Hella Stoletzki
An den Rändern die Passanten


2025/2026


Standort: Foyer im Forschungszentrum 3 H, Konrad-Wachsmann-Allee 13 (Ecke Siemens-Halske-Ring)

Maße: 200 x 500 cm

Material: Silikatfarbe, Keramik, Edelstahl


Beim Betreten des Foyers des Forschungszentrums 3H der BTU Cottbus-Senftenberg eröffnet sich ein heller, großzügiger Raum. Weiße Wände, klare Architekturformen und große Fenster, die den Blick auf die Konrad-Wachsmann-Allee freigeben, schaffen eine ruhige und übersichtliche Atmosphäre. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich das Kunstwerk „An den Rändern die Passanten“ von Hella Stoletzki. Es verbindet Wandmalerei, Keramik, Zeichnung und Metallelemente zu einer vielschichtigen Collage, in der scheinbar Gegensätzliches zu einer harmonischen und ästhetischen Einheit zusammengeführt wird.

Ausgangspunkt der Arbeit sind Eindrücke alltäglicher Gegenstände, die Stoletzki auf Streifzügen über das Universitätsgelände gesammelt hat, darunter Bartische, Hinweisschilder und Pflanzenkübel. Diese im Alltag leicht zu übersehenen Objekte treten in der Komposition in neuen Zusammenhängen hervor und gewinnen ästhetische Präsenz. Zugleich fließen Szenen des Campus-Alltags – wie Studierende beim Tischtennisspiel vor dem benachbarten Lehmbau – sowie architektonische Elemente des Forschungszentrums, darunter der Treppenaufgang, die Deckenstrukturen und der mehrfarbige Fußboden, in die Gestaltung ein. Auf diese Weise verschränken sich Beobachtungen von „Innen“ und „Außen“ zu einer Collage, in der auch das Flüchtige des Moments und die Dauerhaftigkeit architektonischer Strukturen aufeinandertreffen.

Malerei

Die Wandmalerei bildet den Hintergrund der Arbeit. Mit reduzierter Farbpalette aus Grautönen, gebrochenem Weiß und einzelnen Akzenten in Blau und Grün greift Stoletzki die Farbgebung des Foyers auf. Auch Formen der Innen- und Außenarchitektur des Gebäudes sind in abstrahierter Form integriert. Der Lichteinfall des großen Fensters auf der rechten Seite wird berücksichtigt: Schatten im Bild korrespondieren mit den realen Lichtverhältnissen im Raum und schaffen eine Verbindung zwischen realer Welt und imaginierter Bildwelt.

Keramik

Im Zentrum der Arbeit befinden sich handgefertigte und einzeln zusammengesetzte Keramikkacheln, die im Sächsischen Grimma entstanden sind. Sie nehmen bewusst Bezug auf Kunst-am-Bau-Projekte der DDR und greifen ein im Stadtbild von Cottbus vertrautes Material auf. Auf den handbemalten Oberflächen der Kacheln lässt Stoletzki dunkle Schatten erscheinen, die die angrenzenden Kompositionsformen fortführen. Durch ihre reliefartige Struktur schaffen die Keramikelemente eine dreidimensionale Ebene, die die Wandmalerei motivisch ergänzt und zugleich aufbricht.

Metall

Ergänzt wird die Komposition durch Elemente aus gebürstetem Edelstahl, deren Oberflächen teils flüchtige, teils detailliertere Zeichnungen tragen, die mittels Lasertechnik in das Metall graviert wurden. Die Zeichnungen basieren auf Beobachtungen der Künstlerin, die sie etwa von Studierenden beim Tischtennisspiel oder von den Platanen entlang der Konrad-Wachsmann-Allee gemacht hat. Während die Kronen der Platanen in den Metallflächen ausgespart bleiben, zeichnet sich ihr Blattwerk als Schattenwurf auf den Kacheln darunter ab.

Elemente aus Malerei und Keramik sind ebenfalls an den gegenüberliegenden Wänden positioniert und erweitern das formale Vokabular des Wandbildes in den Raum hinein. Die dort eingesetzten Kacheln sind in einem rostrot glasierten Farbton gehalten, während die Fugen grau gefasst sind, wodurch erneut ein direkter Bezug zur Baukultur der DDR hergestellt wird. In Malerei und Keramik werden darüber hinaus die charakteristischen Betonformsteine der umliegenden Studierendenwohnheime zitiert. Zugleich reagiert Stoletzki auf die natürlichen und künstlichen Lichtverhältnisse des Raums, indem sie diese in ein Spektrum violetter und grüner Farbflächen überführt: Gemalte Schattenfelder etwa korrespondieren mit realen Schattenzonen, während die länglichen Formen der Leuchtstoffröhren formal in der Wandgestaltung aufgegriffen werden.

Hella Stoletzkis Werk ist sorgfältig durchdacht: Die Wiederholung und Fortführung bestimmter Formen in unterschiedlichen Materialien erzeugt ein dichtes Netz von Bezügen. Dabei werden Lichteinfall, Reflexionen und Haptik gezielt einbezogen. Das Werk vermittelt nicht nur zwischen Innen- und Außenraum, sondern auch zwischen Dauerhaftigkeit und Veränderung. Damit verweist das Werk auch auf die kontinuierlichen Veränderungen auf dem Campus, die sich in Neubauten, Rückbau, Zwischennutzungen und studentischen Aktivitäten manifestieren. „An den Rändern die Passanten“ ist eine komplexe, sinnlich erfahrbare Arbeit, die den Besucher*innen ermöglicht, Bekanntes aus neuen Perspektiven zu betrachten, räumliche Wahrnehmungen zu verschieben und den Dialog zwischen Innenraum und Campus-Landschaft zu reflektieren. Stoletzkis Arbeit überzeugt dabei sowohl ästhetisch als auch technisch durch eine nachhaltige Materialwahl und durchdachte Konstruktion.

Hella Stoletzki (*1996 in Berlin) wuchs in Cottbus auf und schloss ihr Diplom an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ab. Sie ist eine sorbische Künstlerin und Mitbegründerin des kolektiw wakuum.

Das Werk ging aus dem Kunst-am-Bau-Wettbewerb für den Neubau des Forschungszentrums 3H auf dem Zentralcampus Cottbus hervor. Auslober des Wettbewerbs war das Land Brandenburg, vertreten durch den Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB).