Wenn der Rucksack zu schwer wird: BTU-Fachtag widmet sich Übergängen in der frühen Kindheit

Der erste Schultag, der Wechsel von der Kita in die Grundschule, aber auch das alltägliche Abholen und Bringen: Der BTU-Fachtag "Übergänge in der Frühen Kindheit – Vielfalt sehen und begleiten" verbindet am Samstag, 5. September 2026, am Campus Senftenberg wissenschaftliche Impulse mit praxisnaher Werkstattarbeit.

Solche Übergänge haben für Kinder häufig eine weitreichende Bedeutung, die über organisatorische Abläufe hinausgeht. Sie können über Zugehörigkeit, Beteiligung und Bildungserfolg mitentscheiden. Wie sich diese Übergänge diversitätssensibel begleiten lassen, steht im Mittelpunkt des Fachtags, den das Team um Maria Rogahn-Beckmann und Julia Meißner unter der Federführung von Prof. Dr. Juliane Noack Napoles im Fachgebiet Erziehungswissenschaften am Institut für Soziale Arbeit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) organisiert.

Im Zentrum steht die Frage, wie Übergänge für Kinder und Familien so begleitet werden können, dass Mehrsprachigkeit, Migrations- und Fluchtgeschichte, Behinderung und neurodiverse Entwicklung, Armutserfahrungen sowie geringe Literalität im Elternhaus nicht zu Bildungshindernissen werden. Ziel ist es, diese unterschiedlichen Lebenslagen als Ausdruck von Vielfalt anzuerkennen und Übergänge dadurch inklusiver und zugänglicher zu begleiten.

Übergänge sind Schlüsselmomente, keine Formalie

“Wie Kinder Übergänge erleben, beeinflusst mit, ob sie sich willkommen und zugehörig fühlen und welche Chancen sich ihnen für ihren weiteren Bildungsweg eröffnen“, so Prof. Dr. Juliane Noack Napoles. „Wer den Wechsel von der Kita in die Schule nur organisatorisch denkt, übersieht, dass hier Zugehörigkeit, Beteiligung und Bildungschancen verhandelt werden – gerade für Kinder aus einkommensschwachen Familien, mit Behinderung oder Fluchterfahrung. Mit dem Fachtag wollen wir Erkenntnisse aus der Forschung direkt in die Praxis von Kitas und Grundschulen tragen.”

Das Forschungsthema: Übergänge als Gelingensbedingung

Der Fokus richtet sich auf ein Forschungsfeld, das sich mit den Fragen nach dem guten und gelingenden Leben in der Gesellschaft beschäftigt: in der Forschung als Eudaimogenese bezeichnet, leitet sich der Kunstwort aus dem altgriechischen “eudaimonía”, das mit Glück(seligkeit), objektivem Wohlergehen oder gutem Gelingen übersetzbar ist, und dem griechischem “genesis” für den Ursprung. An der BTU setzen sich die Wissenschaftler*innen insbesondere mit den eudaimogenetischen Zugängen zu Sozialer Arbeit und Pädagogik auseinander. Die Begleitung von Übergängen in der frühen Kindheit wird dabei als eine wichtige Gelingensbedingung verstanden. Gemeint sind sowohl alltägliche Mikrotransitionen – etwa das Bringen und Abholen, Raumwechsel oder das An- und Ausziehen – als auch große Makrotransitionen wie der Eintritt in die Kita oder der Wechsel in die Grundschule.

Kinder und Familien werden in den Blick genommen, die von strukturellen Benachteiligungen betroffen sein können. Im Mittelpunkt stehen verschiedene Aspekte, die auch im Programm des Fachtags in eigenen Werkstattgesprächen aufgegriffen werden:

  • Mehrsprachigkeit und Migrations- bzw. Fluchtgeschichte – etwa die Frage, wie sozial-emotionales Lernen Kinder mit Fluchterfahrung beim Übergang von der Kita in die Grundschule stärken kann.
  • Behinderung und neurodiverse Entwicklung – mit Blick auf inklusives Übergangsmanagement zwischen Kita, Schule, Jugendhilfe und Eltern.
  • Armutserfahrungen – aus der Perspektive des Lebenslagenansatzes und mit Fokus auf Teilhabe und Selbstwirksamkeit.
  • Geringe Literalität im Elternhaus – ein Schwerpunkt, den die BTU über das Graduiertenkolleg „Gelingendes Leben durch Grundbildung und Alphabetisierung ermöglichen (GrAl)" erforscht. Die BTU-Wissenschaftlerinnen und Promovendinnen Annegret Martin und Iris Pamp zeigen anhand von Interviews, wie gering literalisierte Eltern die Anforderungen der Schulzeit ihrer Kinder bewältigen und wie ein schamsensibler Umgang in der Elternarbeit gelingen kann.
  • Abschied, Trauer und Verlust als eigene, oft übersehene Form von Übergängen im Leben von Kindern und Jugendlichen – ein Thema, das die Pflegewissenschaftlerin Anja Herzog, Promovendin vom Institut für
    Soziale Arbeit der BTU, gemeinsam mit dem Diplom-Psychologen Tino Winkelmann bearbeitet.

Insgesamt elf Werkstattgespräche mit Partnern wie dem Institut Kinderwelten, dem International Rescue Committee, dem Sorbischen Institut Bautzen, der Initiative Zukunftsbildung und der Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH bündelt der Fachtag. Darüber hinaus findet eine juristische Sprechstunde für Kita-Leitungskräfte mit Prof. Dr. jur. Jens M. Schubert, Dekan der Fakultät für Humanwissenschaften an der der BTU Cottbus-Senftenberg statt.

Der Fachtag “Übergänge in der Frühen Kindheit – Vielfalt sehen und begleiten” wird vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg und von der Stadt Senftenberg gefördert.

Eine Anmeldung ist bis zum 31. August 2026 möglich:https://eveeno.com/210933700
Termin: 5. September 2026, ab 9 Uhr
Ort: Campus Senftenberg der BTU Cottbus-Senftenberg

Fachkontakt
Julia Meißner
meissner(at)b-tu.de 

Maria Rogahn-Beckmann
maria.rogahn-beckmann(at)b-tu.de

Prof. Dr. Juliane Noack Napoles
Professur für Erziehungswissenschaften, Institut für Soziale Arbeit
Juliane.NoackNapoles(at)b-tu.de

 

 

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Kristin Ebert
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Der erste Schultag ist für Kinder oft mehr als ein organisatorischer Neustart. Er entscheidet mit darüber, ob sie sich willkommen und zugehörig fühlen. Der BTU-Fachtag in Senftenberg widmet sich der Frage, wie solche Übergänge diversitätssensibel begleitet werden können. (Foto: guguart – stock.adobe.com)