Der BTU-Campus als Forschungsobjekt

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Lehrstuhls Baugeschichte Dr.-Ing Elke Richter und Dr.-Ing. Alexandra Druzynski von Boetticher untersuchen die fast 70-jährige Baugeschichte des Cottbuser Campus

Während der DDR-Zeit war die Ingenieurhochschule der Kern des Cottbuser »Bildungszentrums«. Sie prägte mit ihrer Sektion »Technologie der Bauproduktion« auf eine besondere Art und Weise den Campus, indem sie seine eigene Architektur mitgestaltete. Im Rahmen von Forschungsprojekten wurde in Cottbus schon damals an neuen Lösungen
im Bauwesen geforscht.

Die heutige Universität geht räumlich und baulich auf ein »Bildungszentrum« der DDR-Zeit zurück, dem mehrere Ausbildungsstätten angehörten. Der Campus entstand vornehmlich in drei Ausbauphasen: in den 50er, 70er und 80er Jahren. Prägend war vor allem der Aufbau des »Bildungszentrums« zu Beginn der 1970er Jahre als neben den Lehr- und Verwaltungsgebäuden auch eine umfassende soziale Infrastruktur entstand, die aus einem Ärztehaus, einer Kinderkrippe, einer Mensa, mehreren Wohnheimen
und Sporteinrichtungen bestand. Seit Ende der 1970er Jahre entwickeltendie Wissenschaftler hier die »Wand-Skelettbauweise«, und in den 1980er Jahren die »Riegellose Bauweise Cottbus« (RBC). Beide Bauweisen sollten bestehende Bausysteme weiterentwickeln, sie im Hinblick auf den Materialeinsatz effizienter und für ihre Einsatzmöglichkeiten flexibler gestalten.

»Das war vor allem für die Sanierung der Innenstädte äußerst relevant«, so Elke Richter. »So wurden in Cottbus in den 1980er Jahren Neubauten errichtet, die sich in den Stadtgrundriss einfügen und in den Proportionen an der Vorkriegsbebauung orientieren sollten.« Die neu entwickelten Bauweisen wurden anfangs in der Versuchshalle auf dem Campus, der heutigen Forschungs- und Materialprüfanstalt (FMPA), in 1:1-Modellen getestet. »Später wurden Muster-und Experimentalbauten errichtet, um die neuen Technologien unter Realbedingungen erproben zu können. Zwei Musterbauten entstanden auf dem Areal des »Bildungszentrums«, die anschließend und bis heute als Lehrgebäude und Versuchshallen genutzt werden«, erläutert Dr.-Ing. Alexandra Druzynski von Boetticher.

»Der BTU-Campus ist ein äußerst ergiebiges Forschungsfeld. Die Bauten sind erhalten und können einer heutigen Baugeschichte als Primärquelle dienen. Die BTU verfügt über ein gut strukturiertes Archiv mit umfangreichen  Bauakten  und  einen  großen  Bestand  historischer Fotografien. Durch die Verknüpfung aller Informationen wird es möglich
sein, nicht nur sehr fundierte Aussagen über die Entstehung der Hochschulbauten zu treffen, sondern auch die Forschungsleistung der Hochschule und deren Anwendung in der Praxis zu thematisieren«, sind sich die Wissenschaftlerinnen einig.

Die Architektur der eigenen Universität rückten Studierende und Professoren der Lehrstühle Baugeschichte und Denkmalpflege in einem gemeinsamen Seminar in den Fokus. Dabei nahmen die Studierenden der Studiengänge  Architektur  und  Stadtplanung  eine  Bestandsaufnahme der Campusgebäude vor und erstellten erstmals eine baugeschichtliche Datensammlung. Darüber hinaus beschäftigten sich Studierende mit der mittlerweile abgerissenen Schwimmhalle und dem Phänomen der Typenprojekte
für Gebäude ab den 1970er Jahren.

Kontakt

Elke Richter
Baugeschichte
T +49 (0) 355 69-3154
E elke.richter(at)b-tu.de

Dr.-Ing. Alexandra Druzynski von Boetticher
Baugeschichte
T +49 (0) 355 69-2944
E druzynski(at)b-tu.de
Studierende der Hochschule in Cottbus im Jahr 1981 zwischen Mensa und Hauptgebäude