Warum Banken in Ghana kaum KI für Klimaschutz-Entscheidungen nutzen
Eine neue Studie an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) gemeinsam mit der Durban University of Technology in Südafrika ist der Frage nachgegangen, woran das liegt. Veröffentlicht wurde die Arbeit in der renommierten Fachzeitschrift Discover Sustainability von Springer Nature.
Weltweit fließen inzwischen enorme Summen in den Klimaschutz. 2024 waren es rund zwei Billionen US-Dollar. Das Problem: Fast nichts davon kommt in Afrika südlich der Sahara an, obwohl die Region besonders unter dem Klimawandel leidet und dringend Geld bräuchte. Ein Grund dafür: Banken und Investoren fehlen oft verlässliche Daten und gute Werkzeuge, um einzuschätzen zu können, welche Klimaprojekte wirklich sinnvoll und sicher sind.
Prof. Herwig Winkler vom Fachgebiet Produktionswirtschaft und Co-Autor der Studie sieht eine Lösung: “Genau hier könnte KI helfen, zum Beispiel, indem sie automatisch Risiken einschätzt oder Nachhaltigkeitsdaten auswertet. Die Möglichkeiten gibt es also. Nur kaum jemand nutzt sie bisher.”
Was ist notwendig, damit KI-Werkzeuge tatsächlich eingesetzt werden
Um herauszufinden, warum die KI-Akzeptanz so niedrig ist, haben die Forschenden 317 Beschäftigte in ghanaischen Banken, Versicherungen und Investmentfirmen befragt.
Das Ergebnis lässt sich so zusammenfassen: “Entscheidend ist vor allem, ob die Befragten einen klaren Nutzen in der KI sehen und ob sie ihr vertrauen", ergänzt der Wissenschaftler. "Ob eine Software leicht zu bedienen ist, spielt dagegen eine deutlich kleinere Rolle.”
In der Konsequenz bedeutet das: Wenn ein Unternehmen gut aufgestellt ist – also klare Regeln hat, moderne Technik besitzt und geschultes Personal beschäftigt –, wirkt sich eine leicht bedienbare KI-Software auf die Akzeptanz deutlich positiver aus, als in weniger gut aufgestellten Firmen. Beim reinen Nutzen-Empfinden machte das dagegen kaum einen Unterschied.
Was am meisten bremst
Auf die Frage nach den größten Hindernissen nannten die Befragten vor allem drei Dinge: fehlende technische Infrastruktur, zu wenig Fachwissen im eigenen Haus und schlechte Datenqualität. Erst nachgeordnet folgten Unsicherheit bei den gesetzlichen Regeln und hohe Kosten. Sorgen über Fairness oder Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen wurden dagegen seltener genannt. Das liegt vermutlich daran, dass die Grundlagen für KI-Nutzung in vielen Häusern schlicht noch fehlen.
Was die Forschenden empfehlen
Aus den Ergebnissen leiten die Autorinnen und Autoren praktische Empfehlungen ab: Ghanas Finanzaufsicht sollte klare Regeln für den Einsatz von KI im Klimabereich schaffen. Banken und Versicherungen sollten gezielt Mitarbeitende schulen. Und die Politik sollte gemeinsam mit privaten Partnern in bessere Klimadaten investieren.
Die Frage, warum Menschen neue Technologien annehmen oder eben nicht, stellt sich in der Fabrikhalle genauso wie im Kreditausschuss einer Bank in Accra. Die Beteiligung zeigt, dass die Cottbuser Forschung zu diesem Thema auch international gefragt ist – weit über die klassische Industrie hinaus.
Die Arbeit ist in Kooperation mit der Durban University of Technology in Südafrika entstanden. Dr. Emmanuel Ahatsi arbeitet derzeit als Gastforscher über ein Sipendium des Deutscher Akademischer Austauschdienstes im Fachgebiet Produktionswirtschaft der BTU.
Die Studie ist frei zugänglich (Open Access).
Quelle: Ahatsi, E., Winkler, H., Olanrewaju, O.: “Artificial intelligence-driven sustainable climate finance decision-making in Ghana's financial sector.” Discover Sustainability 7, 1333 (2026). DOI: 10.1007/s43621-026-04407-y
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