Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg und Brandenburgische Ingenieurkammer nehmen Krankenhaus-Modul in Betrieb
Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und die Brandenburgische Ingenieurkammer haben am Campus Sachsendorf der Universität ein neues Krankenhaus-Modul für die Prüfung angehender bauaufsichtlich anerkannter Prüfsachverständiger in Betrieb genommen. Das Projekt erweitert die bestehende Laborinfrastruktur des “Fachgebietes Bauphysik und Gebäudetechnik” am Institut Bauingenieurwesen um einen besonders anspruchsvollen Anwendungsfall der sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung (STGA): die elektrischen Netz- und Versorgungseinrichtungen in Krankenhäusern.
Die technische Ausstattung des Prüflabors für den Bereich der sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung bildet im Kern die folgenden wesentlichen Fachrichtungen ab:
- Lüftungsanlagen
- CO-Warnanlagen (in Garagen)
- Rauchabzugsanlagen
- Druckbelüftungsanlagen
- Feuerlöschanlagen (z. B. Sprinkler- und Gaslöschanlage)
- Brandmelde- und Alarmierungsanlagen
- Sicherheitsstromversorgungen einschl. Sicherheitsbeleuchtung (z. B. Netzersatzanlage)
- sonstige elektrische Anlagen nach spezifischem Landesrecht (vgl. neue MPrüfVO vom 21.10.2025)
Der Prüfungsausschuss der Brandenburgischen Ingenieurkammer (BBIK) führt im Prüflabor der BTU den mündlich-praktischen Teil der Prüfung für die bauaufsichtliche Anerkennung der Prüfsachverständigen in den o. g. Fachrichtungen durch.
Hierfür besitzt das Prüflabor eine Reihe von Testanlagen, die im Prüfungsverfahren genutzt werden können. Die angehenden Prüfsachverständigen werden somit unter praxisnahen Verhältnissen geprüft und es wird festgestellt, ob das theoretische Wissen mit den praktischen Erfahrungen (Prüfpraxis, Beurteilungsvermögen, Handhabung von Messgeräten) verknüpft ist.
An den realitätsnahen Testanlagen müssen die Prüflinge nachweisen, dass sie die Wirksamkeit, Betriebssicherheit sowie das bestimmungsgemäße Zusammenwirken der sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung (Wirk-Prinzip-Prüfung) sicher beurteilen und zu einer fundierten fachlichen Einschätzung gelangen können.
Dies ist eine zwingende Voraussetzung für die bauaufsichtliche Anerkennung als Prüfsachverständige. Nur so kann im Rahmen des anlagentechnischen Brandschutzes das bauordnungsrechtliche Schutzziel nach den Landesbauordnungen zuverlässig gewährleistet werden: „der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorzubeugen und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten zu ermöglichen.“
Mit dem neuen Krankenhaus-Modul wird das Spektrum der Testanlagen um ein weiteres praxisnahes Einsatzszenario erweitert. Krankenhäuser stellen höchste Anforderungen an die anlagentechnische Sicherheit und die Versorgungssicherheit. Vor allem in sensiblen Bereichen, wie Operationssälen oder Intensivstationen, haben Störungen der elektrischen Versorgung unmittelbare Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit der zu behandelnden Personen.
Um dieser Gefährdung mit technischen Mitteln entgegenzutreten, werden in den sensiblen Bereichen eines Krankenhauses besonders gesicherte Stromversorgungen und spezielle Netzformen, z. B. das medizinische IT-System, eingesetzt. Prüfsachverständige für elektrische Anlagen müssen dieses Fachwissen im Wissensrepertoire abbilden.
Seit 20 Jahren arbeiten die BBIK und die BTU Cottbus-Senftenberg bei der Ausbildung und Prüfung erfolgreich zusammen und übernehmen hierbei hoheitliche Aufgaben im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL). Dass dieses anspruchsvolle Projekt der neuen Testanlage, welches unter der ehemaligen Leitung von Prof. Dr. Winfried Schütz aufgebaut wurde, erfolgreich realisiert werden konnte, ist dem engen Zusammenspiel aller Beteiligten zu verdanken.
Neben dem engagierten Hauptamt der BTU und dem Hauptamt der BBIK ist dies vor allem dem außerordentlichen Engagement des BBIK-Prüfungsausschusses und der ehrenamtlichen Mitglieder Dr. Gero Gerber, Michael Mattejat und Christoph Stiene zu verdanken.
Darüber hinaus lässt sich ein Projekt dieser Tragweite nur durch starke Partnerschaften aus der Praxis realisieren. Erst durch die großzügige Unterstützung aus der Wirtschaft konnte das Krankenhaus-Modul angemessen ausgestattet werden. Die BTU und die BBIK danken den folgenden beteiligten Unternehmen ausdrücklich für die Unterstützung:
- GEISE Elektrotechnik GmbH, Marsberg
- Bender GmbH & Co. KG, Grünberg
- Elektro Natusch, Cottbus
- Trockenbau Schwarzer GbR, Neupetershain
Ein besonderer Dank gilt zudem der Bürogemeinschaft für Klimagerechtes Bauen Dr. Andrea Lilienthal und Dr. Torsten Bark für die engagierte und zuverlässige Baubetreuung vor Ort.
Mit dem erfolgreichen Ausbau des Laborgebäudes setzen die BTU und die BBIK ein klares Zeichen für die Zukunft der Gebäudesicherheit. Hierdurch gelingt es, die enorme Verantwortung, die den Prüfsachverständigen vom Gesetzgeber übertragen wurde, sowie ihre umfangreichen Prüfaufgaben und das Anlagenwissen, realitätsnah im Prüfungsverfahren abzubilden. Das neue Modul schafft die notwendigen Voraussetzungen, um diese hochqualifizierten Ingenieure genau in den sensiblen Bereichen praktisch zu prüfen, die uns alle im Alltag betreffen können.
Technische Erklärung:
Ein medizinisches IT-System ist kein Computersystem in der Medizintechnik, sondern eine besondere Stromversorgung. Dabei besteht keine direkte oder nur sehr hochohmige elektrische Verbindung der Stromquelle zur Erde (isoliertes Stromversorgungssystem), jedoch besitzen die elektrischen Betriebsmittel eine direkte elektrische Verbindung zur Erde. Dieser isolierte Zustand des Stromversorgungssystems wird über eine gesonderte Messschaltung überwacht.
Der entscheidende Vorteil dieser Art der Erdverbindung im medizinischen Bereich ist, dass bei einem ersten elektrischen Fehler nicht die Stromversorgung ausfällt, sondern der Fehler nur akustisch und optisch angezeigt wird. Hierdurch können z. B. wichtige Behandlungen von Patienten trotz eines ersten elektrischen Fehlers weitergeführt und beendet werden.
