Neues Krankenhaus-Modul der BTU und Brandenburgischen Ingenieurkammer

29.09.2026

Deutschlandweit einzigartiges Projekt stärkt das mündlich-praktische Prüfungsverfahren für die sicherheitstechnische Gebäudeausrüstung (STGA)

Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und die Brandenburgische Ingenieurkammer (BBIK) haben am Campus Sachsendorf der BTU ein neues Krankenhaus-Modul für die Prüfung angehender bauaufsichtlich anerkannter Prüfsachverständiger in Betrieb genommen. Das Projekt erweitert die bestehende Laborinfrastruktur des Fachgebietes Bauphysik und Gebäudetechnik des Instituts für Bauingenieurwesen um einen besonders anspruchsvollen Anwendungsfall der sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung (STGA): die elektrischen Netz- und Versorgungseinrichtungen in Krankenhäusern.

Der Prüfungsausschuss der BBIK führt im Prüflabor der BTU den mündlich-praktischen Teil der Prüfung für die bauaufsichtliche Anerkennung der Prüfsachverständigen in 7 Fachrichtungen durch. Hierfür besitzt das Prüflabor eine Reihe von Testanlagen, die im Prüfungsverfahren genutzt werden können. Die angehenden Prüfsachverständigen werden somit unter praxisnahen Verhältnissen geprüft und es wird festgestellt, ob das theoretische Wissen mit den praktischen Erfahrungen (Prüfpraxis, Beurteilungsvermögen, Handhabung von Messgeräten) verknüpft ist.

Höchste Anforderungen für Netzstabilität

Mit dem neuen Krankenhaus-Modul wird das Spektrum der Testanlagen um ein weiteres praxisnahes Einsatzszenario erweitert. Krankenhäuser stellen höchste Anforderungen an die anlagentechnische Sicherheit und die Versorgungssicherheit. Vor allem in sensiblen Bereichen, wie Operationssälen oder Intensivstationen, haben Störungen der elektrischen Versorgung unmittelbare Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit der zu behandelnden Personen. Um dieser Gefährdung mit technischen Mitteln entgegenzutreten, werden in den sensiblen Bereichen eines Krankenhauses besonders gesicherte Stromversorgungen und spezielle Netzformen, z. B. das medizinische IT-System, eingesetzt. Prüfsachverständige für elektrische Anlagen müssen dieses Fachwissen im Wissensrepertoire abbilden. 

Mit dem erfolgreichen Ausbau des Laborgebäudes setzen die BTU und die BBIK zudem ein klares Zeichen für die Zukunft der Gebäudesicherheit. Hierdurch gelingt es, die enorme Verantwortung, die den Prüfsachverständigen vom Gesetzgeber übertragen wurden, sowie ihrer umfangreichen Prüfaufgaben und das Anlagenwissen, realitätsnah im Prüfungsverfahren abzubilden. Das neue Modul schafft die notwendigen Voraussetzungen, um diese hochqualifizierten Ingenieure genau in den sensiblen Bereichen unter den praxisnahen Bedingungen zu prüfen, die jedem im Alltag begegnen könnten.

Dank an Partner und Unterstützer des Projektes

Seit 20 Jahren arbeiten die BBIK und die BTU bei der Ausbildung und der Sachverständigenprüfung erfolgreich zusammen und übernehmen hierbei hoheitliche Aufgaben im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL). Dass dieses anspruchsvolle Projekt der neuen Testanlage erfolgreich realisiert werden konnte, ist dem engen Zusammenspiel aller Beteiligten zu verdanken und geht auf die Initiative von Prof. Dr. Winfried Schütz zurück.

Neben dem engagierten Hauptamt der BTU und dem Hauptamt der BBIK ist dies vor allem dem außerordentlichen Engagement des BBIK-Prüfungsausschusses und der ehrenamtlichen Mitglieder Dr. Gero Gerber, Michael Mattejat und Christoph Stiene zu verdanken. Darüber hinaus lässt sich ein Projekt dieser Tragweite nur durch starke Partnerschaften aus der Praxis realisieren. Erst durch die großzügige Unterstützung aus der Wirtschaft konnte das Krankenhaus-Modul angemessen ausgestattet werden. Die BTU und die BBIK danken den folgenden beteiligten Unternehmen ausdrücklich für die Unterstützung:

  • GEISE Elektrotechnik GmbH, Marsberg

  • Bender GmbH & Co. KG, Grünberg

  • Elektro Natusch, Cottbus

  • Trockenbau Schwarzer GbR, Neupetershain

Ein besonderer Dank gilt zudem der Bürogemeinschaft für Klimagerechtes Bauen Dr. Andrea Lilienthal und Dr. Torsten Bark für die engagierte und zuverlässige Baubetreuung vor Ort.


Technische Erklärung:

Ein medizinisches IT-System ist kein Computersystem in der Medizintechnik, sondern eine besondere Stromversorgung. Dabei besteht keine direkte oder nur sehr hochohmige elektrische Verbindung der Stromquelle zur Erde (isoliertes Stromversorgungssystem), jedoch besitzen die elektrischen Betriebsmittel eine direkte elektrische Verbindung zur Erde. Dieser isolierte Zustand des Stromversorgungssystems wird über eine gesonderte Messschaltung überwacht.

Der entscheidende Vorteil dieser Art der Erdverbindung im medizinischen Bereich ist, dass bei einem ersten elektrischen Fehler nicht die Stromversorgung ausfällt, sondern der Fehler nur akustisch und optisch angezeigt wird. Hierdurch können z. B. wichtige Behandlungen von Patienten trotz eines ersten elektrischen Fehlers weitergeführt und beendet werden.

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Doreen Kalz
Bauphysik und Gebäudetechnik
doreen.kalz(at)b-tu.de
Technischer Betriebsraum Krankenhauslabor mit Bereichs-, Unter- und IT-Verteilern. (Foto: Sascha Thor, BTU Cottbus-Senftenberg)
OP-Raum 1 Krankenhauslabor. (Foto: Sascha Thor, BTU Cottbus-Senftenberg)
Niederspannungshauptverteilungen AV/SV und Sicherheitslichtgerät, Laborbereiche sicherheitstechnische Gebäudeausrüstung. (Foto: Sascha Thor, BTU Cottbus-Senftenberg)