Vom Labor zum Brandenburger Innovationspreis 2026
Der Forschungsbezug: Projekt “HoCHQuant”
Ausgangspunkt der Ausgründung war das Forschungsprojekt "HoCHQuant", das am Fachgebiet Physikalische Chemie unter Leitung von Prof. Dr. Jörg Acker startete. Ziel des Projekts war die Herstellung isotopenreiner Halbleiter-Wasserstoffe wie Silan-28 – Materialien, die aufgrund ihrer veränderten physikalischen und chemischen Eigenschaften eine höhere Stabilität für Quantenprozesse bieten, auf dem Weltmarkt aber praktisch nicht verfügbar sind.
Das vierköpfige Projektteam – Dr. Owen C. Ernst, Dr. David Uebel, Anne Handschick-Ernst und Roman Brendler – arbeitete unter Ernsts Leitung zwei Jahre lang, von Juni 2024 bis September 2026, am BTU-Campus Senftenberg sowie am Dock3 Lausitz im Industriepark Schwarze Pumpe an der Marktreife des Verfahrens. Finanziert wurde die Arbeit über eine EXIST-Forschungstransfer-Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz in Höhe von mehr als 900.000 Euro.
Die Idee stammt vom IKZ Berlin
Die ursprüngliche Geschäftsidee entstand allerdings nicht an der BTU, sondern am Leibniz-Institut für Kristallzüchtung (IKZ) in Berlin. Dort arbeiteten Ernst und Uebel an SiGe-Heterostrukturen für Quantencomputer und stießen dabei wiederholt auf dieselbe Hürde: fehlendes hochreines Silizium-28. 2024 verlegte das Team sein Vorhaben an die BTU, um die notwendige chemische und sicherheitstechnische Infrastruktur nutzen zu können – der Beginn von „HoCHQuant".
Von der Förderung zum Unternehmen – und zum Preis
Die kommerzielle Tragfähigkeit der Idee zeigte sich früh: Bereits 2023, noch vor dem eigentlichen Projektstart, gewann das Team mit seinem Konzept den Lausitzer Existenzgründerpreis. Am 2. Februar 2026 folgte die formale Gründung der quantum grade materials [qgm] GmbH durch Ernst, Handschick-Ernst und Uebel.
Das patentierte Verfahren erlaubt es, hochreines Silizium-28 aus einem regulär am Markt verfügbaren Ausgangsstoff zu extrahieren – skaliert und ohne toxische Abfälle. „Hier trifft hohe Nachfrage auf ein aktuell sehr geringes Angebot. Für technologische Souveränität müssen wir in der Lage sein, diese kritischen Rohstoffe vor Ort herzustellen", beschreibt Ernst die Ausgangslage seines Unternehmens. Mittelfristig will [qgm] einen Großteil des europäischen Marktes für diese Materialien abdecken.
Nur wenige Monate nach der Gründung die Auszeichnung: Ministerin Martina Klement überreichte dem Team im Potsdamer fx.center den Brandenburger Innovationspreis 2026 – die vorläufige Krönung eines Weges, der von der universitären Grundlagenforschung über ein staatlich gefördertes Transferprojekt bis zur landesweiten Anerkennung führte.

