Zwischen Krise und Klimaziel: Wasserstoff als Schlüsseltechnologie
Energiekrise, Klimawandel, geopolitische Spannungen: Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verletzlich unser Energiesystem ist. Steigende Preise, Abhängigkeiten von fossilen Importen und die Dringlichkeit, den CO₂-Ausstoß zu senken, haben die Energiefrage zu einer der zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit gemacht. In dieser Situation rückt ein Energieträger besonders in den Fokus: Wasserstoff.
Ganzheitliche Wasserstoffforschung an der BTU
An der BTU wird Wasserstoff als konkreter Baustein einer sicheren und klimafreundlichen Energieversorgung erforscht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten von der Erzeugung über Speicherung und Transport bis hin zur industriellen Anwendung.
"Dass diese Tour gleich zu Beginn des Jahres 2026 hier bei uns Station macht, ist ein wichtiges Zeichen für die Bedeutung von Wasserstoff und für die Expertise unserer Universität in diesem Zukunftsfeld", betont BTU-Präsidentin Gesine Grande.
Wasserstoffspeicher als essenzielle Komponenten der Energiewende
Ein Schwerpunkt liegt auf der Nutzung überschüssigen Stroms aus Wind- und Solaranlagen. Gerade in Brandenburg entstehen große Mengen erneuerbarer Energie, die nicht immer unmittelbar verbraucht werden können. An der BTU werden Verfahren entwickelt, um diesen Strom in Wasserstoff umzuwandeln, zu speichern und bei Bedarf wieder bereitzustellen. Im Wasserstoff-Forschungszentrum wird erneuerbare Energie so „haltbar“ gemacht – ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung des Energiesystems.
Gleichzeitig untersuchen BTU-Forschende auf atomarer und molekularer Ebene geeignete Materialien für Elektrolyseure, Brennstoffzellen und Katalysatoren. Diese Grundlagenforschung ist entscheidend für langlebige, effiziente und wirtschaftlich einsetzbare Wasserstofftechnologien.
Wasserstoffbasierte Antriebe und industrielle Anwendungen
Auch die Mobilität der Zukunft steht im Fokus. Während der Straßenverkehr zunehmend elektrifiziert wird, stoßen Batterien in der Luftfahrt an Grenzen. In Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt die BTU daher elektrifizierte und wasserstoffbasierte Antriebskonzepte für klimafreundliches Fliegen.
Im Energie-Innovationszentrum arbeiten Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften interdisziplinär zusammen. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Optimierung der Elektrolyse, synthetische Kraftstoffe aus Wasserstoff und CO₂ sowie deren Rückverstromung.
Weitere Projekte befassen sich mit Transportlösungen für grünen Wasserstoff, mobilen Kugelspeichern (TransHyDE), Regelungsstrategien im Referenzkraftwerk Lausitz und innovativer Sensorik für Wasserstoff und Kohlenwasserstoffe im Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik (iCampus).
Das EU-geförderte Projekt CLEANHYPRO (Open Innovation Test Bed for Electrolysis Materials for Clean Hydrogen Production) ergänzt diese Aktivitäten: Es stellt Industrie und Forschung moderne Test- und Produktionsinfrastrukturen für die Entwicklung und Bewertung von Materialien und Komponenten der Wasserelektrolyse zur Verfügung.
Ergänzend stärkt das Cluster SpreeTec neXt entlang des Innovationskorridors zwischen Lausitz und Berlin die Fertigungskompetenz regionaler Metall- und Kunststoffunternehmen. Ziel ist es, neue Technologien für Komponenten und Systeme der dezentralen Energietechnik – darunter auch Wasserstoffanwendungen – in die industrielle Praxis zu überführen.
Vernetzung für Strukturwandel und Dekarbonisierung
„Diese Projekte leben vom Austausch mit unseren Partnern, etwa DLR, Fraunhofer oder TU Eindhoven, und stärken unsere Rolle im regionalen Wasserstoff-Netzwerk ‚DurcH2atmen‘“, erläutert Grande.
Das brandenburgisch-sächsische Netzwerk „DurcH2atmen“ bündelt seit 2019 rund 100 Partner mit etwa 60 Projekt- und Produktideen und treibt die industrielle Transformation in der Lausitz voran.
Ergänzend wirkt das 2021 gegründete Cluster Dekarbonisierung der Industrie (CDI) als Impulsgeber für das Ziel einer treibhausgasneutralen Industrie bis 2045. Initiiert von BTU, DLR, Fraunhofer IEG und KEI vernetzt es Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung.
Ein weiteres Beispiel für die enge Verbindung von Wissenschaft und Anwendung ist das gemeinsame BTU-BAM-Graduiertenkolleg „Trustworthy Hydrogen“, in dem Nachwuchskräfte zu Erzeugung, sicherem Transport, Detektion und Nutzung von Wasserstoff forschen.
Wasserstofftour macht Projekte sichtbar
Die Wasserstofftour am Mittwoch, 11. Februar 2026, zeigt: Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in der Lausitz gelingt nur im Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft, Kommunen und Wissenschaft. Cottbus positioniert sich als zentraler Standort im entstehenden Net Zero Valley. Wirtschaft und Netzwerke wie IHK und „DurcH2atmen“ sehen in Wasserstoff einen Schlüssel für Strukturwandel und neue Wertschöpfung. Die wissenschaftliche Basis liefert die BTU Cottbus-Senftenberg, die ihre Kompetenzen bündelt und Innovationen direkt in die Region transferiert.






