Franz Anton Dischinger (1887 – 1953) Projekte

Die vorliegende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In ihr sind neben ausgeührten Bauwerken auch fiktive Projekte aufgeführt.

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Portables Dokumentenformat Projektliste nach Konstruktionstyp

Projektliste
1918-
1926
RheinbrückeDuisburg-Hochfeld, Deutschland
1922Planetariumskuppel auf dem
Fabrikgelände der Firma Zeiss 
Jena, Deutschland
1924Tonnenschale über dem Fabrikgebäude 23 der Firma Zeiss.Jena, Deutschland
1924-
1925
Schottkuppel über Absprengereigebäude Jena, Deutschland
1925Dywidag Halle Neuss, Deutschland
1925Zeiss PlanetariumJena, Deutschland
1925-
1926
OstoderbrückeStettin (Szczecin), Polen
1926GesoleiDüsseldorf, Deutschland
1926-
1928
GroßmarkthalleFrankfurt (Main), Deutschland
1926Versuchstonne
(Maßstab 1:3)
Frankfurt (Main), Deutschland
1926PlanetariumDresden, Deutschland
1927-
1928
ElektrizitätswerkeFrankfurt (Main), Deutschland
1927-
1929
GroßmarkthalleLeipzig, Deutschland
1928Thermenpalasto.A.
1928Saalebrücke Alsleben (Saale), Deutschland
1928-1929GroßmarkthalleBasel, Schweiz
1929HallenschwimmbadGreiz, Deutschland
1930GroßmarkthalleBudapest, Ungarn
1930Fiat GesellschaftRom, Italien
19302 Kühltürme für die Zeche ProsperBottrop, Deutschland
1930Dreirosenbrücke 
(Wettbewerbsbeitrag; 
auch: Drei-Rosen-Brücke; 
Projektpartner: Ulrich Finsterwalder (1897-1988))
Basel, Schweiz
1930-
1931
Kaischuppen 59Hamburg, Deutschland
1931VersuchsschaleWiesbaden, Deutschland
1931DreirosenbrückeBasel, Schweiz
1932-
1934
Moselbrücke(Ursprünglich Adolf-Hitler-Brücke genannt. Zerstört im Jahre 1945. Wiederaufbau an gleicher Stelle unter dem Namen Neue Moselbrücke in den 1950er Jahren erinnert formal an den ursprünglichen Bau. In den 1970ern Brückenerweiterung. 1991 Umbenennung in Europabrücke.)
(Abb. 3.11-3.14)
Koblenz, Deutschland
1933KlinkerhalleBeočin, Serbien
1934Weitgespannte Kuppelo.A.
1935-
1937
Bahnhofsbrücke Aue, Deutschland
1939KuppelbahnhofMünchen, Deutschland
1939 (1942)KongresshalleBerlin, Deutschland
1943-
1944
F-Werke o.A.
19461. Bogenbrücke für das russische Verkehrsministerium auf Kies-, Sand- oder Mergelboden gründendo.A.
19462. Bogenbrücken für das russische Verkehrsministerium auf Kies-, Sand- oder Mergelboden gründendo.A.
1948Russische Schaleo.A. (Russland)
1949Ovale Stadienüberdeckungo.A.
1950Schalenkuppel Buna-Werkeo.A.
(vlt. Schkopau, Deutschland?)
1952-
1953
SchwarzwaldhalleKarlsruhe-Südweststadt, Deutschland
o.A.RheinbrückeDüsseldorf/ Neuss, Deutschland
o.A.Warthe-BrückePosen (Poznan), Polen
o.A.Warthe-Brückeo.A.
o.A.Betonschiffeo.A.
o.A.Flugzeughalleno.A.
o.A.Projekt einer auf Fels gegründeten Dreigelenk-Bogenbrückeo.A.
o.A.Projekt einer 210,0 m weit gespannten Straßenbrücke 
gegründeten Dreigelenk-Bogenbrücke
o.A.
o.A.Projekt einer 300,0 m weit gespannten Straßenbrückeo.A.
o.A.Eisenbahnbalkenbrückeno.A.
o.A.Verschiedene Systeme und Entwürfe bis 3000 m Spannweiteo.A.
Liste mit Bildern
Großmarkthalle, Frankfurt (Main), Deutschland, 1926-1928

Die Großmarkthalle im Frankfurter Stadtteil Ostend, direkt am Mainufer in unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Osthafen gelegen, diente vom Oktober 1928 bis zur Schließung 2004 als gewerblicher Großmarkt vor allem für den Handel mit Obst und Gemüse. Zu Zeiten des Nationalsozialismus galt die Halle als Sammelpunkt für die Deportation jüdischer Männer, Frauen und Kinder. Seit 1984 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Zukünftig soll die Halle in den Neubau des Hauptsitzes der Europäischen Zentralbank integriert sein. Die Fertigstellung der Anlage ist für 2011 geplant.

