Interview mit BTUAlumnus und Gründer Dr. Sebastian Selka (E-Business)

"Wir hatten tolle Zeiten beim Campusfest, den Studentenparties und auch bei der Forschung."

Dr. Sebastian Selka hat E-Business an der BTU studiert und in den Wirtschaftswissenschaften (Lehrstuhl für Marketing und Innovationsmanagement) promoviert. Als Geschäftsführer und Gründer der Symbiolab GmbH hat er zusammen mit seinen erfahrenen Kollegen ein Team aus IT-Experten aufgebaut, das alles rund um das Software Engineering, die digitale Produktentwicklung und Consulting im IT-Bereich anbietet. Egal welche Komplexität, die IT-Experten lösen die Probleme, arbeiten perfekt eingespielt als Team und bauen Software-Produkte in einer überzeugenden Qualität und Geschwindigkeit. Sebastian Selka blickt selbst schon auf mehrere und mehrjährige Freelancer- und Gründungserfahrungen in seinem Lebenslauf zurück, der sich wie die Geschichte eines Unternehmers liest, der stets voran geht und sich dabei auch selbst immer weiter entwickelt.

Hallo Sebastian, wie bist Du zum Studium und der Promotion an der BTU gekommen?
Ich bin in Cottbus aufgewachsen. Hier war ich im Kindergarten, in der Grundschule und auf dem Humboldt Gymnasium. Da mich Computer und Wirtschaftswissenschaften/ Business schon zu Schulzeiten sehr interessiert haben und die BTU einen Studiengang E-Business angeboten hat, war die Entscheidung für mich klar: Ich kann zu Hause wohnen bleiben, meine Freunde sind nah und ich bekomme ein perfekt auf mich ausgerichtetes, universitäres Studium.

Die Promotion war eher Zufall und Glück. Während meiner Masterarbeit hat mich Prof. Dr. Daniel Baier auf das neu von ihm eingeworbene ForMaT-Forschungsprojekt hingewiesen und angeboten, dass ich dort mitarbeiten kann. Allerdings nur unter der Bedingung zu promovieren. So kam ich ohne nennenswerten Bewerbungsprozess zu einem gut bezahlten Job in meiner Heimatstadt. Die Bedingung der Promotion war für mich okay, wenn auch nicht geplant. Zum Glück hatte ich mich zu Beginn bewusst für ein Universitätsstudium entschieden, um die Tür einer Promotion zumindest grundsätzlich offen zu halten, auch wenn ich das selbst nie geplant hatte und ohne das Angebot sicherlich nicht gemacht hätte. Aber ich gehe gerne den einfachen, pragmatischen Weg. Hieß für mich: Einfach zusagen und ich war im Job. Ohne Bewerbungsmarathon konnte ich so in meiner Heimatstadt bleiben. Nur die Dissertation, die hatte ich zu dem Zeitpunkt etwas unterschätzt.

Du hast schon viele Erfahrungen als Freelancer und Gründer gesammelt. Mit der LEET Group hattet ihr sogar ein EXIST-Gründungsstipendium. Sicherlich konntest Du bei jeder Station dazulernen, was Dir jetzt auch bei SymbioLab hilft. Was kannst Du Gründungsinteressierten sagen, die vielleicht Angst vor dem Karriereweg haben, wo man auch aus Fehlern lernen muss und sich stetig weiter motivieren und entwickeln muss?
Fehler machen wir alle und aus jedem Fehler kann man lernen. Unser erster Fehler war zum Beispiel schon die Namenswahl: Group oder Gruppe darf man eine Firma nur nennen, wenn die entsprechende Firma mindestens fünf Tochtergesellschaften hat. Das wussten wir nicht und das hatte zur Folge, dass das Amtsgericht den Firmenname abgelehnt hatte und wir erneut den Gang zum Notar, inklusive der Notargebühr, antreten durften. Und natürlich ging es mit Fehlern nur so weiter. Ohne ins Detail zu gehen bestanden unsere Fehler darin den falschen Zielmarkt zu wählen (viel zu nischig), Sales-unerfahren zu sein, ein Produkt zu bauen ohne mit Nutzern zu reden und schlicht und ergreifend auch darin, etwas zu versuchen, das nicht nah am Cashflow ist. Heißt: wir mussten erstmal viel investieren um vielleicht etwas damit zu verdienen. Dass das für mich nicht funktioniert, war auch mein größtes Learning. Insofern kann ich allen Gründungsinteressierten raten sich von Fehlern nicht abhalten zu lassen, sondern aus ihnen zu lernen und sie nicht zu wiederholen. Sofern man mehrheitlich richtige Entscheidungen trifft und Fehler vermeidet, kommt die Motivation von ganz allein.

