Wenn Roboter zu Kollegen werden: Wie die Lausitz die Arbeit von morgen erprobt
Möglich gemacht hat das ein Forschungsprojekt, das seit 2021 die Frage bearbeitet, die eine ganze Region umtreibt.Wie sieht Arbeit hier aus, wenn die letzte Kohle verstromt ist?
Eine Region im Umbruch – und im Aufbruch
Die Lausitz steckt mitten im Strukturwandel. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung stellt Unternehmen vor die Aufgabe, sich neu zu erfinden und gleichzeitig Fachkräfte zu halten, die anderswo gesucht sind. Genau hier setzt das Projekt PerspektiveArbeit Lausitz (PAL) an. Arbeitswissenschaftler von fünf Hochschulen aus Sachsen und Brandenburg, darunter die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), haben sich mit rund zwei Dutzend Unternehmen und Verbänden zusammengetan, um datenbasierte Assistenzsysteme direkt in der betrieblichen Praxis zu entwickeln und zu erproben. Das erklärte Ziel: Arbeit in der Region effizienter, gesünder und attraktiver machen, ohne dabei die Menschen, die diese Arbeit leisten, aus dem Blick zu verlieren.
Fünf Jahre lang haben Betriebspraktiker und Forschende in zwölf Praxisprojekten Seite an Seite gearbeitet, nicht am Reißbrett, sondern direkt in den Hallen und an den Arbeitsplätzen der beteiligten Unternehmen. Entstanden sind dabei sehr konkrete Lösungen: Dashboards, die Produktionsdaten für Entscheidungen greifbar machen, Systeme, die das Erfahrungswissen erfahrener Mitarbeitender sichern, bevor es mit deren Renteneintritt verloren geht, und Assistenztechnik, die körperlich belastende Arbeitsplätze entlastet.
Der digitale Wandel wird sichtbar
Nach fast fünf Jahren Projektlaufzeit zieht PAL nun Bilanz und lädt dazu ein, live dabei zu sein. Am Mittwoch, den 26. August 2026, öffnet die BTU Cottbus-Senftenberg im Zentralen Hörsaalgebäude ihre Türen für die Transferveranstaltung „Intelligente Assistenz am Arbeitsplatz der Zukunft“. Von 10 bis 16 Uhr treffen dort Praxis, Forschung und Politik aufeinander mit einem Programm, das weit über klassische Fachvorträge hinausgeht.
Den Auftakt macht ein Praxisimpuls aus erster Hand: Jane Ludwig vom Cottbuser Sonderanlagen- und Maschinenbauer Grötschel GmbH berichtet, wie sich die Zusammenarbeit von Betrieb und Forschung im Reallabor tatsächlich anfühlt mit allen Chancen und Reibungspunkten, die eine solche Transformation mit sich bringt. Danach übernimmt ein interaktiver Paneltalk, moderiert von Katrin Meusinger (Silicon Saxony e. V.), bei dem Stimmen aus Wirtschaft, Gewerkschaft und Wissenschaft aufeinandertreffen: mit dabei sind unter anderem Matthias Loehr vom DGB, Prof. Julia Zähr von der Hochschule Mittweida sowie Vertreter der BTU Cottbus-Senftenberg und der uesa GmbH. Im Zentrum steht die Frage, welche Impulse aus PAL für die Arbeitswelten im Net Zero Valley Lausitz wirklich tragfähig sind.
Anfassen statt nur zuhören: Die Ausstellung im Reallabor
Der eigentliche Clou der Veranstaltung liegt im Nachmittagsprogramm. Von 12 bis 14:30 Uhr verwandelt sich das Hörsaalgebäude in eine Live-Ausstellung, bei der Besucherinnen und Besucher nicht nur zuschauen, sondern konkrete Anwendungsfälle direkt erleben können. An den Ständen zeigen Unternehmen wie HQM Tubes, die voestalpine Wire Germany, Trumpf Sachsen oder das Cottbuser Unternehmen caleg Schrank und Gehäusebau, wie sich abstrakte Begriffe wie „Assistenzsystem" oder „Cobot" in echte Werkzeuge für den Betriebsalltag verwandeln lassen. Die Themenfelder reichen von automatisierter Datenbereitstellung in Dashboards über die digitale Sicherung von Erfahrungswissen bis zur ergonomischen, mitarbeitergerechten Arbeitsplatzgestaltung und zu Systemen für den intuitiven Umgang mit kollaborierenden Robotern in der Fertigung. Parallel sorgt ein Foodtruck für die Verpflegung. Networking soll hier ausdrücklich auch informell stattfinden.
Zum Ausklang des Tages blickt PAL nach vorn: Prof. Leif Goldhahn (Hochschule Mittweida) und Sylvia Franke-Jordan (TU Dresden) stellen vor, wie es weitergeht, unter anderem über den neu gegründeten PAL-Verein, der das Netzwerk und die entwickelten Lösungen auch über die Förderlaufzeit hinaus tragen soll.
Warum sich die Fahrt nach Cottbus lohnt
Für kleine und mittlere Unternehmen aus der Region ist die Veranstaltung mehr als ein Blick in die Zukunft. Sie ist eine seltene Gelegenheit, direkt mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen, die den digitalen Wandel bereits hinter sich gebracht haben oder gerade mittendrin stecken. Wer selbst überlegt, ergonomische Assistenzsysteme, Cobots oder Dashboards einzuführen, trifft hier auf Praktiker, die genau diesen Weg schon gegangen sind.
Datum: Mittwoch, 26.08.2026
Zeit: 10:00–16:00 Uhr
Ort: BTU Cottbus-Senftenberg, Zentrales Hörsaalgebäude, Platz der Deutschen Einheit 1, 03046 Cottbus
Anmeldung und Informationen: pal-lausitz.de/events/pal-abschlussveranstaltung-intelligente-assistenz-am-arbeitsplatz-der-zukunft
Die Teilnahme ist kostenfrei.

