Mariya Shcherbyna Akademische Mitarbeiterin - Gastwissenschaftlerin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrende

“The words, like someone’s shadow, lie upon.
The non-translation’s myth, misunderstanding.
But silence has apparently no silence.
Inside” 

Auszug aus An itching blanket (2023) von Mariya Grabovska (aka Dr. Mariya Shcherbyna) nachzulesen auf  The Dreaming Machine

 

Im Gedenken an Dr. Mariya Shcherbyna

Пам'ятаємо, любимо, сумуємо (UKR Wir erinnern, wir lieben, wir trauern)

 

Liebe Kolleg*innen, Studierende, Freund*innen und Besucher*innen,

in tiefer Trauer müssen wir berichten, dass unsere hochgeschätzte Kollegin und Freundin, Dr. Mariya Shcherbyna, die von April bis Juli 2026 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der BTU Cottbus-Senftenberg beschäftigt war, verstorben ist.

Mariya Shcherbyna war eine Wissenschaftlerin, die sich lange und mit viel Hingebung ihrer Forschung gewidmete. Sie studierte Kulturphilosophie an der Nationaluniversität Karazin Kharkiv, wo sie ihre Doktorarbeit über die mythologischen Elemente in alltäglichen Kulturformen schrieb. Diese Arbeit war die Grundlage für ihr Interesse an Geschlechterstereotypen als Formen des mythologischen Denkens.

Ihre wissenschaftliche Arbeit bewegte sich in den Bereichen Gender Studies und Intersektionalität, wobei sie dem MINT-Bereich und Wissenschaftlerinnen besondere Aufmerksamkeit schenkte; darüber hinaus beschäftigte sie sich mit HerStory (Frauengeschichte), feministischer Epistemologie und epistemischer Gerechtigkeit sowie den Interferenzen zwischen Geschlecht, Krieg und erzwungener Migration, einschließlich kriegsbedingter Transformationen der Praktiken und Identitäten von Frauen.

Bevor sie an die BTU kam war sie als Associate Professor an der V. Dahl East Ukrainian National University und als Mitglied der Antidiskriminierungskommission des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Ukraine beschäftigt. Sie war anschließend als Comenius Fellow an der Universität Siegen (2024) und war währenddessen auch mit dem Politecnico di Torino assoziiert (2022-2026).

Die russische Vollinvasion am 24. Februar 2022 brachte eine grundsätzlich veränderte Ausrichtung in Mariyas privates und akademisches Leben. Ihre Heimatstadt, Kharkiv, war und blieb während des andauernden Kriegs direkten militärischen Angriffen ausgesetzt. Diese Angriffe zwangen Dr. Shcherbyna dazu, ihre Heimat zusammen mit ihrer Familie zu verlassen. Sie setzte als Scholar at Risk (gefährdete Wissenschaftlerin) ihre Forschung unter Bedingungen der Vertreibung und Unbeständigkeit fort, was unmittelbare und schmerzliche Fragen Teil ihrer Forschung und ihrer öffentlichen Arbeit werden ließ. Zu diesen Fragen gehörten die Beziehungen zwischen Geschlecht, Krieg, Selbstwirksamkeit, Erinnerung und Vertreibung. Zusammen mit Tetiana Havlin untersuchte sie diesen Fragenkomplex in mehreren Publikationen, darunter:

“Decolonized Gendered Subjects at War for Freedom and Self-Determination: Women in Combat in Real-Time and in Digitalized Memory.”Gender a výzkum / Gender and Research, 2026, 27(1). (Ansehen)

und:

“Intersectional Trap of (In)Visible Identities and Belongings. Between Engagement and Entrapment of Displaced Ukrainian Women Scientists.”Gender Studies, 2025, 24(1). (Ansehen)

Durch diese Arbeiten gelang es Mariya Erfahrungswelten sichtbar zu machen, die üblicherweise wenig Aufmerksamkeit bekommen: sich verändernde Identitäten und Praktiken geflüchteter Wissenschaftlerinnen und im Militärdienst beschäftigter Frauen an der Front, die vergeschlechtlichte Dimension des Krieges sowie auch die Kämpfe rund um Zugehörigkeit, Anerkennung und Überleben im akademischen Feld.

Mariyas wissenschaftliche Arbeit war gekennzeichnet durch intellektuellen Mut, Menschlichkeit und ein ausgeprägtes Engagement gegen Ungleichheit und für Zugehörigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Gerechtigkeit im Allgemeinen. In Forschung, Lehre und in ihren kollaborativen Projekten trug sie zu einem tieferen Verständnis darüber bei, welche sozialen Transformationen Frauen, Wissenschaftler*innen und Gemeinschaften, die von Krieg und Flucht betroffen sind, erleben.

Wir behalten Mariyas intellektuelle Beiträge, ihr Engagement und die vielen Spuren, die sie in der akademischen Gemeinschaft hinterlassen hat, dankend in Erinnerung.

 

Dr. Estibaliz Sienra Iracheta und das Team des Fachgebiets Interkulturalität laden am 28. Oktober 2026 zum Día de los Muertos (Tag der Toten) ein. Es handelt sich dabei um eine mexikanische kulturelle Tradition, die als kulturelles Erbe Mexikos anerkannt ist. Wir würden ihn gerne gemeinsam begehen, um an Dr. Mariya Shcherbyna zu erinnern und gemeinsam über kulturelles Erbe, Erinnerung und Abschied zu reflektieren. Wir ladenalle Kolleg*innen, Studierende, Freund*innen und andere  herzlich dazu ein. Zur Einladung

Im Gedenken an Dr. Mariya Shcherbyna. 

Спочивай з миром... (UKR: Ruhe in Frieden)

Möge die Erinnerung an Mariya uns durch Forschung, Gespräche und Verknüpfungen, die sie geschaffen hat, begleiten.