Nach den Plänen von Martin Elsässer überdeckt die Großmarkthalle ein Grundriss von 50,0 x 220,0 m. Dabei erreicht sie eine Höhe von 17,0 bis 23,0 m. Zu Zeiten ihrer Entstehung bildete sie den größten Gebäudekomplex der Stadt und war das am weitesten gespannte massive Flächentragwerk in moderner Schalenbauweise. Neben Dischinger gilt auch Ulrich Finsterwalder als Ingenieur der in Eisenbeton-Schalenbau errichteten Großmarkthalle. Die Bauausführung übernahmen in den Jahren 1926 bis 1928 die Firmen Dyckerhoff & Widmann AG sowie Wayss & Freytag AG.

Die Herausforderungen und die Besonderheiten des Projektes zeigen sich in einer auffallend großen stützenfreien Verkaufshalle. Überdeckt wird diese durch 15 gereihte Zeiss-Dywidag-Tonnengewölbe in Beton mit einer Ausdehnung von jeweils 14,1 m Gewölbespannweite und 36,9 m Trägerspannweite. Die Konstruktion der Tonnen wurde mit einem eisernen doppelwandigen Zeiss-Netzwerk umgesetzt. Mittels Torkretverfahren wurde der Gewölbebeton aufgebracht. Es entstanden dabei Schalen von nur 7,0 cm Dicke mit geringem Eigengewicht und dennoch hoher Belastbarkeit. Die Grundform der Gewölbequerschnitte ist eine Halbellipse von 6,0 m Höhe.

Die Länge des Baus wurde in drei Abschnitte geteilt, wobei jeweils fünf quergestellte Tonnen eine Einheit darstellen. Die schräg stehenden Tragsäulen bilden mit den 2,0 x 0,8 m dicken und hohlen Kämpferbalken einen trapezförmigen Querschnitt der Halle. Die aussteifenden Binderscheiben an den Enden der Tonnen ruhen auf Konsolen der im Fundament eingespannten Schrägsäulen. Um Längenänderungen der Tonnen bei schwankenden Temperaturen zu ermöglichen, sind die Schrägsäulen gelenkig an die Tonnen angeschlossen. Das Rahmensystem aus Schrägsäulen und Tonne ist folglich einfach statisch unbestimmt.

Zwei in Längsrichtung aussteifende Kopfbauten mit jeweils 15,0 m Breite fassen die Halle. Die als Stahlbetonskelett erbauten Außenwände sind an den Längsseiten der Halle verglast und an den Kopfbauten mit Ziegeln ausgefacht. Eine Belichtung und Belüftung des Hallenkomplexes wird durch eine aufschließbare Gläserfront ermöglicht. Die Idee des Architekten von einer Großhalle mit verglaster Fassade, bei der die Dachkonstruktion in den Hintergrund tritt, beidseitig gefasst von kräftigen Kopfbauten, mit weitem Innenraum, frei von Stützen und Zugbändern, scheint mit der ausgeführten Eisenbeton-Schalenbaukonstruktion gelungen umgesetzt. 

Saalebrücke, Alsleben, Sachsen-Anhalt, Deutschland, 1928

Die Saalebrücke Alsleben gilt als erste vorgespannte Stahlbeton-Brücke mit nachträglichem Verbund. Der von Dischinger stammende Bauwerksentwurf für diese Straßenbrücke ist als zweigelenkige Bogenbrücke konstruiert. Die Bauausführung übernahm seinerzeit die Dyckerhoff & Widmann AG für 692'000,00 RM. 1945 fielen Teile der Brücke einem Bombenangriff zum Opfer. Kurze Zeit später wurden diese indessen wieder aufgebaut. 1992 wurde eine Brückenprüfung zum baulichen Zustand und zur Tragfähigkeit der Saalebrücke Alsleben durchgeführt. Das Bauwerk wurde damals als größtenteils in schlechtem und teilweise in sehr schlechtem Zustand eingestuft. Eine grundsätzliche Instandhaltungsmaßnahme wurde folglich nahe gelegt. Im Jahre 1997 wurde die Brücke geschlossen und in den darauf folgenden drei Jahren saniert.

Die Brückenkonstruktion ist durch eine Gesamtlänge von 154.45 m und eine Gesamtbreite von 10,88 m gekennzeichnet, wobei die reine Fahrbahn eine Breite 6,0 m einnimmt. Die Hauptspannweite der Brücke wird im Mittelteil durch einen Zweigelenkbogen mit Zugband und angehängter Fahrbahn realisiert. Sie liegt bei 68,0 m bei einer Pfeilhöhe von 11,33 m. Daraus ergibt sich ein Verhältnis von Spannweite zu Pfeilhöhe von eins zu sechs. Neben dem Mittelteil, bei dem die Vorspannung zum Einsatz kommen sollte, sah Dischinger in seinem Projekt insgesamt fünf weitere eingespannte Bögen vor, die sich durch unterschiedliche Spannweiten auszeichnen und in Richtung Uferseiten vom Mittelteil folgen.

