Energie-Innovationszentrum (EIZ) startet in die zweite Förderphase
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat dafür Förderbescheide über rund 50 Millionen Euro erteilt, die zwei Stränge stützen. Das EIZ baut seine exzellente Grundlagenforschung weiter aus und etabliert sich als international sichtbares Forschungszentrum für sektorengekoppelte Energiesysteme. Zugleich intensiviert es den Transfer marktfähiger Produkte und Technologien in die Anwendung.
Strom, Wärme und Verkehr wachsen zunehmend zusammen. Seit der Gründung 2022 erforschen mehr als 100 Wissenschaftler*innen aus über 20 Nationen in fünf eng vernetzten Laboren, wie sich diese Sektoren intelligent koppeln lassen – etwa um überschüssigen Wind- und Solarstrom zum Heizen, zum Laden von Elektrofahrzeugen oder zur Herstellung von Wasserstoff zu nutzen, statt ihn abzuregeln. Die Laborinfrastruktur konnte in der ersten Förderphase dank einer Förderung des Landes Brandenburg durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) aufgebaut werden. In der zweiten Phase kommt neben der Forschung die Überführung in den Markt hinzu: Gemeinsam mit 19 Partnereinrichtungen aus der regionalen und nationalen Energiewirtschaft entwickelt das EIZ Demonstratoren und marktfähige Lösungen für die Lausitz.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär sagt: „Die Lausitz hat über Jahrzehnte einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung Deutschlands geleistet. Jetzt geht es darum, der Region neue wirtschaftliche Perspektiven zu eröffnen. Im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes investieren wir deshalb gezielt in Forschung und Innovation als Motoren des Strukturwandels. Das Energie-Innovationszentrum zeigt, wie das gelingen kann: Hier wird Spitzenforschung mit dem Transfer in marktfähige Technologien verbunden. So schaffen wir die Voraussetzungen für neue Unternehmen, qualifizierte Arbeitsplätze und nachhaltige Wertschöpfung in der Lausitz.“
„Über Generationen hat die Lausitz Energie für unser Land geschaffen – jetzt gestaltet sie die Energiezukunft. Mit exzellenter Wissenschaft, Innovationen und neuen Perspektiven für die Menschen vor Ort. Das Energie-Innovationszentrum zeigt, wie wir diese Chance nutzen: Hier wird an den Energielösungen von morgen geforscht. So wird aus Forschung Fortschritt, aus neuen Erkenntnissen wirtschaftliche Stärke, und aus Innovationen werden stabile Arbeitsplätze für die Menschen in der Lausitz“, sagt Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle.
„Ich freue mich sehr über die Bewilligung der zweiten Förderphase für das EIZ. Sie ist eine verdiente Anerkennung dessen, was an der BTU entstanden ist: ein international sichtbares Forschungszentrum, das exzellente Grundlagenforschung zu den Energiesystemen der Zukunft betreibt und konkrete Lösungen für die Energiewende entwickelt. Ich bin den beiden Projektleitern, Herrn Prof. Dr. Felix Müsgens und Herrn Prof. Dr.-Ing. Johannes Schiffer, sehr dankbar für die großartige Entwicklung des EIZ“, sagt Prof. Dr. Gesine Grande, Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg. „Mit dem Energie-Innovationszentrum bringen wir an der BTU wichtige Forschungsergebnisse in die Anwendung und schaffen damit die Voraussetzungen für neue Technologien, Unternehmensgründungen und Arbeitsplätze in der Lausitz.“
Von der Grundlagenfrage bis zur Anwendung, von der Technik bis zur gesellschaftlichen Akzeptanz
Daran forscht das EIZ in der zweiten Phase unter anderem:
- Wasserstoff: Ein Elektrolyseur ohne teure Edelmetalle wird von 5 auf 20 Kilowatt skaliert und erstmals unter maritimen Bedingungen erprobt – ein Schritt von der Laborskala zur praxistauglichen Technologie.
- Netzsicherheit: Neue Regelungsverfahren sollen auch bei hohem Anteil an Wind- und Solarstrom einen stabilen Netzbetrieb und im Ernstfall einen schnellen Wiederaufbau ermöglichen.
- Marktintegration erneuerbarer Energien: Weil ein wachsender Anteil an Sonnen- und Windstrom immer häufiger zu negativen Strompreisen führt, untersucht das EIZ, wie Marktregeln und Netzentgelte angepasst werden müssten, um solche Kosten zu verringern.
- Klimafreundliches Heizen: Vernetzte Wärmepumpen und Fernwärmenetze sollen zeigen, wie Wärmeversorgung klimafreundlich und zugleich zuverlässig gelingt.
