Interview mit BTUAlumna Katharina Noatschk (Physik)

"An die BTU bin ich zum Tag der offenen Tür gefahren und habe da einen Vortrag von meinem jetzigen Doktorvater gehört, der mich so angesprochen hat, dass ich dachte, hier will ich studieren."

Katharina Noatschk studierte Physik an der BTU und bekam 2019 eine Auszeichnung für die beste Masterarbeit der Fakultät 1. Inzwischen promoviert sie an der BTU im Fachgebiet Computational Physics von Prof. Götz Seibold zur Theorie der Cooper-Paare bei Hochtemperatursupraleitern. Ihre Forschung könnte dabei helfen Materialien zu finden, die bei Zimmertemperatur Eigenschaften von Supraleitern haben, also praktisch null elektrischen Widerstand aufweisen und sehr starke Magnetfelder erzeugen. Im Gegensatz zu den bisherigen Supraleitern, die man auf -140 Grad Celsius herunterkühlen muss. Ihre Arbeit könnte damit das berühmte fliegende Skateboard aus dem Film „Zurück in die Zukunft II“ ermöglichen, was sie auch bei den Science Slams der Nacht der kreativen Köpfe und dem EI(N)FÄLLE Satirefestival anschaulich und unterhaltsam erklärte. Das Publikum hat dabei nicht nur etwas auf unterhaltsame Weise gelernt, sondern Katharina auch jeweils verdientermaßen zur Siegerin gekührt. Passenderweise ist sie auch MINT-Botschafterin der BTU und begeistert junge Studieninteressierte für die Studiengänge der Fakultät 1.

Hallo Katharina, woher kommt Dein Interesse an Physik und wie bist Du zum Studium an die BTU gekommen?
Mein Interesse für Physik hat mein alter Physiklehrer Herr Wanizek geweckt und dieses auch gefördert. Zu Hause habe ich allerdings auch schon als Kind kleine Schaltungen gelötet und Spaß an naturwissenschaftlichen Themen gehabt. Für mein Abitur bin ich auch extra nach Görlitz gezogen, da man an der Schule spezielle Leistungskursfächer im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik belegen konnte. Nach dem Abi konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich Jura oder eine Naturwissenschaft studieren will. Deshalb habe ich zunächst ein politisches Jahr in der Stadtverwaltung Bautzen absolviert, dort erhielt ich auch einen Einblick in die Rechtsabteilung. Allerdings haben mir die Naturwissenschaften sehr gefehlt, so dass ich mir oft die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaften gekauft habe, in der Forschungsthemen aus Physik, Technik oder Mathematik populärwissenschaftlich aufgearbeitet werden. Da gab es so viele interessante Themen in der Physik und auch noch viele ungeklärte Probleme, so dass ich mehr wissen wollte, mehr verstehen wollte und mich aus diesem Grund entschied, Physik zu studieren. An die BTU bin ich zum Tag der offenen Tür gefahren und habe da einen Vortrag von meinem jetzigen Doktorvater gehört, der mich so angesprochen hat, dass ich dachte, hier will ich studieren.

Du bist MINT-Botschafterin an der BTU. Was ist Deine Botschaft an Studieninteressierte, die noch unsicher sind ein MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik) zu studieren, vielleicht auch aus Angst davor, dass es zu schwer werden könnte?
Wenn du Spaß und Interesse an MINT-Fächern hast, wird sich das auch in deinem Studium fortsetzen. Klar gibt es Themengebiete, die einem nicht so liegen und man auch mal frustriert ist. Erst später erkennt man dann die Zusammenhänge, aber es macht vor allem Spaß. Also habe keine Angst davor, deine Kommilitonen stehen vor den gleichen Herausforderungen und man unterstützt sich gegenseitig. Zudem stehen die Türen unserer Professoren für die Studierenden offen, so dass man Probleme und Fragen direkt ansprechen kann. Auch die Fachschaften dienen als Ansprechpartner und können dir bei vielen Dingen rund ums das Studium helfen.

Du promovierst an der BTU. Was sind da Deine Aufgaben am Lehrstuhl neben der Promotion und wie kann man sich Deinen Arbeitsalltag vorstellen?
Zu Beginn meiner Promotion wurde ich 3 Jahre von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Daneben habe ich 3 Jahre in Senftenberg das Physik-Seminar für den Studiengang Biotechnologie und Materialchemie gehalten. Seitdem ich MINT-Botschafterin der Fakultät 1 bin, habe ich keine Lehrveranstaltungen mehr zu betreuen, das würde ich zeitlich mit der Promotion nicht mehr schaffen. Der Arbeitsalltag sieht immer etwas anders aus, man bereitet die Lehrveranstaltungen vor, d.h. man schaut sich an, was die Studierenden in der Vorlesung gehört haben und erstellt dazu Übungsaufgaben bzw. geht auf bestimmte Themen noch einmal genauer ein. Die Aufgaben werden dann gemeinsam im Seminar gerechnet.