Die Besonderheit des Projektes liegt im neuartigen Konstruktionsprinzip der Vorspannung mit nachträglichem Verbund. Dabei werden die Spanndrähte in einem Hüllrohr (Spannglied) verlegt und mit Ankerkörpern an beiden Enden ohne Vorspannung in den Baukörper einbetoniert. Nach dem Abbinden des Betons werden die Spannstähle unter Nutzung hydraulischer Pressen an den beweglichen Ankern vorgespannt. Nach diesem Arbeitsschritt wird das Innere der Hüllrohre mit einer speziellen Zementsuspension verpresst. Ergebnis ist ein kraftschlüssiger Verbund zwischen Spannstahl und Beton, die Biegemomente im Bogen werden erheblich gemindert und der formtreue Zustand für die Eigengewichtsbelastung hergestellt. Das Verfahren, für das Dischinger 1928 ein Patent anmeldete, kam bei der Saalebrücke Alsleben erstmals zur Anwendung.

Exkurs Vorspannung

Vorspannung (= Vordehnung) der Stahleinlagen (Spannglieder) im Spannbeton. Gedehnte Spannglieder stützen sich durch Anker oder direkt durch einen Verbund mit dem Beton auf dem Beton ab. Nur kleine Betonzugspannungen entstehen - Beton wird optimal ausnutzbar (hohe Druckspannungen). Das Bauteil ist steifer und erhält bei großen Stützweiten und hohen Lasten nur eine reduzierte Verformung (Durchbiegung). Die Vorspannung mit Verbund kann sofort oder nachträglich erzeugt werden (mit sofortigem Verbund, mit nachträglichem Verbund). Eine Vorspannung kann innerhalb des Bauteils oder extern stattfinden (externe Vorspannung, interne Vorspannung).

Bahnhofsbrücke, Aue, Sachsen, Deutschland, 1935-1937

Dischingers Entwurf für die Bahnhofsbrücke von Aue stellt sich konstruktiv als vorgespannte Balkenbrücke ohne Verbund dar. Hauptbrücke und Vorlandbrücken erreichen eine Gesamtlänge von 308,0 m und überspannen dabei den Bahnhofsbereich und die Zwickauer Mulde in Aue. 

Der Baustoff Spannbeton kam für den Überbau der Hauptbrücke und Stahlbeton für den Überbau der Vorlandbrücken zum Einsatz. Die Hauptspannweite für den Spannbetonüberbau erreicht eine Länge von 69,0 m, die der Stahlbetonüberbauten 41,0 m. Die Balkenbrücke mit ihren 69,0 m Spannweite besteht aus drei Feldern. Das mittlere Feld wird durch einen 31,5 m langen Einhängeträger realisiert, der auf zwei jeweils 18,75 m langen Kragarmen (Feld eins und drei) lagert. 

Die Brücke wird heut als ein technisches Denkmal eingestuft. Nicht zuletzt wird dies durch die verwendete Konstruktion einer Vorspannung ohne Verbund (externe Vorspannung) mitbegründet. Die Spanndrähte sind in der Lage sich zwischen den Ankerstellen zum Beton relativ zu verschieben, denn sie liegen nicht im Betonquerschnitt, sondern sind freispannend. Die Möglichkeit des Nachspannens bzw. Austauschs von Spannkabeln bei unerwarteten Spannkraftverlusten besteht. Der Korrosionsschutz wird zudem kontrollierbar. 

Die Vernachlässigung des vorgesehenen Nachspannens in der Kriegs- und Nachkriegszeit führte bei der Bahnhofsbrücke Aue durch Kriechen und Schwinden jedoch zu einer Verkürzung des Betons und folglich zu einer offensichtlichen Durchbiegung des Einhängeträgers von insgesamt 20,0 cm. Auch zeigten sich Korrosionserscheinungen. Da Brückenteile versagten und abstürzten, musste die bis 1995 unter Verkehr stehende Bahnhofsbrücke abgebrochen und durch einen Neubau nach gleichem Konstruktionsprinzip ersetzt werden. 

Teure Erfahrungen mit dem schwierig herzustellenden und zu kontrollierenden Korrosionsschutz führen heute zur Wiederbelebung der Vorspannung ohne Verbund. Die Zugänglichkeit und damit mögliche Auswechslung der Spannglieder, beispielsweise mit industriell aufgebrachtem Korrosionsschutz, zeigt sich finanziell vorteilhaft. Die heutzutage zur Verfügung stehenden hochfesten Spannstähle machen zudem den Arbeitsgang des Nachspannens überflüssig. 

