Alumnus des Monats

Martin Maleschka
Architektur, 2013

Martin Maleschka hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht die Architektur und Kunst am Bau der DDR zu dokumentieren. Aufgewachsen in Eisenhüttenstadt kennt er das Gefühl, wenn die Bauten und Orte der Kindheit abgerissen werden und aus den Augen, aus dem Sinn verschwinden. Sein Fotoarchiv umfasst tausende Bilder und tausende Bau- und Kunstwerke warten noch darauf von ihm fotografiert zu werden. Dafür reist er durch ganz Ostdeutschland und inzwischen auch Osteuropa. Dass er damit als freischaffender Architekt, Fotograf und Künstler seinen Lebensunterhalt verdient, hätte anfangs niemand gedacht, nicht einmal er selbst.

Hallo Herr Maleschka, wie sind Sie zum Architekturstudium gekommen?
In meiner Jugend interessierte ich mich mehr für Graffiti als für die Schule, so habe ich das Abitur erst im zweiten Anlauf gepackt. Ein Freund, der schon in Cottbus studierte, schwärmte von den Ateliers an der BTU und den künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten. Er empfahl mir Stadt- und Regionalplanung zu studieren, wofür ich mich auch einschrieb. Mir war nur wichtig, dass ich etwas Vorzeigbares für meine Verwandtschaft hatte, denn damals dachten alle, dass aus mir nichts wird. Im Studium haben mich die Lehrenden sofort in meiner persönlichen und künstlerischen Entwicklung unterstützt und schnell war klar, dass ich bei Architektur viel besser aufgehoben wäre, also wechselte ich den Studiengang. Durch meine Erfahrungen mit Graffiti haben sich auch viele Parallelen aufgetan zu Linienkonstruktionen, Wandstrukturen und einen künstlerisch geschulten Blick.

Wie sind Sie dann zum Fotografieren gekommen?
Fotos habe ich schon zur Schulzeit gemacht, damals nur eben von Graffitis. Als die Plattenbauten meiner Kindheit abgerissen wurden, ist mir klar geworden, dass damit ein Teil (auch meiner eigenen) Geschichte verloren geht – nicht nur in Eisenhüttenstadt, sondern in ganz Ostdeutschland. Daraufhin wollte ich die Bau- und Kunstwerke zumindest noch fotografisch festhalten. Nach der Wiedervereinigung wurde vieles davon nicht wertgeschätzt. Erst jetzt mit Abstand und einer neuen Generation in den entscheidenden Positionen wächst auch das Bewusstsein für diesen Teil der deutschen Geschichte und die Menschen, Museen und Medien interessieren sich wieder dafür. Es geht dabei nicht nur um Kunst und Architektur, sondern gesellschaftliche, kulturelle, soziale und individuelle Geschichten rund um diese Gesellschaftsbauten. Als ich allerdings 2005 damit anfing, war den wenigsten die Relevanz und Dimension des Ganzen bewusst. Ich selbst hatte auch nicht gedacht, dass ich irgendwann mal meinen Lebensunterhalt mit dieser Leidenschaft bezahlen kann. Ich halte Vorträge, mache Stadtführungen und arbeite für die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH und deren Portal Jeder Quadrameter Du. Meine Fotos werden international ausgestellt und bei dem Architekturverlag DOM publishers habe ich letztes Jahr auch mein erstes Buch publizieren können. Am 28. Februar stelle ich meinen Architekturführer (DDR. Baubezogene Kunst) zur baubezogenen Kunst der DDR im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus vor und Ausstellungen sind aktuell in Hoyerswerda, Berlin und demnächst in Erfurt zu sehen.Auf meinen Social-Media-Kanälen kündige ich das natürlich zeitnah immer vorher an.

Wie kann man sich ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Ich recherchiere viel, vor allem in Publikationen aus der DDR-Zeit, außerdem spreche ich mit Architekten und Künstlern von damals. Hauptsächlich reise ich aber unglaublich viel und erkunde die Orte und Städte mit meinem Fahrrad und dem Zug. Mir ist wichtig, dass ich schnell und flexibel unterwegs bin, meine wichtigsten Utensilien sind mein Fahrrad, meine Digitalkamera und mein Smartphone. Das Netzwerken und Verbreiten der Bilder über Facebook, Instagram und Flickr ist extrem wichtig für mich. Ich habe ein paar tausend Follower – von denen ich auch Tipps für interessante Motive bekomme und stetig wachsend auch Anfragen für Vorträge, Workshops, Ausstellungen und Stadtführungen. Inzwischen bitten mich auch Ämter, Verwaltungen und Denkmalschutzbehörden um Hilfe und Informationen. Es gibt zwar eine kleine Szene von Leuten, die sich ebenfalls mit der Thematik beschäftigen, aber die wenigsten können das überhaupt hauptberuflich und so öffentlichkeitswirksam machen wie ich. Es hat allerdings auch gedauert sich diesen 'Expertenstatus' zu erarbeiten.

Haben Sie Tipps für Studierende die in eine ähnliche Richtung gehen wollen?
Erstmal kann ich das Studium in Cottbus sehr empfehlen, da man sich in den Ateliers wirklich künstlerisch und persönlich entfalten kann und die Lehrenden einen dabei unterstützen. Das war zu mindestens für mich in dem Alter wahnsinnig wichtig. Dann muss aber jeder selbst seinen Weg und seine Leidenschaft entdecken und dran bleiben. Die vielen beruflichen Wege in der Architekturbranche sind schwierig und auch ich musste sehr klein anfangen! Ich habe während des Studiums zwischenzeitig bei einem renommierten Architekturbüro gearbeitet und es war super interessant mit internationalen Leuten aus der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, aber auch dieser berufliche Weg wäre nicht einfach gewesen und nur mit Leidenschaft vorangegangen. Ich habe jedoch für mich gemerkt, dass die Dokumentation der DDR-Architektur mit all ihren Facetten äußerst wichtig ist und ich das jetzt machen muss. Inzwischen zahlt sich die Arbeit und Leidenschaft auch finanziell aus, unter anderem dank der sozialen Medien. Und auch dabei steckt viel Schweiß und Energie drin, die niemand unterschätzen sollte.

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Treffen Sie Martin Maleschka in Cottbus bei seiner Buchpräsentation im Kunstmuseum Dieselkraftwerk am 28.02.2019 um 18.00
https://www.blmk.de/programm/buchpraesentation-maleschka-2-19/