Studienreise nach Györ 2009

Bericht einer Studierenden über die Studienfahrt nach Ungarn

Teilnehmer der Studienreise nach Ungarn
Teilnehmer der Studienreise nach Ungarn

Am Sonntag, den 11. Oktober früh morgens um 8:00 ging unsere Busfahrt los, Ziel: Ungarn - Györ. Die Fahrt verging trotz einiger Pausen ziemlich zügig und wir kamen bereits am frühen Abend in Györ an. Wir 14 Studenten wohnten in einem Studentenheim und unsere Dekanin Prof. Simone Schröder, Prof. Dr. Istvánffy (der während der nächsten Tage unser Dolmetscher sein sollte, da er in Budapest geboren und aufgewachsen ist) und Prof. Dr. Bert Greiner wohnten in einem anderen Wohnheim nahe der Hochschule.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück lernten wir die Hochschule kennen. Vor ihrer heutigen Bestimmung war sie eine Schule, ein Krankenhaus und eine Synagoge. Der heutige Konzertsaal erinnert mit ihren Symbolen und Schriften sehr an eine Synagoge. Weiter ging es mit einer Stadtführug durch Györ, aber wir schafften es nur bis zu der im Barockstil erbauten evangelischen Altkirche. Leider war das Wetter so schlecht, dass wir die Führung unterbrechen mussten. Dafür konnten wir dann diese Zeit zur Hospitation an der Hochschule nutzen, jeder von uns besuchte jeweils sein Hauptfach. Ich hospitierte bei den klassischen Sängern und wir hatten das Glück, dass ein ungarischer Student namens Benny der deutschen Sprache mächtig war und den Unterricht übersetzte.

Am Dienstag ging es bis zum Nachmittag mit der Hospitation weiter und wir hatten die Möglichkeit uns etwas mit den ungarischen Studenten auszutauschen, auch wenn es nur ingebrochenem Deutsch oder Englisch erfolgte; aber Musik verbindet schließlich...
Am Nachmittag trafen wir uns in der evangelischen Altkirche und lauschten aufmerksam dem Vortrag des Dekans des Instituts für Musik "Varga Tibor", Herrn Prof. Dr. István Ruppert, der über das Leben von Franz Liszt berichtete und seine Orgelwerke vorspielte.

Am dritten Tag unserer Studienreise fuhren wir nach Budapest. Die Fahrt von Györ aus dauerte anderthalb Stunden und wir waren alle gespannt was uns erwartet. Zum Glück hatten wir unseren ungarischen Professor Herrn istvánffy dabei, der uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte und erklärte. Budapest ist die Hauptstadt und zugleich die größte Stadt der Republik Ungarn. Die Einheitsgemeinde Budapest entstand 1873 durch die Zusammenlegung der zuvor selbstständigen Städte Buda, Pest und Obuda. Budapest liegt an der Donau. Wir besuchten die matthiaskirche die offiziell Liebfrauenkirche heisst. Sie ist die bekannteste Kirche von Budapest und war die erste Schlosskirche Ungarn. Wir bekamen eine Führung und erfuhren über die Geschichte dieser Kirche, die sich im Laufe der Jahrhunderte vom Stil einer romantischen Basilika bis heute zu einer interessanten Mischung aus gotischem und Renaissancestil verändert hat. Am frühen Abend ging es dann weiter zur Staatsoper die im Stadtteil Pest der Hauptstadt liegt. Sie ist eines der prachtvollsten Beispiele der Neorenaissance- Architektur. Sie wurde von Miklos Ybl 1875 bis 1884 erbaut und ist überaus reich geschmückt mit barocken Elementen, zahlreichen Ornamenten, Gemälden und Skulpturen. Besonders erwähnenswert sind die Wandgemälde in den Treppenaufgängen und dem Zuschauerraum der Oper, welche von B. Szekely, M. Than und K. Lotz angefertigt worden sind. Das gebäude ist eines der schönsten Opernhäuser der Welt. Begeistert lauschten wir der Oper "König Blaubart" von Béla Bartók unter der Leitung von Adam Fischer.

