Interview mit BTU Alumnus Jovan Dimishkovski (Umweltingenieurwesen)
Jovan Dimishkovski kam aus Nordmazedonien nach Cottbus um hier Umweltingenieurwesen zu studieren, was er erfolgreich 2021 abschloss. In zwischen arbeitet er als Corporate Responsibility Manager bei der NORMA Group SE in Maintal bei Frankfurt am Main. Im Interview berichtet er von seinem Karriereweg.
Herr Dimishkovski, wie sind Sie zu Ihrem Studium in Cottbus gekommen und welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?
Nach dem erfolgreichen Abschluss meines Maschinenbaustudiums in meiner Heimat entschied ich mich, meine akademische und berufliche Laufbahn in Deutschland fortzusetzen. Um mich bestmöglich auf das Studium vorzubereiten, begann ich zunächst mit dem Besuch einer Sprachschule in Dresden, wo ich intensiv die deutsche Sprache gelernt habe. Im Anschluss daran erhielt ich Zulassungen von drei Universitäten. Da das Studienprogramm und die Forschungsschwerpunkte zu meiner akademischen Interessen, beruflichen Ziele und persönlichen Vorstellungen vollständig passte, fiel schließlich meine Entscheidung auf die BTU.
Was hat Sie an Umweltingenieurwesen interessiert und welche Eigenschaften und Interessen sollte man Ihrer Meinung nach für diesen Studiengang mitbringen?
Das Umweltingenieurwesen hat mich vor allem interessiert, weil es die Technik eng mit der Umwelt verbindet. In diesem Studiengang lernt man, wie Prozesse nicht nur technisch funktionieren, sondern auch nachhaltig sind und damit einen direkten Beitrag zum Beispiel zum Klimawandel, zur Ressourcenknappheit oder zur Umweltverschmutzung leisten. Besonders spannend finde ich die Interdisziplinarität: Man kombiniert Wissen aus dem Ingenieurwesen und den Naturwissenschaften, um heterogene Probleme ganzheitlich zu betrachten und zu lösen. Für den Studiengang Umweltingenieurwesen sind bestimmte Eigenschaften und Interessen besonders wichtig. Studierende sollten ein solides technisches und naturwissenschaftliches Verständnis mitbringen. Ebenso entscheidend ist die Fähigkeit, kritisch zu denken und Probleme systematisch anzugehen. Schließlich ist es hilfreich, wenn man nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch interessiert ist, um technische Lösungen in die Realität umzusetzen.
Sie arbeiten jetzt bei der NORMA Group SE als Corporate Responsibility Manager – wie kam es dazu?
Ich entschied mich nach meinem erfolgreichen Abschluss des Studiums, nach Frankfurt am Main zu ziehen, um dort meine berufliche Perspektive zu entdecken. Bereits kurze Zeit später ergab sich für meinen Bruder ebenfalls die Möglichkeit, in Frankfurt eine Anstellung zu finden, sodass wir nun gemeinsam in der Stadt wohnen. Für mich sind Karriere und Familie gleichermaßen wichtige Lebensbereiche. Beruflich hatte ich das Glück, unmittelbar nach meinem Studium einen Einstieg bei einem renommierten Industriekonzern zu finden. Diese Erfahrung ermöglichte es mir, wertvolle Einblicke in die Abläufe und Strukturen der Industriebranche zu gewinnen. Nach drei Jahren intensiver Berufserfahrung konnte ich meine Kenntnisse und Fähigkeiten weiter ausbauen und neue Verantwortung übernehmen. Seit 2025 bin ich bei der NORMA Group SE als Corporate Responsibility Manager tätig, wo ich meine Leidenschaft für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Wirtschaften mit meinen fachlichen Kenntnisse verbinden kann.
Inwieweit hat Sie das Studium auf Ihre aktuelle Tätigkeit als Corporate Responsibility Manager vorbereitet?
Einerseits waren meine beiden Studien stark technisch ausgerichtet, wodurch ich mir ein fundiertes Fachwissen in den Bereichen Maschinenbau und Umweltingenieurwesen aneignen konnte. Diese solide wissenschaftliche Basis ermöglichte es mir, komplexe technische Zusammenhänge zu verstehen, innovative Lösungen zu entwickeln und technische Herausforderungen systematisch zu analysieren. Andererseits habe ich meine berufliche Praxis im Managementbereich aufgebaut, wo ich die erworbenen technischen Kenntnisse gezielt einsetze, um Projekte effizient zu steuern und strategische Entscheidungen fundiert zu treffen. Die Studien haben mir nicht nur wertvolle Kompetenzen im logischen Denken, in der Problemlösung und in analytischen Methoden vermittelt, sondern auch mein Verständnis für vielschichtige Fragestellungen wesentlich vertieft. Dadurch kann ich technische Expertise und Managementkompetenz optimal miteinander verbinden, um sowohl die operativen als auch die strategischen Anforderungen interdisziplinärer Projekte erfolgreich zu bewältigen.
Was sind Ihre typischen Aufgaben bei der NORMA Group SE und wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Als börsenorientiertes Unternehmen ist NORMA Group SE verpflichtet, über Nachhaltigkeit in Form eines nichtfinanziellen Reports zu berichten. Dabei wirke ich aktiv an der Implementierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung mit und berücksichtigte dabei sowohl regulatorische als auch interne Anforderungen. Der Nachhaltigkeitsbericht erscheint einmal jährlich und ist vom Auditor geprüft. Gleichzeitig diene ich als Hauptansprechpartner zu unterschiedlichen Wirtschaftsprüfungsthemen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der internen und externen Kommunikation zu nachhaltigen Unternehmensaktivitäten. Darüber hinaus übernehme ich Aufgaben in der bereichsübergreifenden und globalen Zusammenarbeit mit interdisziplinären Teams aus diversen Abteilungen. Ich bin an Nachhaltigkeitsprojekten beteiligt und unterstützte die Erfüllung von Compliance-Anforderungen, unter anderem durch die Organisation und Abhalten von Schulungen.
Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job?
Eine meiner größten Herausforderungen besteht darin, dass sich der Berichterstattungsprozess kontinuierlich und oft sehr schnell durch wechselnde regulatorische Anforderungen verändert. Diese Dynamik erfordert von mir, nicht nur flexibel zu reagieren, sondern auch strategisch vorauszuplanen, um den Nachhaltigkeitsbericht als Projekt trotz eines engen Zeitrahmens und zahlreicher parallel laufender Aufgaben erfolgreich abzuschließen. Dabei ist es entscheidend, den Überblick zu behalten, klare Prioritäten zu setzen und mich regelmäßig mit den Fachexperten abzustimmen. Ein weiterer zentraler Faktor für den Erfolg ist das Team. Die Zusammenarbeit und der gegenseitige Austausch sind entscheidend, um effizient Lösungen zu entwickeln und auch unter Druck strukturiert zu arbeiten. Durch diese Erfahrungen lerne ich kontinuierlich, komplexe Aufgaben lösungsorientiert anzugehen und dabei gleichzeitig Qualität und Termintreue sicherzustellen. Letztlich zählt das Ergebnis: Wenn der Bericht erfolgreich abgeschlossen ist, erfüllt es mich mit Stolz zu wissen, dass ich aktiv zu einem qualitativ hochwertigen Ergebnis beitragen konnte.
Was sind spannende Projekte und Events an Ihrer Arbeitsstelle, von denen Sie berichten können?
Die NORMA Group leistet mit verschiedenen Projekten und Investitionen einen großen Beitrag zu gesellschaftlichem Engagement. Hierzu zählt beispielsweise der NORMA Help Day. An diesem Tag unterstützen wir weltweit soziale und ökologische Projekte in der Nähe unserer Standorte: von Kindergärten in Deutschland über die Instandhaltung von Parks in den USA bis hin zu Besuchen in Seniorenheimen in China. Mit einem anderen Projekt NORMA Clean Water wollen wir zeigen, was effizientes Wassermanagement bewirken kann: Verbesserungen in der Wasserversorgung, in Hygiene und in Bildungschancen, insbesondere für Mädchen.
Was ist Ihre wichtigste Botschaft an internationale Studierende an der BTU in Cottbus?
Internationale Studierende sind ein wichtiger Bestandteil der BTU. Sie erhalten Zugang zu vielfältigen Unterstützungsangeboten, um den Einstieg ins Studium zu erleichtern. Dazu zählen beispielsweise das Programm „Brücke zum Studium“, das auf den Übergang ins akademische Leben vorbereitet, vielfältige Sprachkurse zur Verbesserung der Deutschkenntnisse sowie zahlreiche kulturelle Veranstaltungen. Darüber hinaus bietet Cottbus als kleine, kompakte Stadt ein besonders angenehmes Umfeld für internationale Studierende. Die überschaubare Größe der Stadt erleichtert die Orientierung und ermöglicht es, sich schnell einzuleben. Gleichzeitig fördert sie den Austausch auf dem Campus, sodass man das studentische Leben intensiv erleben und innerhalb kurzer Zeit neue Kontakte knüpfen kann. Somit entsteht für internationale Studierende ein Umfeld, in dem sie sich sowohl akademisch als auch gesellschaftlich gut aufgehoben fühlen.
Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Studienzeit an der BTU?
Wenn ich an meine Studienzeit zurückdenke, vermisse ich am meisten die Kombination aus persönlicher Freiheit, praxisbezogenem Lernen und gemeinschaftlichen Erlebnissen. Es war eine Zeit, in der ich meinen eigenen Tagesablauf gestalten konnte, ohne dass die strikten Vorgaben eines Berufsalltags alles bestimmten. Ich hatte die Möglichkeit, Kurse zu wählen, die mich wirklich interessierten, Neues auszuprobieren und mich intensiv mit Themen auseinanderzusetzen, die mir am Herzen lagen. Gleichzeitig war die BTU ein Ort des Austauschs. Ich habe Freundschaften geschlossen, die bis heute bestehen, und unzählige Begegnungen erlebt, die meinen Horizont erweitert haben. Die spontanen Gespräche in der Cafeteria, gemeinsame Lerngruppen, studentische Veranstaltungen oder einfach das Zusammensitzen nach einem langen Tag – all das hat eine besondere Atmosphäre geschaffen.
Was ist Ihr schönster BTU-Moment oder Moment in Cottbus, an den Sie sich zurückerinnern?
Mein schönster Moment an der BTU, an den ich mich besonders gerne zurückerinnere, war die Zeit in dem Fachschaftsrat. Ich war für die aktive Planung verschiedenster Veranstaltungen verantwortlich. Dabei konnte ich meine kreativen und organisatorischen Fähigkeiten einbringen, sei es bei der Vorbereitung von Fachschaftsversammlungen, der Gestaltung von Partys, der Organisation von Exkursionen oder auch bei gemütlichen Grillabenden. Es hat mir große Freude bereitet, gemeinsam mit Kommilitoninnen und Kommilitonen unvergessliche Erlebnisse zu schaffen und eine lebendige, freundliche Atmosphäre auf dem Campus zu fördern.

