„Spremberg, was unter uns liegt“: Veranstaltungsreihe bringt Geothermie mitten in die Stadt
Forschung mitten in der Spremberger Innenstadt
Wie lässt sich die Wärme aus der Tiefe nutzen? Welche Rohstoffe befinden sich in geothermalen Fluiden? Und wie können Wissenschaft, Kunst und Kulinarik zusammengebracht werden? Diesen und vielen weiteren Fragen widmete sich die Präsenzstelle Spremberg im Oktober gemeinsam mit dem GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung.
Während des gesamten Aktionszeitraums konnten Interessierte den GFZ-Pop-up-Store in den Räumlichkeiten der Präsenzstelle besuchen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stand ein Exponat zur geothermischen Technologiefamilie. Es zeigte anschaulich, wie vielfältig Geothermie eingesetzt werden kann: von oberflächennahen Erdwärmesonden und Kollektoren über unterirdische Wärme- und Kältespeicher bis hin zu hydrothermalen und petrothermalen Systemen in mehreren Kilometern Tiefe.
Verschiedene Gesteinsproben machten den Untergrund zusätzlich greifbar. Sie luden dazu ein, genauer hinzusehen, Unterschiede zu entdecken und mehr über die geologischen Voraussetzungen für die Nutzung von Erdwärme zu erfahren.
Auch das Geo-Quiz des GFZ wurde sehr gut angenommen. Kinder und Erwachsene nutzten die Gelegenheit, ihr Wissen zu testen, gemeinsam zu rätseln und dabei Neues über Gesteine, Bodenschichten und Geothermie zu lernen. Das Quiz entwickelte sich zu einem niedrigschwelligen Einstieg in die Themenwelt und sorgte immer wieder für Gespräche zwischen den Besuchenden. An den Donnerstagen standen zudem Mitarbeitende des GFZ persönlich für Fragen und den direkten Austausch zur Verfügung.
Zwei Fachvorträge über Wärme, Rohstoffe und Forschung im Untergrund
Den fachlichen Auftakt bildete der Vortrag von Prof. Dr. Simona Regenspurg unter dem Titel „Schatzkammer Untergrund: Wie Geothermie die Energie- und Rohstoffwende vereint“. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Lithium, das unter anderem für die Herstellung von Batterien benötigt wird. Anhand eines Forschungsprojekts zeigte Prof. Dr. Simona Regenspurg, wie Lithium künftig aus geothermalen Fluiden gewonnen werden könnte. Weitere Einblicke gab es in die Geologie des Norddeutschen Beckens, die Gesteinsschichten des Rotliegenden und die Forschungsarbeiten am Geothermielabor Groß Schönebeck.
Beim zweiten Fachvortrag sprach Daniel Acksel über „Geothermische Wärme: Auf dem Weg zur klimaneutralen Transformation der Wirtschaft und heimischer Ressourcennutzung“. Am Beispiel Potsdams zeigte Daniel Acksel, wie mögliche Standorte für geothermische Bohrungen untersucht werden. Dabei kommen unter anderem Vibrationsfahrzeuge zum Einsatz, die kontrollierte Schwingungen in den Boden senden. Sensoren, sogenannte Geophone, zeichnen auf, wie sich diese Schwingungen im Untergrund ausbreiten und an verschiedenen Gesteinsschichten reflektiert werden. Aus den gewonnenen Daten entsteht ein detailliertes Bild des Untergrunds, das eine wichtige Grundlage für die Planung von Bohrungen bildet.
Der Untergrund als künstlerischer und kulinarischer Erfahrungsraum
Dass sich die Welt unter unseren Füßen nicht nur wissenschaftlich betrachten lässt, zeigte der Workshop „Art Workshop on Underground“ im RePost Zeitcafé. Unter der Leitung von Angela Ka Ki Lee, Fellow am Research Institute for Sustainability am GFZ, setzten sich die Teilnehmenden kreativ mit Boden, Erdschichten und Landschaften auseinander.
In kleinen Gruppen entstanden Kunstwerke, die den Untergrund mit der Oberfläche, Städten, Orten und dem Himmel verbanden. Gleichzeitig beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Vergangenheit, Gegenwart und möglichen Zukunftsbildern. Zum Abschluss wurden die Arbeiten vorgestellt und gemeinsam besprochen. So entstand ein lebendiger Austausch darüber, wie wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen mit künstlerischen Mitteln sichtbar gemacht werden können.
Beim Workshop „Underground Snack“ rückten regionale Böden, Landschaften und Lebensmittel in den Mittelpunkt. Die Teilnehmenden begaben sich auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch die Lausitz. Zwischen Leinentüchern, Heidekraut, regionalen Produkten und Steinen aus dem Tagebau entstand eine besondere Atmosphäre, in der wissenschaftliche Informationen mit Geschmack, Geruch und persönlichen Erinnerungen verbunden wurden. Das dreigängige Menü reichte von Brot mit Kräuterbutter aus gemahlenen Kiefernnadeln und Pollen über eine Blättersuppe aus Ahorn- und Buchenblättern bis zu Frischkäse mit gepufftem Buchweizen, regionalen Trauben und gebackenen roten Zwiebeln. Dabei erfuhren die Teilnehmenden unter anderem mehr über die Versauerung regionaler Böden sowie über die historische Bedeutung des Buchweizens rund um Spremberg.
Rätseln, lernen und gemeinsam lachen
Ein weiterer Höhepunkt der Reihe war der gemeinsame Quizabend der Präsenzstelle Spremberg und des Quizlabors im Jugendclub Erebos e. V. in Spremberg-Trattendorf. Gefragt waren Wissen, Schätzvermögen und Teamarbeit. So mussten beispielsweise Bodenschichten benannt, verschiedene Gesteinsarten erkannt und Temperaturen in bestimmten Tiefen geschätzt werden. Für humorvolle Abwechslung sorgten Aufgaben, bei denen bekannte Würmer aus Filmen, Büchern und Videospielen gesucht oder Bilderrätsel gelöst werden mussten.
Am Ende setzte sich das Team „Noteingang“ mit 46 von 60 möglichen Punkten durch. Der Abend verband wissenschaftliche Inhalte mit Unterhaltung und zeigte, dass auch anspruchsvolle Themen mit viel Freude und gemeinschaftlichem Rätseln vermittelt werden können.
Wissenschaft auf unterschiedlichen Wegen erleben
Mit dem GFZ-Pop-up-Store ist es der Präsenzstelle Spremberg und dem GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung gelungen, aktuelle Forschung auf vielfältige Weise in die Spremberger Innenstadt zu bringen. Die Kombination aus Ausstellung, Geo-Quiz, persönlichen Gesprächen, Fachvorträgen, kreativen Workshops und einem unterhaltsamen Quizabend sprach ganz unterschiedliche Zielgruppen an.
Besonders erfreulich war, dass sowohl Menschen mit fachlichen Vorkenntnissen als auch Familien, Kinder und neugierige Besucherinnen und Besucher die Angebote nutzten. Die große Bandbreite der Formate ermöglichte es, die Themen Geothermie, Boden und Untergrund nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern sie anzuschauen, anzufassen, zu erschmecken und gemeinsam zu diskutieren.
Die Veranstaltungsreihe wurde durch das Programm „Wissenschaft und ich“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gefördert. Ziel des Programms ist es, innovative Formate der Wissenschaftskommunikation zu unterstützen und den direkten Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu stärken.
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