Am Donnerstag besuchten wir die Musikschule von Györ und hospitierten eine Stunde über die Solfège- Methodik bei Frau Spiegel. Sie erklärte uns, wie die Kinder im Grundschulalter über die Solmisation spielerisch und ohne große Grundlagen intervalle, Rhythmus- und Melodiediktate erlernen und aufschreiben können. Gegen Mittag hatten wir noch einmal die Möglichkeit in den verschiedenen instrumentalunterrichts- Einheiten zu hospitieren und wir erlebten eine Stunde in der Kinder Solfège- Unterricht erhielten. Wir waren sehr erstaunt über die schnelle Auffassungsgabe der Schüler. Am Abend gab unsere Dekanin Frau Prof. Simone Schröder einen Liederabend in der Synagoge der Hochschule und wurde dabei von Herrn Jozsef Gábor am Flügel begleitet. Für uns war es eine ungewöhnliche Situation, da sie eigentlich uns Studenten immer an unseren Vortragsabenden oder in Konzerten zuhört. Aber diesmal waren wir das Publikum und es wurde ein wunderbares Konzert, worauf wir anschließend noch alle gemeinsam in einem Pub auf den Erfolg anstießen.

Am Freitag erwartete uns wieder ein volles Kulturprogramm. Wir besuchten das Benediktinerkloster in pannonhalma und bekamen einen Einblick in das Leben der Benediktiner. Am Nachmittag ging es weiter nach Fertöd zum Schloss Eszterhàzy nahe der österreichischen Grenze. Haydn hat dort fast 30 Jahre lang als komponist und Leiter des Orchesters gearbeitet. Das Schloss zählt zu den größten und schönsten Rokokoschlössern Ungarns und ist Teil des Weltkulturerbes, das gleichzeitig in den Nationalpark Fertö- Hansag eingebunden ist. Schloss Eszterhàzy wurde von Fürst Nikolaus I. ausgebaut, nachdem es zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Michael Fürst Eszterhàzy zunähst als kleines Jadgschloss errichtet worden war. Nach einem Besuch im Jahre 1764 im Schloss Versailles beauftragte Fürst Nikolaus die Wiener Hofbaumeister F. Mödlhammer und M. Hefele mit dem Umbau, welcher 46 Jahre lang dauerte. Wir bekamen eine Führung das Schloss. Am Abend besuchten wir ein typisch ungarisches Restaurant mit traditioneller Zigeunermusik und es wurde ein heiterer Abend.

Unser letzter Tag in Ungarn ging nach Tihany. Wir hatten einen tollen Ausblick auf den Balaton und besichtigten dort die Abteikirche. Der Dekan Herr Ruppert spielte uns einige Orgelwerke von Bach, Mendelssohn- Bartholdy und Liszt vor. Er ließ uns hören, wie vielseitig die frühen Komponisten waren und wie ihre Musik die jeweilige Zeit widerspiegelt. Es war wunderschön und die Akustik der Kirche war genial, denn man fühlte sich wie in eine andere Zeit zurück versetzt. Am späten Nachmittag ging es zu den Weinbergen. Dort lebt ein Cousin des Dekans, der uns zu einer Weinprobe in sein Haus eigeladen hatte. Wir bekamen die Gelegenheit, an einer Weinverkostung teilzunehmen und lernten die verschiedenen Weine kennen, die der Cousin des Dekans selber auf seinem Weingut anbaut. Anschließend gab es ein deftiges und leckeres ungarisches Mahl: Gulasch mit Kartoffeln und einem unwiderstehlichen leckeren Nachtisch aus Äpfeln.

Es war ein wundervoller Abschluss einer anstrengenden, lustigen aber auch sehr interessanten Studienreise. Wir haben viel Neues kennengelernt und ich denke, jeder von uns wird sich gerne an unsere Studienreise zurück erinnern.

Aileen Pohl