Jetzt organisiere ich als MINT-Botschafterin Veranstaltungen für Schüler*innen, Studierende und Doktorandinnen. Dazu gehört der Besuch von Studien- und Berufsorientierungstagen, da habe ich z.B. darüber gesprochen „Warum MINT studieren“ für die Zukunft und ihre Herausforderungen immer wichtiger wird. Ebenso haben wir MINT-Botschafter*innen das MINT-Frauen-Stipendium vergeben, dass sich an junge Frauen richtet und ihnen den Studieneinstieg in den MINT-Fächern erleichtern soll, wobei nicht nur die finanzielle Förderung, sondern auch die ideelle Förderung dazu gehört. Hier veranstalten wir in regelmäßigen Abständen ein Stipendiatinnentreffen. Es gibt noch viele andere Veranstaltungen, z.B. unsere MINT-AGs. Das alles muss natürlich organisiert werden, dabei bin ich (zum Glück) nicht allein, es gibt ja für die Fakultät 2 und 3 auch MINT-Botschafter*innen.

Ein wichtiger Teil meines Arbeitsalltags ist die Forschung. Wann immer ich nicht gerade bei einer Veranstaltung als MINT-Botschafterin bin oder diese vorbereite, lese ich aktuelle Publikationen aus meinem Forschungsbereich, das hilft meine Forschung einordnen zu können. Ich werte meine Datensätze aus, die aus meiner Computersimulation stammen oder arbeite direkt am Computerprogramm, um Anpassungen für ein bestimmtes Problem vorzunehmen. Die Ergebnisse bespreche ich dann mit meinem Doktorvater und meinem Kollegen Christian, wobei man über diese und den weiteren Weg diskutiert.

Wie bist Du zu Deinem Promotionsthema und der Forschung an Cooper-Paaren gekommen und was fasziniert Dich im Besonderen daran?
Ich habe bereits meine Masterarbeit bei meinem Doktorvater geschrieben, dabei ging es um Germanium-Zinn. Die Arbeit ist in Zusammenarbeit mit dem Leibniz Institute for High Performance Microelectronics in Frankfurt Oder entstanden. Dabei habe ich gemerkt, dass mir die theoretische Festkörperphysik Spaß macht und ich gerne in dem Feld weiter forschen will. Das Thema wurde mir von meinem Doktorvater vorgeschlagen, da die Hochtemperatursupraleitung sein Forschungsfeld ist. Im Studium haben wir auch Supraleitung als Themengebiet behandelt und ich wusste, dass es seit der Entdeckung der Hochtemperatursupraleitung 1986, keine einheitliche Theorie zur Bildung der Cooper-Paare gibt. Das Thema und, dass wir einen Teil zur Lösung dieses Problems beitragen können, in dem man unsere Ergebnisse auch mit experimentellen Arbeiten vergleicht und die Forschung auf diesem Feld voranbringt, hat mich von Anfang an fasziniert. Denn wenn es gelingt, eine einheitliche Theorie zu beschreiben, wird man leichter Stoffe oder Stoffkombinationen finden, die bei Zimmertemperatur supraleitend werden und könnte, damit beispielsweise das gesamte Transportwesen revolutionieren.

Zuletzt die vielleicht wichtigste Frage: wann kommt das Hoover-Board oder wird es doch ein Hoover-Zug?
Das liegt noch in der Zukunft J, aber wenn es kommt, ist ein Zug viel wahrscheinlicher. Man benötigt magnetische Bahnen, damit das supraleitende Hoover-Board oder der Zug schwebt und der würde sich auch nur innerhalb der magnetischen Bahn bewegen. Daher ist es für Züge zielführender. Zwischen Tokio und Osaka gibt es bereits eine Teststrecke für eine hochtemperatursupraleitende Bahn, die im Moment noch mit Stickstoff gekühlt wird. Solche Züge können in Zukunft hohe Geschwindigkeiten erreichen, so dass man auf Inlandflüge verzichten kann. Zudem sind sie viel umweltfreundlicher, da sie keine fossilen Brennstoffe benötigen. 

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Daniel Ebert
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