Heilmittel-Report 2026 beleuchtet Ansätze zur Messung und Verbesserung der Qualität der Heilmittelversorgung
Im Heilmittel-Bereich sind seit Jahren stetig steigende Ausgaben zu verzeichnen, während über die Qualität der Versorgung kaum Informationen vorliegen. Das macht der vorgestellte Heilmittel-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) deutlich. Er beleuchtet verschiedene Wege zur Messung und Verbesserung der Versorgungsqualität von der Akademisierung der Heilberufe über die Implementierung von Leitlinien bis zur Nutzung von Routinedaten der Krankenkassen für die Qualitätsmessung.
Ein wichtiger Faktor zur Verbesserung der Qualität ist laut den beteiligten Expertinnen und Experten die Qualität der Ausbildung. Deutschland sei aktuell das einzige Land in Europa, in dem eine Berufsausbildung für Physiotherapeutinnen und -therapeuten noch ausreiche. Die Zusammenarbeit zwischen fachschulisch und akademisch ausgebildeten Physiotherapeutinnen und -therapeuten mit einer Differenzierung innerhalb des Berufes und einer Aufteilung der Verantwortlichkeiten, wie sie in anderen Ländern Praxis sei, könne auch für Deutschland einen sinnvollen Weg darstellen, so Helmut Schröder (Geschäftsführer WIdO).
„Der fehlende politische Wille, den vielfach geforderten Transformationsprozess von einer Teil- hin zu einer Voll-Akademisierung endlich zu beginnen, ist bedauerlich und steht nach meiner Auffassung einer wirklich zukunftsfesten Ausrichtung entgegen“, sagte Prof. Dr. Christian Kopkow, Professor für Physiotherapie an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) und Mitherausgeber des Heilmittel-Reports 2026. Die Akademisierung sei eine „grundsätzliche Voraussetzung“ dafür, dass die Gesundheitsberufe im Heilmittelbereich eine eigenständige Forschungsstruktur aufbauen könnten. Nur dann könnten sie Studien durchführen und zu einer wissenschaftlichen Wissensbasis für die Heilmittel-Versorgung beitragen. Internationale Erfahrungen zeigen laut Heilmittel-Report, dass eine stärkere Akademisierung der Ausbildung evidenzbasierte Therapieentscheidungen fördern und die interprofessionelle Zusammenarbeit stärken kann. Voraussetzung für eine gelingende interprofessionelle Versorgung sei eine gemeinsame Ausbildung der verschiedenen Berufsgruppen. Das interprofessionelle Lehren und Lernen müsse „kontinuierlich und verbindlich in den Ausbildungen von Gesundheitsfachkräften verankert werden“, so Kopkow.
Ein wichtiges Instrument zur Verbesserung der Versorgungsqualität sind laut Heilmittel-Report auch Leitlinien mit Handlungsempfehlungen für eine angemessene und evidenzbasierte Versorgung. An der Leitlinien-Erstellung seien inzwischen mehrere Berufsverbände und wissenschaftliche Fachgesellschaften aus dem Heilmittel-Bereich aktiv beteiligt, berichtete Prof. Dr. Christian Kopkow. Leitlinien könnten helfen, Entscheidungen für eine angemessene Versorgung bei spezifischen Gesundheitsproblemen zu treffen. Problematisch seien jedoch die mangelnde Bekanntheit und Umsetzung der vorhandenen Leitlinien. So hatten beispielsweise in einer deutschlandweiten Befragung nur rund 30 Prozent der teilnehmenden Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten angegeben, die Nationale Versorgungsleitlinie zum nicht-spezifischen Kreuzschmerz zu kennen. Hindernisse für die Umsetzung von Leitlinien seien beispielsweise Konflikte zwischen den Empfehlungen und der eigenen klinischen Erfahrung, Zweifel an der Praxistauglichkeit von Leitlinien, mangelnde Unterstützung im Arbeitsumfeld, Zeitmangel sowie fehlende Vergütungsanreize.
Die Aufzeichnung der Pressekonferenz vom Dienstag, 9. Juni 2026 aus dem Haus der Bundespressekonferenz in Berlin ist hier on demand verfügbar.
Die Aufzeichnung der Pressekonferenz ist hier on demand verfügbar.
Der Heilmittel-Report 2026 ist als Open Access Buch online verfügbar.
Kontakt
Physiotherapie
T +49 (0) 3573 85-741
christian.kopkow(at)b-tu.de


