Software-Konflikte bereits während der Entwicklung vermeiden
An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) entwickelt die Wissenschaftlerin Prof. Leen Lambers im neuen DFG-Projekt "Conflict Prevention and Proactive Conflict Resolution Strategies for Graph Transformation", kurz CORE-GT, einen proaktiven Ansatz für den Umgang mit Konflikten auf Basis von Graphentransformationen. Die Leiterin des Fachgebiets Praktische Informatik/Softwaresystemtechnik orientiert sich dabei am Capability Maturity Model Integration (CMMI), einem Prozess- und Reifegradmodell, das Organisationen dabei unterstützt, Abläufe zu optimieren und effiziente Arbeitsweisen zu etablieren, um Risiken in der Software-, Produkt- und Serviceentwicklung zu reduzieren.
"Ziel ausgereifter Prozesse ist es, Probleme möglichst präventiv zu vermeiden, statt erst im Nachhinein auf sie zu reagieren", fasst Prof. Lambers zusammen. "Bislang gibt es jedoch nur wenige Forschungsarbeiten, die sich damit befassen, wie Konflikte in der Softwareentwicklung proaktiv verhindert oder auch gelöst werden können."
Graphentransformation als methodische Grundlage
Wo in der Informatik komplexe Zusammenhänge veranschaulicht oder vielschichtig strukturierte Daten analysiert werden sollen, sind Graphen ein bewährtes Darstellungsmittel. Mit ihnen lassen sich Beziehungen zwischen einzelnen Elementen anschaulich und präzise abbilden. Die Konzepte der Graphentransformation ermöglichen eine leistungsstarke Grundlage für die Entwicklung eines wirksamen Ansatzes.
Nach Einschätzung von Prof. Lambers gibt es dafür drei Gründe:
- Graphen eignen sich gut zur Darstellung komplexer Strukturen, wie beispielsweise Codeartefakte, Systemarchitekturen oder Rechenzustände.
- Änderungen an diesen Strukturen lassen sich mithilfe von Graphentransformationsregeln klar beschreiben.
- Die Graphentransformation stützt sich auf eine reichhaltige und gut etablierte Theorie.
Von der Prävention zur Lösung
Potenzielle Konflikte sollen bereits während der Entwicklung mithilfe vorbereiteter Reparaturvorschläge vermieden werden. Lassen sie sich nicht verhindern, kommen vorab definierte Lösungsschablonen zum Einsatz, die bei Bedarf semi-automatisch angewendet und mithilfe heuristischer Suchverfahren auf eine für beide Seiten tragfähige Lösung ausgerichtet werden.
Geleitet wird das Projekt CORE-GT von Prof. Gabriele Taentzer (Philipps-Universität Marburg) und Prof. Leen Lambers. Zwei Stellen sind dafür vorgesehen, die Projektideen innerhalb von drei Jahren zu realisieren und dazu zu promovieren.
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