Werte, die über die Zukunft von Regionen entscheiden

Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) berufen Juniorprofessor für neue Nachwuchsforschungsgruppe

Der Strukturwandel ist nicht allein eine Frage von Technologien oder Fördermitteln. Er stellt immer auch eine Frage von Werten: Welche Arbeit, welche Fähigkeiten, welche Zukunftsbilder gelten als wertvoll und welche nicht mehr? Wer entscheidet darüber? Diesen und weiteren Fragen geht seit dem 1. September 2026 der Geograph Jonathan Friedrich als Juniorprofessor für Stadt- und Regionalsoziologie an der BTU nach. Er leitet die neue Nachwuchsforschungsgruppe “Wert und Bewertung im Strukturwandel” an der Universität und dem IRS.

Wissenschaft für die Lausitz und international

Die Forschungsgruppe untersucht, wie in Transformationsprozessen wie dem Kohleausstieg gesellschaftlich geteilte Werte ausgehandelt werden und räumlich wirksam werden. Im Fokus stehen zwei Seiten derselben Medaille: Wie werden neue Ideen, Technologien und Organisationsformen bewertet, ausgewählt und umgesetzt? Und wie verlieren bestehende Praktiken und Wissensbestände an Bedeutung, werden vergessen oder sogar aktiv verlernt? Diese Perspektive des Be- und Entwertens wurde in der Forschung zu regionalen Transformationsprozessen bislang kaum systematisch untersucht.

“Regionale Transformationsprozesse sind davon geprägt, dass Akteure mit verschiedenen Ideen und Interessen um die Zukunft ringen”, sagt Jonathan Friedrich. “Wir wollen besser verstehen, wie diese Aushandlungsprozesse verlaufen und welche Gestaltungsmöglichkeiten sich daraus ergeben. Dabei geht es auch um Fragen von Teilhabe und Gerechtigkeit.”

“Diese Berufung wird die enge Zusammenarbeit mit dem IRS weiter stärken und unsere Profillinie ‚Globaler Wandel und Transformationsprozesse‘ bereichern”, sagt BTU-Präsidentin Prof. Gesine Grande. "Mit der gemeinsamen Finanzierung einer zur Professur gehörenden Nachwuchsgruppe ‚Wert und Bewertung im Strukturwandel‘ engagieren sich BTU und IRS in außergewöhnlicher Weise für den Aufbau von einrichtungsverbindender Forschungsexpertise und einen engen wissenschaftlichen Austausch.”

“Die Nachwuchsforschungsgruppe betreibt Grundlagenforschung und erarbeitet zugleich mit Akteuren aus den Regionen praktisch wirksames Wissen. Das ist genau die Forschung, für die das IRS steht”, ergänzt Oliver Ibert, wissenschaftlicher Direktor des IRS.

Mit der gemeinsam berufenen Professur bündeln BTU und IRS ihre Expertise, um den Strukturwandel in der Lausitz wissenschaftlich zu begleiten und zugleich international vergleichbar zu machen. Denn die Lausitz in Brandenburg ist zwar zentraler Untersuchungsgegenstand der Forschungsgruppe, aber nicht der einzige: Im Rahmen von Promotionsprojekten werden weitere Regionen im In- und Ausland analysiert, um zu verstehen, wie sich Bewertungsprozesse in unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontexten unterscheiden.

Über Jonathan Friedrich

Dr. Jonathan Friedrich ist Humangeograph. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Geographie von Nachhaltigkeitstransformationen – insbesondere mit ihrer räumlichen Organisation, Aushandlung und Wirksamkeit. Von 2024 bis 2026 war er Postdoctoral Fellow am Department für Humangeographie der Universität Lund in Schweden, von 2019 bis 2024 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). In seiner Dissertation an der Georg-August-Universität Göttingen untersuchte er den Nachhaltigkeitswandel in der deutschen Tierhaltung.

Über das IRS

Das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung untersucht die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und der Transformation von Räumen. Es berät Akteure aus Politik und Zivilgesellschaft, um die zukunftsfähige Entwicklung von Dörfern, Städten und Regionen zu fördern und sozialräumliche Ungleichheit zu lindern. Am IRS arbeiten rund 50 Forschende aus verschiedenen Disziplinen zusammen.

Über die BTU Cottbus-Senftenberg

Als Universität im Herzen der Lausitz ist die BTU Cottbus–Senftenberg ein Innovationsmotor für den Wandel in der Region. Mit dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregion initiiert sie Verbundprojekte in den vier Profillinien „Energiewende und Dekarbonisierung", „Künstliche Intelligenz und Sensorik", „Gesundheit und Life Sciences" sowie „Globaler Wandel und Transformationsprozesse". Als forschungsstarke Technische Universität mit Standorten in Cottbus und Senftenberg verbindet sie Forschung, Lehre und Wissenstransfer in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, der Architektur, den Umweltwissenschaften, den Wirtschaftswissenschaften sowie in den Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwissenschaften.

Kontakt

Prof. Dr. rer. nat. Jonathan Friedrich

Kristin Ebert
Kommunikation und Marketing
T +49 (0) 355 69-2115
kristin.ebert(at)b-tu.de
Dr. Jonathan Friedrich, Juniorprofessor für Stadt- und Regionalsoziologie an der BTU Cottbus-Senftenberg, leitet die neue Nachwuchsforschungsgruppe „Wert und Bewertung im Strukturwandel". (Foto: IRS/Felix Müller)