Entwurf für die Kongresshalle Berlin, Deutschland, 1939

Dischinger, gerade Ordinarius für Eisenbetonbau an der TH Berlin-Charlottenburg, fertigte in den ersten Monaten des Jahres 1939 unterschiedliche Gutachten für die Realisierung der Kongresshalle Berlin an. Die Vorstellung Adolf Hitlers für dieses Projekt richtete sich auf die Schaffung eines außerordentlichen Ortes für politische Massenveranstaltungen am Königsplatz in Berlin aus. Viele Ingenieurpersönlichkeiten jener Zeit beteiligten sich an diesem Vorhaben.

Das Projekt bediente Dischinger mit einem Entwurf für einen Kuppelbau mit 250,0 m Spannweite, bei einer totalen Höhe von 290,0 m und einer Grundfläche von 315,0 x 315,0 m. Der Hallenentwurf sollte Raum für insgesamt 150'000 Stehplätze bieten. Während ein Planungsbeitrag von Albert Speer einen Mauerwerksbau beinhaltete, galt Dischingers Interesse einer Bauwerkserrichtung mit Beton. Adolf Hitler betrachtete Dischingers Betonarchitektur als antivölkisch und ignorierte ihn im späteren Planungsverlauf. Die Pläne zur großen Halle von Speer wurden durch Hitler favorisiert aber auch diese wurden letztendlich durch den Krieg beendet.

Dischingers Sondervorschlag zeichnet sich durch zwei übereinander liegende und voneinander unabhängige Stahlbetonkuppeln aus. Eine dünnwandige innere, kugelförmige Kuppel dient als Träger der Kassettierung. Dehnungszugspannungen sollen durch eine entsprechende Formgebung und Massenverteilung der Kuppel beseitigt werden. Eine stark unterschiedliche Schalendicke von 2,7 m am Kuppelfuß und 0,8 m im Scheitelpunkt führt zur künstlichen Senkung der Bruchfuge. Der hier angehobene Kämpfer bietet dennoch mit der Bruchfuge einen Bereich, der durch Ringzugspannungen geprägt ist. Eine tiefere Ausformung der Kassettierung verhindert Ringzugkräfte. Die äußere Kuppel mit elliptischer Meridiankurve von 3,5 m Wandstärke dient vor allem dem Schutz vor Bomben. Die auch hier angewandte hochgesetzte Form und die Verjüngung der Schalendicke zum Scheitel hin, gestatten eine konsequente Verfolgung der Stützlinie und somit die Vermeidung von Ringzugspannungen. Die Knicksicherheit wird durch eine angemessene Schalendicke gewährleistet.

Der Stahlbewehrung kommt bei diesem Entwurf eine besondere Rolle zuteil. Sie übernimmt nicht wie anzunehmen statische Aufgaben im allgemeinen Zusammenhang. Ihre Bestimmung liegt hingegen in der Stärkung der Betonfestigkeit im Falle eines Bombenangriffs. Den Hintergrund dafür bildete ein früherer Entwurf Dischingers für die Kongresshalle, den er als reine Betonkuppelkonstruktion konzeptioniert hatte und der vermutlich wegen mangelndem Luftschutz vernachlässigt wurde. Die Sicherheit eines reinen Betontragwerkes sah Dischinger mit seinem frühen Entwurf darin begründet, das in der Kuppel maßgeblich Druckspannungen auftreten. Die daneben in schwächerem Umfang auftretenden Biegemomente und daraus resultierenden Biegezugspannungen sollen durch eine entsprechende Formgebung der Kuppel (flaschenhalsartige Krümmung im Scheitel) gering gehalten werden, so dass sie die hohen Druckspannungen überlagern können.

Exkurs zur Idee der größten Kuppel der Welt

Erlag Dischinger nur der Faszination der technischen Machbarkeit bzw. Leistungsfähigkeit des Stahlbetons oder sympathisierte er mit dem Nationalsozialismus? 

  • Bewusstsein über Anspruch/ Zweck der Kongresshalle
  • politische Selbstdarstellung
  • bereitwilliger Einsatz durch selbständige Sondervorschläge
  • keine nachweisliche Distanzierung zu diesen Projekten in der Nachkriegszeit

Gesellschaftliche Verantwortung von Ingenieuren im Nationalsozialismus?

  • "technische Unschuld" weit verbreitet, Arbeiten dieser Zeit in Lektüre unterdrückt und verklärt
  • Ingenieur nicht nur fachliche Qualifikation, auch Individuum, Akteur und Produkt seiner Zeit und Umgebung
  • nicht staatlich angestellt