Keynote auf Saarländischem Energiekongress "Gemeinschaftswerk Energiewende"
Nach der Atomkatastrophe von Fukushima berief die Bundesregierung 2011 eine Ethik-Kommission mit dem Namen „Sichere Energieversorgung“, welche die Frage der weiteren Nutzung der Atomenergie zu behandeln hatte. Diese beschrieb im Ergebnis die Energiewende als ein „Gemeinschaftswerk“ und als einen „Prozess, der die gesamte Gesellschaft fordert. Er verlangt – und ermöglicht – Partizipation, Überzeugung und Entscheidungen vieler Menschen in den Parlamenten und Regierungen, in den Städten und Gemeinden, an den Universitäten, den Schulen, in den Unternehmen und Institutionen.“ Die Kommission entschied nicht nur einvernehmlich, das aufgrund der verfügbaren risikoärmeren erneuerbaren Technologien ein Atomausstieg vertretbar ist, sondern zeichnete einen Weg auf, der stark auf Beteiligung, Teilhabe, Mitwirkung und Transparenz setzte. Die Konferenz beleuchtete vor diesem Hintergrund den heutigen Stand der Umsetzung dieses Ansatzes. Wo stehen wir, was sind die Herausforderungen, was die Lösungen und Erfolgsbeispiele einer gemeinschaftlichen Energiewende?
In seinem eröffnenden politischen Grußwort betonte der zuständige saarländische Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie, Jürgen Barke, dass das Saarland von einer konsequenten Umsetzung der Energiewende profitieren würde. Die saarländische Industrie habe sich auf den Weg gemacht und bräuchte verlässliche Rahmenbedingungen auf EU- und Bundesebene und keine Verzögerungen oder Zielverschiebungen, um die Arbeitsplätze und eine inländische Produktion von Grundstoffen zu erhalten, aber auch um weitere zukunftsträchtige wirtschaftliche Potenziale zu erschließen.
In seiner fachlichen Keynote zum Auftakt der Konferenz hob Prof. Hirschl den innovativen, partizipativen und weitsichtigen Ansatz des Gutachtens der Ethik-Kommission hervor. Er arbeitete sieben Dimensionen einer gemeinschaftlichen Energiewende heraus, die er als zentrale Erfolgsfaktoren für das Erreichen einer vollständigen erneuerbaren Energiewelt ansieht. Dazu gehören auf der Akteursebene die Einbeziehung vieler privater und gewerblicher „Prosumer“, um Flächen, Kapital, Flexibilität und Akzeptanz zu erschließen. Auf technologischer Ebene ermöglicht die Kombination von Windenergie, Photovoltaik und Speichern eine Einspeisung auch in überlasteten Netzgebieten; dies sollte gefördert und gefordert werden, anstatt mit dem sog. Redispatch-Vorbehalt die weitere Installation in solchen Netzgebieten mehr oder weniger pauschal zu verhindern. Auch eine Vielzahl regionaler Geschäftsmodelle – vom grünen Regionalstrom über Energiegemeinschaften und Energy Sharing bis zum Nutzen-statt-Abregeln-Mechanismus – könnte eine effiziente und akzeptierbare Beschleunigung der Energiewende vor Ort ermöglichen, wenn die Rahmenbedingungen hier weniger komplex und restriktiv, sondern wirtschaftlich attraktiv ausgestaltet würden. Und nebenbei können all diese lokalen und regionalen Geschäftsmodelle die finanzielle Situation von klammen Kommunen erheblich und risikoarm verbessern, wenn man diesen eine finanzielle Teilhabe ermöglicht. In diesem Sinne könnte die Energiewende auch zur Stärkung der lokalen und regionalen Gemeinschaften in struktur- und finanzschwachen Räumen beitragen – und damit demokratieförderlich wirken.
Zur Konferenzseite: 13. Saarländischer Energiekongress „Gemeinschaftswerk Energiewende“, 17.09.2026, Universität des Saarlandes, Saarbrücken
Zum Vortrag von Prof. Hirschl: “Die Energiewende als Gemeinschaftswerk - Oder: Gemeinschaft stärken durch die Energiewende”
Kontakt
Management regionaler Energieversorgungsstrukturen
T +49 (0) 355 69-4409
bernd.hirschl(at)b-tu.de

