Dezentrale Unterbringung geflüchteter Menschen ist möglich

Eine BTU-Studie zeigt: Dezentrale Unterbringung von geflüchteten Menschen in Brandenburg ist möglich und bietet ihnen nachweislich Vorteile gegenüber dem Leben in Sammelunterkünften. Dennoch bringt das Land geflüchtete Menschen weiterhin überwiegend in Sammelunterkünften unter. Das zeigt der Abschlussbericht zum Verbundprojekt VASiB der BTU Cottbus-Senftenberg.

Beratung half im Einzelfall – strukturelle Hürden bleiben

Im Rahmen des Projekts „Verbesserung der Aufnahmebedingungen für Schutzsuchende, Schutzberechtigte und vorübergehend Schutzberechtigte in Brandenburg" (VASiB) untersuchten Forschende der Brandenburgischen Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) gemeinsam mit verschiedenen Trägern der Kooperation für geflüchtete Menschen in Brandenburg (KFB) die Erfahrungen der Betroffenen als auch die strukturellen Rahmenbedingungen der Unterbringung. In vielen Einzelfällen gelang es, geflüchtete Menschen in private Wohnungen zu vermitteln. Erfolgversprechende Wege zu privatem Wohnraum erfolgten hierbei über kommunale Wohnungsbaugesellschaften und informelle Netzwerke. Strukturell stehen sie beim Übergang aus Sammelunterkünften jedoch weiterhin vor großen Hürden.

Unterbringung ist politisch gestaltbar

Das BTU-Fachgebiet Soziologie für die Soziale Arbeit betont gemeinsam mit der KFB: Wie geflüchtete Menschen untergebracht werden, ist eine politische Entscheidung. Im Bundesvergleich setzt Brandenburg besonders häufig auf zentralisierte Sammelunterkünfte, obwohl das Landesaufnahmegesetz den Landkreisen und kreisfreien Städten ausdrücklich Spielräume für eine dezentrale Unterbringung in Wohnungen einräumt. Die BTU-Forschung zeigt zugleich: Landkreise und kreisfreie Städte nutzen diese Spielräume sehr unterschiedlich. Dezentrale Unterbringung ist möglich und wurde beispielsweise auch im Kontext der Aufnahme ukrainischer Schutzberechtigter ermöglicht.

„Die Art der Unterbringung ist eine politische Entscheidung und hat gravierende Konsequenzen für das Leben von geflüchteten Menschen und das Zusammenleben in der Region. Unsere Forschung macht deutlich, dass Brandenburg die vorhandenen Spielräume nutzen sollte, um den Zugang zu dezentralem und selbstbestimmtem Wohnen auszubauen. Das schafft bessere Voraussetzungen für Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und ein gelingendes Ankommen", sagt BTU-Prof. Dr. Birgit Behrensen, die das Projekt wissenschaftlich begleitet hat.

Sammelunterkünfte als Belastung, eigene Wohnung als Sicherheit

Das qualitative Forschungsprojekt VASiB zeichnet nach, wie teure Sammelunterkünfte von Betroffenen als Orte von Fremdbestimmung, Kontrolle und psychischer Belastung erlebt werden. Fehlt ein sicherer Rückzugsort, wirkt sich das auch auf andere Lebensbereiche aus – etwa auf Spracherwerb und Gesundheit. Eine eigene Wohnung bedeutet dagegen Sicherheit, Würde und Handlungsautonomie.

Ergebnisse fließen in Folgeprojekt ein

Mit dem Abschluss von VASiB werden die Ergebnisse im Folgeprojekt „Miteinander vor Ort – Räume für Vielfalt und Zusammenhalt" (MvO) weitergeführt. MvO setzt sich für gleiche Rechte, die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung sowie ein solidarisches Zusammenleben in Brandenburg ein.

Open-Access-Publikation: Hasenjürgen, M. und Behrensen, B. (2026): Wohnen und Ankommen in Brandenburg. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Projekt VASiB. MIKOWA Arbeitspapiere, Nr. 9. 

Fachkontakt
Prof. Dr. Birgit Behrensen
Fachgebiet Soziologie für die Soziale Arbeit
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Mara Hasenjürgen
Soziologie für die Soziale Arbeit
Mara.Hasenjuergen(at)b-tu.de

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Eine BTU-Studie zeigt, warum eine eigene Wohnung geflüchteten Menschen mehr Sicherheit und Würde gibt als das Leben in Sammelunterkünften. (Foto: BTU / Ralf Schuster)