22 Sekunden Schwerelosigkeit – Experimente im freien Fall
Im Mai 2026 reiste Lucas Kowal nach Bordeaux. Nicht etwa die bekannten Weine der Region oder das beeindruckende historische Zentrum verschlagen den 27-Jährigen in die Großstadt im Südwesten Frankreichs. Der gebürtige Cottbuser reiste nach Bordeaux, um in die Schwerelosigkeit zu fliegen.
Vom Studenten zum Forscher
Lucas Kowal hat seinen Bachelor und Master in Maschinenbau an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg gemacht. Seine Masterarbeit hat er an dem Lehrstuhl geschrieben, an dem er seit Anfang 2026 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet.
„Die Mischung aus theoretischer und experimenteller Arbeit und die wissenschaftliche Freiheit, eigene Ideen einzubringen und an aktuellen Themen zu arbeiten, das begeistert mich an diesem Job“, erzählt der 27-Jährige über seine Arbeit an der BTU. Motiviert wird er dabei zusätzlich dadurch, dass er Forschungsergebnisse verständlich vermitteln kann und so Studierende für das Fach begeistert.
Experimente unter Schwerelosigkeit
Im Mai 2026 war Lucas Kowal zum ersten Mal Teil des Flug-Teams von Prof. Dr.-Ing. Christoph Egbers, Leiter des Lehrstuhls Aerodynamik und Strömungslehre. Dieser nimmt regelmäßig an Forschungsflügen in Frankreich teil und forscht dort in der Schwerelosigkeit. An Bord werden dann unter anderem sogenannte rechteckige und zylindrische Plattenspaltexperimente durchgeführt.
„Ich persönlich beschäftige mich mit dem rechteckigen Plattenspaltexperiment. Dieses besteht aus drei Kammern. Die äußeren Platten weisen unterschiedliche Temperaturen auf. In der mittleren Kammer werden Strömungsphänomene untersucht und visualisiert“, erklärt Lucas Kowal seinen Forschungsschwerpunkt. Die Ströme in der mittleren Kammer werden mit einem elektrischen Hochspannungswechselfeld ausgelöst und durch die Messung von Wärmestrom und Temperatur beobachtet. „Mit dieser Technik können Wärmetauscher optimiert werden, insbesondere bei Satellitentechnik, da im Weltall die Wärmeübertragung nur begrenzt möglich ist“, ergänzt der 27-Jährige.
„Es fühlt sich an, als könnte man fliegen.“
Während der Hypergravitation vor und nach der Schwerelosigkeitsphase werden die Menschen an Bord mit dem doppelten ihres Körpergewichts in den Flugzeugboden gedrückt. „Dieses Gefühl ist mit einer starken Beschleunigung zu vergleichen“, beschreibt Lucas Kowal.
Danach geht man kontinuierlich in die Schwerelosigkeitsphase über. „Das Gefühl ist unbeschreiblich und mit nichts zu vergleichen. Es wirken keinerlei Kräfte auf den Körper. Es fühlt sich an, als könnte man fliegen.“
Um Experimente durchführen zu können, müssen Lucas Kowal und seine Kolleg*innen sich an den Wänden festhalten. Für freies Fliegen gab es einen kleinen, mit extra dicken Matten gepolsterten Raum im Flugzeug.
„Ich habe die Parabelflüge sehr genossen und bin sehr dankbar, dass ich einer der wenigen Menschen bin, die Schwerelosigkeit erfahren konnten“, erzählt Lucas begeistert. Er freut sich jetzt schon auf seine nächsten Parabelflüge.
Hintergrund: Was ist ein Parabelflug?
Bei einem Parabelflug fliegt ein Flugzeug ein wellenförmiges Manöver, das an eine Achterbahn erinnert. Wenn die Maschine steil nach oben zieht und sich dann über den höchsten Punkt der Kurve fallen lässt, entsteht im Inneren für etwa 20 bis 25 Sekunden völlige Schwerelosigkeit. Pro Flug werden meist 30 bis 40 Parabeln geflogen. Forscher*innen können so Experimente für das Weltall vergleichsweise kostengünstig testen.




