Wenn die Stadt zur Hitzefalle wird: Klimagerechtes Bauen an der BTU

Ein Spaziergang durch die Berliner Innenstadt an einem heißen Julitag – für die meisten Menschen ist das eine Frage des Aushaltens. Für Susan Draeger ist es eine Forschungsfrage.

Die Professorin für Entwerfen und Energieeffizientes Bauen an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) beschäftigt sich seit Jahren mit einem Satz, den sie selbst so formuliert: „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit." Wer mit ihr spricht, merkt schnell, dass das keine Floskel ist, sondern eine Haltung, die ihre gesamte Arbeit prägt – als Forscherin, als Hochschullehrerin und als jemand, der aus der Praxis kommt und dorthin auch zurückwirkt.

Klima Spaziergänge mit Bürger*innen

Im Zentrum ihrer aktuellen Arbeit steht das Forschungsprojekt „Hitze in der Stadt", das Draegers Fachgebiet gemeinsam mit der Climateflux GmbH und dem Institut für Sozialforschung Berlin durchführt hat – geleitet von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Jil Schroth. Was das Projekt von klassischer Klimaforschung unterscheidet, ist ein denkbar einfacher, aber wirkungsvoller Kniff: Statt nur Sensoren aufzustellen und Gebäudesimulationen zu rechnen, schickt das Team Testpersonen mitten durch die Berliner Innenstadt – während einer Hitzeperiode. Sie laufen, sie schwitzen, sie dokumentieren, wie sich Hitze an genau dieser Straßenecke, an jenem schattenlosen Platz tatsächlich anfühlt.

Der Hintergrund ist ernst: Städte heizen sich durch den sogenannten Wärmeinseleffekt zusätzlich auf, Hitzewellen werden häufiger und intensiver. Geforscht wurde dazu bislang vor allem technisch und planerisch – kaum aber aus der Perspektive der Menschen, die tagtäglich durch diese überhitzten Räume gehen müssen. Genau diese Lücke möchte das Projekt „Hitze in der Stadt" schließen, indem es fragt: Wo genau wird es unerträglich und warum?

Die Antworten sind längst mehr als graue Theorie. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat die Ergebnisse aufgegriffen und in Handlungsempfehlungen für Städte übersetzt. Eine der zentralen Erkenntnisse klingt fast wie eine kleine Stadtplanungs-Faustregel: Es reicht nicht, ein paar schattige Parks zu bauen. Was Menschen wirklich brauchen, sind kühle Wege – nicht nur kühle Orte. Klimaanpassung, sagt die Forschung im Kern, darf nicht am Parkeingang enden. Sie muss den ganzen Weg mitdenken, den jemand tatsächlich zurücklegt: zur Bushaltestelle, zum Supermarkt, zur Schule.

Ein Studiengang, der Fachgrenzen bewusst verwischt

Neben der Forschung leitet Susan Draeger auch den Master-Studiengang „Klimagerechtes Bauen und Betreiben" an der BTU. Der Studiengang ist so konzipiert, dass genau diese Art von praxisnaher Problemlösung von Anfang an geübt wird. Statt Studierende in enge Fachdisziplinen zu sortieren, bringt der Studiengang angehende Ingenieur*innen, Architekt*innen und Planer*innen bewusst zusammen. Sie lernen gemeinsam, wie klimagerechte Gebäude und Siedlungen entstehen, welche Baustoffe und Haustechnik dafür nötig sind und vor allem, wie man in gemischten Teams an denselben Problemen arbeitet, so wie es später im Berufsleben auch sein wird. Ein wichtiger Teil des Studiums sind Planungsprojekte, in denen genau das eingeübt wird: nicht am Reißbrett allein, sondern im Austausch mit Menschen, die anders denken und andere Werkzeuge mitbringen.

Rotterdam als Lehrstück

Zur Ausbildung gehören auch Exkursionen. Eine davon führte kürzlich mit Bachelor-Studierenden der Architektur nach Rotterdam und an die TU Delft. Die Niederlande gelten weltweit als Vorreiter im Umgang mit Wasser, Hitze und Klimarisiken: Rotterdam hat wassersensible Plätze gebaut, die bei Starkregen zu Rückhaltebecken werden, begrünte Dächer, multifunktionale Wasserspeicher. Für Studierende ist ein solcher Besuch oft prägender als jedes Lehrbuchkapitel. Sie sehen live, wie eine tief liegende, dicht bebaute Stadt sich gegen die Folgen des Klimawandels wappnet – und wie Planung, Verwaltung und Ingenieurwesen zusammenspielen müssen, damit aus guten Ideen tatsächlich gebaute Realität wird.

Warum das alle etwas angeht

Was Susan Draeger und ihr Team an der BTU zusammenbringen – Grundlagenforschung, Lehre und internationalen Praxistransfer – macht ein sperriges Wort wie „Klimaanpassung" plötzlich sehr konkret: Es ist der Schatten, der auf dem Schulweg fehlt. Der Weg zur Haltestelle, der sich anfühlt wie eine Ofenröhre. Wie hitzeresilient unsere Städte künftig sind, entscheidet sich nicht nur in Ministerien und Planungsbüros, sondern auch in Hörsälen wie diesen, in denen die nächste Generation von Planer*innen und Architekt*innen genau das lernt: Gebäude und Stadträume so zu entwerfen, dass sie dem Klimawandel standhalten. Eine Notwendigkeit, wie Susan Draeger sagen würde – keine Frage des Trends.

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Prof. Dr.-Ing. Susan Draeger
Entwerfen - Energieeffizientes Bauen
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Wenn Sommerhitze zur Belastung wird, braucht es Städte, die Abkühlung ermöglichen. (Foto: blackday – stock.adobe.com)