Zusammenwirken lokaler Traditionen und hegemonialer Einflüsse im Städtebau des östlichen Mittelmeerraums
Antike Städte im östlichen Mittelmeerraum, die bisher durch archäologische und bauhistorische Forschungen erschlossen wurden, offenbaren eine große Vielfalt an Spuren überregionaler Migration und Interaktion im Zusammenspiel mit „einheimischen“ gesellschaftlichen Dynamiken. Die etwa zeitgleichen griechischen und persischen Einzüge im 6. und 5. Jh. v. Chr. sowie die spätere römische Expansion wirkten auf bereits bestehende Siedlungsstrukturen und fügten ihnen neue Elemente hinzu – sie führten mitunter zu ihrer physischen und sozialen Hybridisierung. Doch nach welchen Prinzipien und Strategien gingen diese Einflussnahmen vonstatten? Inwiefern fand eine Interaktion zwischen durch lokale Traditionen geprägter Bevölkerung und den Großmächten bei der Stadtentwicklung statt? Inwiefern sind Aspekte wie z.B. die Eingliederung einer Übersiedlergruppe am bestehenden Stadtgefüge oder die räumliche Koexistenz von unterschiedlichen Ethnien bauforscherisch und/oder archäologisch (überhaupt) identifizierbar? Ist der Wandel von Regierungsformen in der städtebaulichen Struktur zu ermitteln?
Im Spannungsfeld zwischen lokalen Dynamiken und den sie überlagernden dominanten Kulturen nimmt das Phänomen der Repräsentation einen zentralen Stellenwert ein. Die Repräsentationsbedürfnisse der Machthaber oder dominierender Gesellschaftsgruppen manifestieren sich dabei signifikant in Militärarchitektur, in Sakralräumen sowie in Grabmonumenten, aber auch in städtebaulichen Anlagen. Gerade beim Letztgenannten spielen aber auch die spezifischen Settings, welche die naturräumlichen Gegebenheiten bieten, eine wesentliche Rolle. Insbesondere die Untersuchung von Siedlungsräumen in regionalen und kulturellen Grenzzonen verspricht auf diesem Feld neue Erkenntnisse. Kulturelle Interaktionsprozesse treten in solchen Kontaktzonen am deutlichsten zutage. Dazu kommen auch die zu jener Zeit neu entstandenen Städte, die kein konkretes bauliches Erbe besaßen. Welche urbanen Vorbilder adaptierte man in diesen Fällen?
Beim Verhandeln aller dieser Themen, Aspekte und Überlegungen sollen die methodischen Zugänge im Vordergrund stehen, die auf die Stadt als Untersuchungsobjekt fokussieren und die Grundsatzfrage verfolgen, wie Stadt und Urbanismus erforscht werden können.
Das eineinhalbtägige Kolloquium wird in Kooperation mit dem Architekturreferat des DAI organisiert und am Institut für Bau- und Kunstgeschichte der BTU in Cottbus durchgeführt. Ermöglicht durch die Förderung des DAAD werden Wissenschaftler*innen aus Deutschland und der Türkei an konkreten Fallbeispielen über das Thema „Zusammenwirken lokaler Traditionen und hegemonialer Einflüsse im Städtebau des östlichen Mittelmeerraums“ diskutieren.
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Baugeschichte
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