten Wissens.
  • Seminare sollen die Vortragstätigkeit trainieren.
  • In Abschlussarbeiten soll der angehende Absolvent  gelerntes Fach- und Methodenwissen zur Lösung einer speziellen Aufgabe selbständig anwenden.

Aus inhaltlicher Sicht gliedert sich das Bachelor-Studium in zwei Abschnitte:

  • das Grundstudium, in dem die zu besuchenden Lehrveranstaltungen relativ fest vorgegeben sind und in dem die inhaltlichen Grundlagen der Informatik vermittelt werden und
  • das Fach- bzw. Hauptstudium, das sehr flexibel angelegt ist und in dem die Studierenden sich, unter Wahrung einer soliden Breitenausbildung, ihren individuellen Interessen gemäß spezialisieren können.

Mit dem Grad Bachelor of Science ist dann ein erster berufsqualifizierender Abschluss erreicht, der prinzipiell zum Eintritt ins Berufsleben berechtigt. Will man aber eine höhere Qualifikation erreichen, z.B. wenn man einen späteren Einsatz in Forschung und Entwicklung anstrebt, so ist der Übergang in den  Master-Studiengang möglich. Eine Aufnahme in den Master-Studiengang erfolgt in der Regel durch den Nachweis eines informatiknahen Bachelorgrades und eine Eignungsfeststellungsprüfung. Letztere kann vom Prüfungsausschuss erlassen werden, z.B. bei einem genügend guten Notendurchschnitt beim Bachelor-Abschluss. 

Wie sollte man studieren?

Der Umfang der obligatorischen Lehrveranstaltungen liegt um die 20 bis maximal 28 Stunden in der Woche (Semesterwochenstunden, SWS). Dazu kommen die Aufwendungen für die eigenständige Arbeit, das heisst die Lösung von Übungs- nnd Projektaufgaben, die Vorbereitung von Seminaren, das Selbststudium. Um den erreichten Studienfortschritt nachzuweisen werden für jedes Semester, einschliesslich der vorlesungsfreien Zeiten, sogenannte Kreditpunkte (engl. Credits)  vergeben. Es wird erwartet, dass jede Studentin und jeder Student im Durchschnitt pro Semester 30 Kreditpunkte erwirbt. Um den dazu zu erbringenden Arbeitsaufwand abzuschätzen kann man davon ausgehen, dass pro Kreditpunkt etwa 30 Stunden Arbeit notwendig ist.

Selbständigkeit im Studium ist eines der wichtigsten Erfordernisse! Jede und jeder muss für sich entscheiden lernen, wo Schwächen aber auch Stärken liegen. Dabei erhält er Hilfe durch Professorinnen und Professoren, durch Assistentinnen und Assistenten und durch Kommilitoninnen und Kommilitonen, wenn gewünscht. Wer nicht um Hilfe nachsucht, wird ohne Hilfe bleiben. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Schulbetrieb.
  
Vorlesungen regelmässig, am besten unmittelbar und anhand der Übungen, nachzuarbeiten ist eine Garantie für Erfolg. Auch hier ist die Arbeit im Team unter den Studierenden sehr zu empfehlen.
 
Hat man sein Studium erfolgreich absolviert, hört das Lernen nicht auf. Die Informatik, als relativ junges Gebiet, entwickelt sich schnell weiter. Das erfordert die Einarbeitung in neue Entwicklungen, will man mithalten. Im Studium ist die selbständige Aneignung von Wissen, zum Beipiel durch Literaturstudien, zu trainieren und zum Bedürfnis zu entwickeln!

Meine eigene Erfahrung besagt: rechtzeitig ein spezielles Interessengebiet finden, auf dem man sich mit eigenen kleinen Forschungsaktivitäten versucht. An den Lehrstühlen unseres Institutes gibt es dafür viele Möglichkeiten. Nur selten finden wir das Universalgenie, das überall gleich gut ist, oft aber sind die Studierenden auf speziellen Gebieten bereits erfolgreich, legen dort erste eigene Resultate und Veröffentlichungen vor. Das schafft Erfolgserlebnisse und macht Spaß. Spätestens bei der Abschluss-Arbeit wird dies erlebbar.

Bücher, die beispielhaft beschreiben was Informatik eigentlich ist