- Akzeptanz vor Ort: Das EIZ untersucht, unter welchen Bedingungen Menschen neue Energieanlagen in ihrer Nachbarschaft mittragen – eine Voraussetzung dafür, dass Technologien in der Region tatsächlich ankommen.
Neue Jobs und Gründungen für die Region
Die Lausitz ist als Kohleregion besonders stark vom Strukturwandel betroffen. Genau hier setzt das EIZ an: Aus Forschung werden gezielt neue, gut bezahlte Jobs in Wissenschaft und Technik. Fachkräfte bleiben in der Region oder kommen neu hierher. Allein in den ersten vier Jahren sind so bereits über 90 neue Vollzeitstellen am Zentrum entstanden.
Eine zentrale Rolle übernimmt die Transfer- und Gründungsinitiative EIZ SPARK. Sie unterstützt Forschende und Gründungsinteressierte dabei, Forschungsergebnisse in marktfähige Anwendungen und Geschäftsmodelle zu überführen, etwa in Lademanagementlösungen für Elektrofahrzeuge oder containerisierte Anlagen zur Herstellung von grünem Methanol.
Ein starkes Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft
Getragen wird das EIZ von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Mit an Bord sind in der neuen Projektphase 19 Partner aus Wirtschaft und Forschung – von jungen Start-ups über mittelständische Firmen bis zu großen Namen wie 50Hertz, LEAG oder die EWE Netz GmbH. Sie beteiligen sich mit eigenen Mitteln von zusammen rund 4,7 Millionen Euro an dem Projekt. Eingebettet ist das EIZ zudem in den entstehenden Lausitz Science Park, wo es gemeinsam mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG den Bereich Energiesysteme verantwortet.
Prof. Dr. Felix Müsgens, EIZ Projektleiter und Inhaber des Lehrstuhls für Energiewirtschaft an der BTU Cottbus-Senftenberg, sagt: „Die Bewilligung der zweiten Förderphase ist eine großartige Nachricht für das EIZ, die BTU und die Lausitz. Mit inzwischen mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben wir in Cottbus ein leistungsfähiges Energieforschungscluster aufgebaut. Die Förderung ermöglicht es uns, unsere Spitzenforschung weiter voranzutreiben und einen nachhaltigen Transfer der Ergebnisse in die regionale Wirtschaft zu verstetigen. Mit unserem Gründungszentrum EIZ SPARK schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass aus exzellenter Forschung an der BTU reale und marktfähige Neuansiedlungen im Bereich Energiewirtschaft und -technik im Lausitzer Revier entstehen können."
Thomas Merker, Vorstand Finanzen der LEAG (CFO): „Das EIZ bringt Forschung und Praxis zusammen. Als Industriepartner unterstützen wir den Ansatz, neue Technologien gemeinsam zu entwickeln, zu erproben und schneller in die Anwendung zu bringen. Davon profitieren die Energiewende, die regionale Wirtschaft und die Lausitz als Innovationsstandort gleichermaßen.“
„Entscheidend ist, dass aus exzellenter Forschung konkrete Lösungen für die energiewirtschaftliche Praxis entstehen. Die enge Verzahnung von Wissenschaft, Unternehmen und regionalem Strukturwandel macht das EIZ zu einem wichtigen Impulsgeber für Innovationen und neue Marktmodelle. Gerade Stadtwerke profitieren davon, denn sie stehen bei der Transformation des Energiesystems vor vielfältigen Herausforderungen und brauchen praxistaugliche Lösungen“, sagt Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Trianel GmbH und Mitglied im Industrie- und Wissenschaftsbeirat des EIZ.
Über das EIZ
Das Energie-Innovationszentrum (EIZ) an der BTU Cottbus-Senftenberg forscht daran, wie Strom, Wärme und Verkehr in Zukunft klimafreundlich zusammenspielen. Ziel ist es, die Lausitz zu einer Modellregion für die Energiewende zu machen – mit sichtbaren Ergebnissen für Wissenschaft, Wirtschaft und die Menschen vor Ort.
Konsortialpartner:
50Hertz Transmission GmbH, ASCORI GmbH & Co. KG, BTU EVU Rechenzentrum GmbH, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), CEMEX Deutschland AG, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), dida Datenschmiede GmbH, EWE NETZ GmbH, F&S PROZESSAUTOMATION GmbH, FIFTY2 Technology GmbH, Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V., GICON-Großmann Ingenieur Consult GmbH, ITPower Solutions GmbH, LEAG GmbH, LEPOSOL GmbH, LOGE Deutschland GmbH, SAILWINT GmbH, TAL Technische Akademie Lausitz GbR, uesa GmbH.

