Doppelter DFG-Erfolg für Umweltwissenschaftler*innen der BTU

Zwei neue Forschungsprojekte am Lehrstuhl Geopedologie und Landschaftsentwicklung untersuchen die Entwicklung und Funktion von Kulturlandschaften. Daneben wurden noch zwei weitere Anträge auf Sachhilfe genehmigt. Insgesamt darf sich das Team über etwa 800.000 Euro freuen.

Das Projekt „Relikte der historischen Landnutzung als Elemente von Bodenlandschaften - Verbreitung, Eigenschaften und Funktionen von anthropogenen Kleinreliefformen und Böden am Beispiel zweier Einzugsgebiete in Ostbayern“ wird von Frau Dr. Anna Schneider geleitet. Hintergrund ist, dass sich die historische Besiedelung und Nutzung von Landschaften in für verschiedene Nutzungsformen charakteristischen Veränderungen von Oberflächenformen manifestiert hat.

Böden erzählen die Geschichte menschlicher Landnutzung

Solche anthropogenen Kleinreliefformen sowie die mit ihnen vergesellschafteten Böden sind bisher wenig beachtete, wertvolle Archive für die Untersuchung von Landnutzungsgeschichte und Landschaftsentwicklung und nehmen auch aus ökologischer Sicht eine Sonderstellung ein. Gebiete mit hoher räumlicher Dichte solcher Landnutzungsrelikte (LNR) verfügen über eine sehr kleinstrukturierte Bodenlandschaft mit hoher räumlicher Variabilität von Bodeneigenschaften. Obwohl hochaufgelöste digitale Geländemodelle (DGM) die großflächige Kartierung von LNR möglich machen, ist zu Verbreitung und Eigenschaften von LNR-Bodenlandschaften bis heute nur wenig bekannt. „Hier setzen wir an“, so Dr. Schneider. „Das Hauptziel des Projekts ist es, die Verbreitung, die Eigenschaften und die landschaftsökologische Funktionalität von Relikten der historischen Landnutzung in Waldgebieten mit dynamischer Landnutzungsgeschichte zu charakterisieren. Dazu kombinieren wir die GIS-gestützte Analyse von DGM, Informationen aus der Bodendenkmalpflege und weiteren räumlich aufgelösten Daten mit sedimentologisch-bodenkundlichen Feld- und Labormethoden und der Anwendungen eines numerischen Simulationsmodells“.

Das Untersuchungsgebiet befindet sich in Nordostbayern, wo aufgrund der langen, abwechslungsreichen Landnutzungsgeschichte und des vielfältigen Naturraums die Fragestellung exemplarisch bearbeitet wird. Ziel der Kombination von großflächiger Kartierung und kleinräumiger Detailuntersuchung ist, die flächige Verbreitung und Relevanz der festgestellten Bodenveränderungen auch auf der Landschaftsskala zu bewerten.

Hügelgräber der Lausitzer Kultur

Das Projekt „Holozäne Landschaftsgeschichte im „Schweinert – eine geoarchäologische Studie im größten bronzezeitlichen Hügelgräberfeld Deutschlands“ wird von Frau Dr. Alexandra Raab geleitet. „Im Süden Brandenburgs finden sich etwa 650 oberflächig sehr gut erhaltene Grabhügel, die der Lausitzer Kultur zugeordnet werden. Das ist einmalig in Deutschland“, so Dr. Raab. Der Bestattungsplatz liegt in der Auenlandschaft der Schwarzen Elster und wird von einem fluvialen Rinnensystem durchzogen.

Im Rahmen des Vorhabens sollen nun geoarchäologische Untersuchungen zur Klärung wichtiger naturräumlicher Standortfragen beitragen und die holozäne Landschaftsgeschichte rekonstruiert werden. Die Hauptfragen des Vorhabens sind dabei: In welchem Kontext holozäner Relief-, Boden- und Sedimentbildungen befindet sich das Hügelgräberfeld im Schweinert, lässt sich der Kenntnisstand zur Nekropole durch neue archäologische Befunde erweitern und können stratigraphische Bezüge zwischen dem Schweinert und den holozänen Bildungen in seinem weiteren Umfeld hergestellt werden? Für die Beantwortung dieser Fragen wird ein geomorphologisch-bodenkundlich-sedimentologischer Ansatz genutzt, dessen zentrales Element Toposequenzen sind. Entlang dieser sogenannten Catenen werden die Böden und ihre Ausgangssubstrate in Schürfgruben und Bohrungen beschrieben, beprobt und genetisch klassifiziert. „Bei diesen Tätigkeiten können wir sehr gut Student*innen durch Abschlussarbeiten einbinden. Das ist die perfekte Synthese von Forschung und Lehre“, schwärmt die Projektleiterin. Parallel zu den Catenen können die Student*innen, angeleitet von erfahrenen Wissenschaftler*innen, geophysikalische Prospektionen durchführen. Die geophysikalische Prospektion bildet die Grundlage für die Auswahl von Flächen für archäologische Grabungen, und Frau Dr. Raab führt weiter aus: „Dies geschieht in Kooperation mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum (BLDAM), einem langjährigen Partner unserer Forschungstätigkeit in der Region. In der Zusammenschau der Befunde erwarten wir neue Erkenntnisse zur holozänen Landschaftsgeschichte in einem der bedeutendsten bronzezeitlichen Hügelgräberfelder Mitteleuropas. Wir sind bereits sehr gespannt, was hier zu finden ist“.

Prof. Dr. Thomas Raab, Leiter des Lehrstuhls und Co-Projektleiter in beiden Vorhaben, freut sich mit den Kolleginnen: „Dies ist ein beachtlicher Erfolg in mehrfacher Hinsicht. Zunächst zeigen die Bewilligungen, dass DFG-Sachbeihilfen keine Ausnahmen im Förderportfolio der BTU sein müssen und auch nicht sein sollten. Grundlage für diese Projekte sind allerdings international ausgewiesene Antragsteller*innen mit wissenschaftlicher Expertise in dem relevanten Themengebiet, sehr gute Ausstattung der Trägereinrichtung und natürlich eine spannende Fragestellung, die sich einem innovativen Forschungsthema widmet und bei dem neue Erkenntnisse im Grundlagenbereich zu erwarten sind. Das alles können wir bieten“. Darüber hinaus tragen diese DFG-Projekte signifikant zum Drittmittelaufkommen eines Fachgebiets bei, fördern die Kooperation mit Wissenschaftler*innen anderer Institutionen und steigern die Sichtbarkeit der BTU als Standort für exzellente Forschung. „Es freut mich besonders, dass Dr. Schneider und Dr. Raab bereits zweimal erfolgreich DFG-Projekte mit dem Modul „Eigene Stelle“ einwerben konnten. Dies belegt eindrucksvoll die hohe Qualität ihrer Forschungen und das über lange Jahre erworbene Renommee in der scientific community“.

Fachkontakt

Prof. Dr. phil. Thomas Raab
Geopedologie und Landschaftsentwicklung
T +49 (0) 355 69-4226
raab(at)b-tu.de

Pressekontakt

Kathrin Schlüßler
Stabsstelle Kommunikation und Marketing
T +49 (0) 355 69-2115
kathrin.schluessler(at)b-tu.de
Die imposanten Grabhügel im Schweinert datieren in die Bronzezeit (2200 - 800 v. Chr.). Mit insgesamt 650 Grabhügeln ist der Schweinert deutschlandweit einmalig.

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