Was ist Deine Hauptmotivation eine Selbstständigkeit bzw. Gründung anstatt ein Angestelltenverhältnis anzustreben? Wie würdest Du den Unterschied beschreiben für Studierende, die sich das Arbeitsleben vielleicht noch nicht so konkret vorstellen können?
Ich denke man muss das unterscheiden. Die Selbstständigkeit, wo die Verantwortung nur bei einem selbst liegt oder das Unternehmertum, bei dem auch die Verantwortung für die Mitarbeiter hinzu kommt. In beiden Fällen ist es für mich der hohe Freiheitsgrad dabei mein eigener Chef zu sein, wobei sich der Freiheitsgrad zwischen Selbstständigkeit und Unternehmertum unterscheidet: bei letzterem ist dieser etwas mehr eingeschränkt, weil die Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter entsprechend zu berücksichtigen sind.

Wie das Leben als Angestellter ist, weiß ich gar nicht so genau. Bis auf meine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter während der Promotionszeit, die sich eher wie Studium angefühlt hat, und der Anstellung als Praktikant während meines Masterstudiums war ich nie angestellt. Während dieses habe ich aber schon sehr früh gemerkt, dass mein Herz für das Unternehmertum schlägt und ich mich schwer tue der Politik in (großen) Firmen hinzugeben. Vielmehr möchte ich selbst etwas gestalten und aufbauen.

Du hast viel Erfahrung mit Kurz-Pitches, wo man Leuten und potentiellen Kunden in Kürze erklären muss, was man kann, was man will und was man anbietet. Hast Du da Tipps, wie man Pitches am besten angehen und üben sollte?
Einen Pitch im Kontext von Software-Engineering ist nicht schwierig kurzzufassen. Man muss wissen, dass wir uns in einem Markt bewegen, in dem Software-Engineers sehr rar sind. Insbesondere die Ausnahmetalente sind nochmal besonders selten. Und da wir mit richtig krassen Leuten aufwarten, die auch schon über viele Jahre als Team eingespielt sind, verhält es sich wie mit dem sprichwörtlichen „geschnitten Brot“.

Unsere größte Herausforderung liegt dabei einen Namen und Bekanntheit aufzubauen, weil es am Ende in diesem Geschäft auf das eigene Netzwerk hinausläuft. Man muss uns schlicht kennen. Wir bieten zwar Champions-League-Klasse, aber noch sind wir vom Bekanntheitsgrad nur ein „Kleinstadtverein“. Wenn immer ich aber die Chance für einen Pitch habe, geht es darum den potentiellen Kunden nicht mit zu vielen Informationen zu überladen. Kurz fassen ohne etwas zu vergessen ist die Kunst. Ansonsten ist der beste Tipp schlicht „es einfach zu machen“. Immer wieder üben, üben, üben. Im Studium mit Vorträgen, bei einem Hobbyverein Verantwortung übernehmen oder in jedweder sonstigen Möglichkeit mit Fremden Menschen ins Gespräch kommen. Am Anfang fällt es schwerer, aber mit jedem Mal wird es auch besser.

Ihr seid bei Symbiolab ein Team von sieben Software Engineers, was bietet ihr euren Kunden und wie sieht Dein Arbeitsalltag als Managing Director in der Firma aus? Was sind Deine Aufgaben und wie organisierst und motivierst Du die Beschäftigten?
Den Kunden bieten wir ein perfekt eingespieltes Software-Engineering-Team. Das erspart den Kunden die Ramp-Up- und Storming-Phase. Die Engineers arbeiten direkt in ihren etablierten Prozessen, kennen die unterschiedlichen Schwerpunkte und Kompetenzen des Teams seit vielen Jahren sehr genau und setzen auf gemeinsam erlernte best-practices und Erfahrungen. Das ist auch unser Alleinstellungsmerkmal: Von Tag eins an legen wir los und vermeiden Reibungsverluste.

