Großes Interesse am Forensikabend zu Cold Cases
Karsten Bettels, Kriminaldirektor a.D., eröffnete den Abend mit einem Blick auf die statistischen Hintergründe von Cold Cases. Dabei ging es unter anderem um Tötungsdelikte, Vermisstenfälle und die Frage, wie häufig sich hinter einer Vermisstenmeldung letztlich ein Gewaltverbrechen verbirgt. Rund 10 % der Fälle in Deutschland gelten als Cold Cases.
Anhand konkreter Beispiele zeigte Bettels, wie komplex die Aufarbeitung solcher Fälle sein kann. Ermittlungsakten können mehrere tausend Seiten umfassen und enthalten eine Vielzahl von Hinweisen, Aussagen und Spuren. Gerade deshalb sei es entscheidend, solche Akten immer wieder neu zu lesen und aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Hinweise, die zunächst unscheinbar wirken, können Jahre später plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommen.
Ein Beispiel ist der sogenannte „Nordseemann“ aus dem Jahr 1994: In Bremerhaven wurde damals die Leiche eines Mannes in einer Holzkiste entdeckt, die im Hafenwasser trieb. Trotz umfangreicher Ermittlungen blieb lange unklar, wer der Mann war und unter welchen Umständen er zu Tode kam.
Auch der Mordfall Colin A. (1983) wurde thematisiert. Der britische Staatsbürger wurde damals tot in einem ausgebrannten Fahrzeug gefunden. Zeugen berichteten von Knallgeräuschen in der Nacht, die zunächst als platzende Reifen interpretiert wurden.
Bettels stellte außerdem Initiativen wie das National Cold Case Analysis Project (NCCAP) und das International Cold Case Analysis Project (ICCAP) vor, die eine strukturierte und teilweise internationale Analyse ungelöster Fälle unterstützen.
Diesen Fall griff anschließend Prof. Dr. Thomas Fischer aus wissenschaftlicher Perspektive auf. Er stellte seine Untersuchungen zu den damaligen Geräuschen vor und erläuterte, warum es sich möglicherweise nicht um platzende Reifen, sondern um Schüsse aus einer Pistole gehandelt haben könnte. Dabei ging er unter anderem darauf ein, wie schnell ein Fahrzeugbrand entsteht, wann Reifen tatsächlich platzen, wie sich entsprechende Geräusche unterscheiden und an welchen Stellen Brände an Fahrzeugen typischerweise ihren Ursprung haben.
Im Anschluss nutzte das Publikum die Gelegenheit Fragen an die Referenten zu stellen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Die große Resonanz zeigt, dass Themen rund um Forensik, Ermittlungsarbeit und ungelöste Kriminalfälle auf großes Interesse stoßen. Die Präsenzstelle Spremberg bedankt sich herzlich bei den Referenten für ihre spannenden Einblicke und bei allen Gästen für den intensiven Austausch.



