Die Fabrik vor dem Bau erleben: Digitale Fabrikplanung mit Virtual Reality
Wo sollen Maschinen innerhalb einer neuen Produktionsumgebung positioniert werden? Wie bewegen sich Materialien und Beschäftigte durch die Fabrik? An welchen Stellen können Engpässe entstehen? Und wie ergonomisch sind die geplanten Arbeitsplätze?
Werden diese Fragen erst nach dem Aufbau einer Produktionsanlage beantwortet, können notwendige Änderungen zeit- und kostenintensiv werden. Die digitale Fabrikplanung bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Szenarien bereits vor der realen Umsetzung zu untersuchen.
Wie dies in der Praxis funktioniert, zeigte Tobias Isau vom Lehrstuhl für Produktionswirtschaft der BTU Cottbus-Senftenberg am 24. September auf der MR4B Roadshow 2026 im Dock³ am Industriepark Schwarze Pumpe.
Digitale Fabrikplanung für LEPOSOL
Präsentiert wurde eine digitale Fabrikplanung, die im Rahmen von SpreeTec neXt für den assoziierten Projektpartner LEPOSOL umgesetzt wurde. Das WIR!-Bündnis MR4B – Mixed Reality for Business integrierte die Anwendung zugleich als eigene Erlebnisstation in die Roadshow.
Die digitale Planung ermöglicht es, eine zukünftige Produktionsumgebung dreidimensional abzubilden und unterschiedliche Varianten zu analysieren. Dadurch können räumliche, logistische und ergonomische Fragestellungen bereits in einer frühen Planungsphase berücksichtigt werden.
Produktionsanlagen und Materialflüsse simulieren
Für die Planung kommt unter anderem der ema Plant Designer zum Einsatz. Mit dieser Software lassen sich Produktionsanlagen, Maschinen und Materialflüsse innerhalb einer dreidimensionalen Umgebung darstellen.
Verschiedene Layoutvarianten können miteinander verglichen und betriebliche Abläufe simuliert werden. Dadurch wird beispielsweise sichtbar, ob Transportwege unnötig lang sind, Produktionsbereiche ungünstig angeordnet wurden oder an bestimmten Stellen Engpässe entstehen könnten.
Die virtuelle Untersuchung hilft dabei, Verbesserungspotenziale zu identifizieren, bevor bauliche oder technische Entscheidungen endgültig getroffen werden.
Ergonomie mithilfe digitaler Menschmodelle bewerten
Der ema Work Designer ergänzt die Anlagenplanung um eine menschzentrierte Perspektive. Digitale Menschmodelle ermöglichen es, manuelle Tätigkeiten und Bewegungsabläufe innerhalb der geplanten Arbeitsumgebung zu simulieren.
Auf dieser Grundlage lassen sich unter anderem körperliche Belastungen, Erreichbarkeiten, Arbeitshöhen und zeitwirtschaftliche Aspekte bewerten. Arbeitsplätze können somit bereits während der Planung hinsichtlich ihrer ergonomischen Gestaltung untersucht und angepasst werden.
Die Verbindung von Anlagenlayout, Prozesssimulation und Ergonomiebewertung ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung der zukünftigen Produktion.
Virtueller Rundgang durch die geplante Fabrik
Mithilfe einer VR-Brille konnten Besucherinnen und Besucher der Roadshow die digital geplante Fabrik selbst betreten und sich durch die virtuelle Produktionsumgebung bewegen.
Aus einer abstrakten Planung wurde dadurch ein räumliches Erlebnis. Dimensionen, Abstände und Sichtbeziehungen ließen sich unmittelbar wahrnehmen. Dies erleichtert es, Planungsstände zu vermitteln, verschiedene Perspektiven einzubeziehen und mögliche Veränderungen gemeinsam zu diskutieren.
Digitale Fabrikplanung kann damit nicht nur zur technischen Optimierung beitragen, sondern auch die Kommunikation zwischen Unternehmen, Beschäftigten, Planenden und Technologiepartnern unterstützen.
Die MR4B Roadshow zeigte anhand praxisnaher Anwendungen, wie Extended Reality und digitale Technologien in betrieblichen Prozessen eingesetzt werden können. SpreeTec neXt dankt dem WIR!-Bündnis MR4B und allen Beteiligten für den fachlichen Austausch und die Möglichkeit, die digitale Fabrikplanung vor Ort erlebbar zu machen.
Beteiligter: Tobias Isau
Partner: LEPOSOL, WIR!-Bündnis MR4B – Mixed Reality for Business





