Wir sagen Drohnen, was sie tun sollen.

BTU-Professor Meinberg zieht Bilanz des Innovationsforums Curpas ...

"Wir sagen Drohnen, was sie tun sollen"

BTU-Professor Meinberg zieht Bilanz des Innovationsforums Curpas mit 170 Partnern / Indoor-Flug ohne GPS?

Was können unbemannte Flugsysteme und wo sind sie einsetzbar? Ergebnisse des Innovationsforums Curpas werden heute und morgen vor mehr als 170 Partnern im Luftfahrtzentrum Wildau präsentiert. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Leiter des Forums, Prof. Dr. Uwe Meinberg, vom Lehrstuhl Industrielle Informationstechnik der BTU Cottbus-Senftenberg.

Herr Prof. Meinberg, warum beschäftigt sich die Wissenschaft mit unbemannten Flugsystemen, wo bereits unterschiedlichste Drohnen fliegen?

Es gibt zwei Gründe für die Wissenschaft, sich weiter intensiv damit zu beschäftigen. Einerseits werden die Flugplattformen nur als Technologieträger genutzt, um etwa schnelle Regel-Algorithmen zu entwickeln. Diese werden später für Roboter und Maschinen benötigt. Da bieten sich Drohnen an, weil sie spezifische Eigenschaften haben, was Geschwindigkeit oder Rechenleistung anbetrifft. Der zweite Grund ist: Drohnen sollen definierte Aufgaben erledigen, hier arbeitet die Wissenschaft zum Beispiel an der Entwicklung entsprechender Sensorik und daran, wie einer Drohne mitgeteilt wird, welche Aufgabe sie wie zu erledigen hat.

Das ist aber nicht Ihr Part?
Nein, in meinem Lehrstuhl setzen wir uns mit der Nutzung und der Vereinfachung der Nutzung dieser Systeme auseinander. Zum Beispiel: Welche Sensorkombinationen können genutzt werden, um bestimmte Missionen zu erfüllen? Wie kann eine Mission beschrieben werden? Also, irgendwie muss der Drohne ja gesagt werden, was sie tun soll.

Was heißt das konkret?
Nun, die Aufgabe kann nicht sein, Drohne fliege von A nach B. Es kommt vielmehr dazu: Mache an dieser Stelle jenes, an der nächsten Stelle etwas anderes. Ich denke da an Inspektionsaufgaben, wo ein hoher Schornstein, ein Mast oder ein Brückenbauwerk abgescannt werden soll. Das muss beschrieben werden. Und damit setzen wir uns auseinander. Wir entwickeln unbemannte Systeme weiter.

Was hat Sie schon 2009 bewogen, sich mit dem Thema zu befassen?
Wir sind damals aus einem Projekt gekommen, das sich mit der Thematik IT- und Terrorismusforschung auseinandergesetzt hat. In dem Kontext entwickelten sich Ideen, dass unbemannte Flugsysteme auch hier zur Lageaufklärung genutzt werden könnten. In der Folge habe ich die ersten drei Drohnensysteme am Lehrstuhl angeschafft, um Versuche zu starten, ob und wie Drohnen überhaupt für derartige Anwendungen geeignet sind.

Worüber wird jetzt zwei Tage lang mit 170 Partnern zum Abschluss des Innovationsforums Curpas beraten?
Wir haben Wert darauf gelegt, sehr unterschiedliche Anwender zur Sprache kommen zu lassen. So wird vorgetragen, wie der Transport von Blutkonserven in einem städtischen Raum sehr schnell passieren kann - mittels Transport-Drohne. Oder: Wie der Katastrophenschutz diese Technik nutzt. Vattenfall legt dar, wie Drohnen im Braunkohletagebau Daten für Bestandsaufnahmen zusammentragen. Es wird demonstriert, wie Inspektionsaufgaben durch unbekannte Flugsysteme ausgeführt werden.

Das ist die Anwender-Seite. Gibt es auch technologisch Neues?
Sicher, darüber informieren Hersteller und Ausrüster. Sie werden uns den Stand der aktuell verfügbaren Technik näherbringen. Hieraus lässt sich zum Beispiel ableiten, wo Unternehmen im kommenden Jahr vielleicht auch Drohen einsetzen können.

Wo haben unbemannte Flugsysteme künftig den größten Markt?
Stand der Dinge ist: Im Bereich von Film und Medien sowie der Geowissenschaften werden Drohnen zurzeit am häufigsten eingesetzt. Da gibt es auch nichts mehr zu forschen. Im Outdoor-Bereich ist die Nachfrage nach Drohnen für Inspektionszwecke groß. So hat die Bahn auf unserem ersten Forum im April gezeigt, was sie vorhat: Fahrleitungen, Gebäude, Brückenbauwerke inspizieren.

Sie haben in der Vorwoche mit Sicherheitsbehörden über Einsatzmöglichkeiten gesprochen . . .
Ja, weil hier verstärkt über einen Einsatz indoor nachgedacht wird. Dieser Bereich steckt allerdings noch in den Kinderschuhen, weil die notwendige Sensorik, vor allem aber die entsprechenden Technologien fehlen, um in jedem Gebäude agieren zu können.

Was heißt das genau?
GPS ist indoor gar nicht oder nur in unzureichender Weise verfügbar. Über Feldern das Wachstum von Mais zu ermitteln, das gelingt hervorragend. Wenn in Städten durch Abschattung oder schlechten Satellitenempfang keine Signale zur Steuerung der Drohne verfügbar sind, dann ist dort automatisiertes Fliegen fast unmöglich. Gemeinsam mit Partnern arbeiten wir hier daran, dass sich Drohnen auch ohne externe Unterstützung wie GPS im Raum orientieren können.

 

Quelle: Christian Taubert, Lausitzer Rundschau, 19.07.2016

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Uwe Meinberg
Industrielle Informationstechnik
T 4581
meinberg(at)b-tu.de