Kulturelle und technische Bedeutung von Großbaustellen in der Geschichte

Querschnittskolloquium "Groß Bauen. Großbaustellen von der Antike bis zur Gegenwart" vom 28. bis 30. Oktober 2015 in Berlin und Cottbus

Das Kolloquium befasst sich mit dem Phänomen der Großbaustellen in antiken, mittelalterlichen und modernen Gesellschaften anhand von Fallbeispielen aus unterschiedlichen zeitlichen und regionalen Kontexten. Die kulturelle und technische Bedeutung unfertiger Großbauwerke im oft langen Zeitraum ihrer Entstehung und deren sich wandelnde gesellschaftliche Rezeption stehen im Fokus der Veranstaltung.

 

Trotz ihres innovativen Charakters und symbolischen Wertes sind Großbaustellen in der Gegenwart in deutlichen Misskredit geraten sind. Zu teuer, vielfach unzureichend koordiniert und mit überzogenen politischen Erwartungshaltungen überladen, so werden viele der bekannten Großbauvorhaben wie der Berliner Flughafen BER oder Stuttgart 21 in der Öffentlichkeit diskutiert. Große öffentliche Bauvorhaben, so die Einschätzung von Experten und Politikern, scheinen in Deutschland derzeit kaum mehrheitsfähig zu sein.

 

Darüber hinaus verdeutlichen viele öffentliche Großbauvorhaben der letzten Jahre in markanter Weise die Schwierigkeiten der Bauorganisation und der Kostenkalkulation, die langwierige juristische Auseinandersetzungen zur Folge haben. Dadurch treten in der öffentlichen Wahrnehmung die vielen herausragenden Beispiele für technische Innovationen und logistische Glanzleistungen oft in den Hintergrund. Dies ist nicht erst in der Gegenwart so, wie etwa die über 600-jährige Bauzeit des Kölner Doms zeigt. Fragmente großer Bauten, wie der Turmstumpf des Doms mit dem mittelalterlichen Baukran, prägten das Bild historischer Städte und Landschaften über Jahrhunderte, ohne dass die Bauten je fertig gestellt wurden. Beispiele für Verzögerungen und Probleme bei Großbauvorhaben von der Antike bis in die Neuzeit sind zahlreich. Gleichzeitig waren diese Bauprojekte aber auch Motoren technischen und logistischen Fortschritts. Die enorme politische und symbolische Bedeutung der Großbauprojekte begleitete den Baufortschritt von Beginn an und bildet gleichsam den Gegenpol zu den Widrigkeiten des Baustellenbetriebs, die den Alltag der betroffenen Gesellschaft oft über viele Generationen bestimmten. Umso überraschender ist, dass es bisher kaum übergreifende und vergleichende Analysen zur Geschichte und gesellschaftlichen Bedeutung der Großbaustelle gibt.

 

Das Querschnittskolloquium "Groß Bauen. Großbaustellen von der Antike bis zur Gegenwart" wurde organisiert in Kooperation von der Forschergruppe "XXL — Monumentales Wissen" des Exzellenzclusters TOPOI der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin, sowie dem DFG-Graduiertenkolleg "Kulturelle und technische Werte historischer Bauten" der BTU Cottbus-Senftenberg.