Am Ende bedarf es nur noch einer Produktidee beziehungsweise einem Software-Produkt und den Willen es umzusetzen. Auf der „grünen Wiese“ startend oder im bereits existierenden Umfeld der Kundschaft bauen wir dann nach Bedarf eine wartbare und sichere Qualitäts-Software. Dabei unterstützen wir, die Produktidee in Worte zu fassen, also das Anforderungsmanagement, um das zu bauen, was die Auftraggebenden haben möchten, hinterfragen technologisch was sinnvoll und für die Klientel im Zweifel zukünftig selbst wartbar ist, sofern keine Wartung gewünscht wird. Oder wir unterstützen namhafte Unternehmen bei Ihren eigenen Software-Entwicklungsprozessen wie zum Beispiel die Deutsche Post IT Services GmbH oder Zalando SE.

Wenn ich nicht selbst als IT-Berater im Einsatz bin, kümmere ich mich als Managing Director darum ein Netzwerk aufzubauen, um potentielle Kundschaft zu finden und die Firma am Laufen zu halten. Dazu gehört es dann auch an unseren internen Software-Produkten zu arbeiten (Rechnungserstellung, Lebensläufe, Bonuskalkulator) oder unsere Infrastruktur zu warten. Dazu gehören Updates der Server, der eingesetzten Cloud-Lösung (Nextcloud), unserer selbst-gehosteten VideoConferencing-Lösung (Jitsi) oder auch das Schreiben von Notfallplänen und die Auseinandersetzung mit rechtlichen Fragestellungen. Bei letzterem hilft mir tatsächlich auch ein wenig die Erfahrung aus den Rechtsvorlesungen an der BTU.

Ich organisiere mich mit der Kalender/Task-Funktion von nextcloud, die ich in Thunderbird und auf meinen Smartphones synchronisiere, mit Markdown-Files, die auch über Nextcloud synchronisiert werden und mit meinen Kollegen über einen Ende-zu-Ende verschlüsselten Messenger (element.io). Bei Kundenprojekten nutzen wir wahlweise die Services des Kunden (z.B. Jira). Wenn wir für uns selbst werkeln, dann nutzen wir GitLab issues. Die Motivation der Beschäftigten kommt von ganz alleine: Durch spannende Herausforderungen und durch unser Bonus-Modell.

Was ist das für ein Bonus-Modell?
Nun, das Bonussystem ist Kernbestandteil unseres Geschäftsmodells. Konkret ist das ein Modell, dass Mitarbeitende 70% des von Ihnen erwirtschaften Umsatzes, nach Abzug geschäftlicher Kosten wie zum Beispiel Hotels und Weiterbildungen, als Gehalt ausbezahlt bekommen. Das heißt also Grundgehalt plus Bonus. Damit agieren die Beschäftigten faktisch wie Freelancer beziehungsweise Selbstständige, haben aber nicht die typischen Probleme wie zum Beispiel Steuerthemen. Es gibt ein Grundgehalt, keine Akquise, kein Sales und formal-juristisch sind sie auch ordentliche Arbeitnehmer mit Sozialversicherung, Rentenkasse und so weiter. Gerade die Sicherheit ist für viele Mitarbeitenden wichtig, aber auch schlicht das Outsourcing der nervigen Businessangelegenheiten an jemand anderes, also an mich :-).

Woran erinnerst Du Dich am liebsten aus der Studien- und Promotionszeit?
Die schönste Zeit war sicherlich die Zeit am Lehrstuhl für Marketing und Innovationsmanagement zusammen mit meiner Kollegenschaft. Wir hatten tolle Zeiten beim Campusfest, den Studierendenpartys und auch bei der Forschung. Ich erinnere mich gerne daran, wie wir zusammen in der Brasserie zu Abend gegessen haben, um danach gemeinsam und doch jeder für sich im LG10 weiter an unseren Dissertationen zu schreiben. Hier galt ganz klar: geteiltes Leid ist halbes Leid. Danke für die tolle Zeit unter anderem an Eva Stüber, Matthias Kaiser, Sascha Vökler, Alexander Sänn und Nicolai Sand.

Beim Studium denke ich gerne an unsere Programmierabende mit Robert Naundorf und Norman Erck zurück, an meine und unsere Zeit bei jalta Consultants und natürlich auch an die Hörsaalpartys.

BTU Alumnus Dr. Sebastian Selka