Abschlussarbeiten

Vergabe von Abschlussarbeiten
Seit dem Sommersemester 2015 gelten am Institut für Wirtschaftswissenschaften einheitliche Vorgaben für die Vergabe von Seminar- und Abschlussarbeiten. Diese Link zu einer externen Seite finden Sie hier.

Themen für Diplom-, Master-, Bachelor- und Hausarbeiten
Abschlussarbeiten können grundsätzlich zu allen Themen vergeben haben, die einen mikroökonomischen Bezug haben. Insbesondere sind Studierende willkommen, die Abschlussarbeiten in den folgenden Themengebieten schreiben möchten:

  • Behavioural Economics
  • Industrieökonomik
  • Spieltheorie
  • Ökonomische Theorie der Politik
  • Ökonomische Theorie föderaler Systeme
  • andere Gebiete öffentlicher Finanzen
  • Institutionenökonomik
  • Ökonomische Analyse des Rechts
  • Regionalökonomik.

Aber auch Themenvorschläge aus anderen Bereichen mit mikroökonomischem Bezug sind möglich.

Es gibt keine vorbereitete Liste von Themen am Lehrstuhl. Stattdessen wird folgendes Vorgehen empfohlen:

  1. Überlegen Sie sich, welches Thema Sie grundsätzlich interessieren würde. Dies können gerne auch bereits spezifische Überlegungen sein, die das Thema relativ genau definieren.
  2. Melden Sie sich bei uns am Lehrstuhl (am besten zunächst per E-Mail) mit Ihrem Themenwunsch.
  3. Wir haben es hier mit einer Vielzahl verschiedener Prüfungsordnungen zu tun, die wir nicht alle auswendig kennen. Bitte informieren Sie sich daher rechtzeitig selbst, welche Voraussetzungen und Bedingungen (z.B. Bearbeitungszeit) Ihre Prüfungsordnung vorsieht!
  4. Gemeinsam grenzen wir dann das Thema auf eine für die Bachelor-, Master- oder Diplomarbeit passende, konkrete Fragestellung ein und besprechen das weitere Vorgehen im Detail.

Wenn es dann an die Arbeit geht, beachten Sie bitte auf jeden Fall  die formalen Hinweise auf dieser Seite.

Sie können Ihre Arbeiten bei uns in deutscher oder englischer Sprache verfassen.

Anhand der folgenden Beispiele können Sie einen Eindruck gewinnen, wie vielfältig die Themen sind, die im Bereich der Mikroökonomik bearbeitet werden können:

Industrieökonomik

Zahlreiche Unternehmen, wie etwa Portale für Hotelreservierungen oder auch Elektronik-Handelsketten bieten Bestpreisgarantien. Aber wie wirken diese aus ökonomischer Sicht? Helfen sie wirklich den Konsumenten? Treuerabatte scheinen den Konsumenten zugute zu kommen. Aber sind sie nicht auch eine Markteintrittsbarriere? Und was bedeutet dies für die Konsumenten? Kartellbildung findet eigentlich immer auf Kosten der betroffenen Nachfrager statt. Aber wie wirkt sich ein privates Klagerecht letztendlich aus?

Economics of Conflict

Atomwaffen stellen eine Gefahr dar – möglicherweise haben sie aber auch verhindert, dass aus dem Kalten Krieg ein echter Krieg wurde. Was sind die spieltheoretischen Gründe dafür? Welche sicherheitspolitischen Konsequenzen ergeben sich aus einer No-First-Use-Policy der Atommächte? Die EU wird in Kürze mit dem Vereinigten Königreich über dessen Austritt verhandeln. Was sind spieltheoretisch gesehen die optimalen Strategien? Der sogenannte Demokratische Friede ist ein empirisches Phänomen: Demokratien führen keine Kriege gegeneinander. Aber wieso?

Ökonomische Analyse des Völkerrechts

Welche Funktion erfüllt das Völkerrecht eigentlich aus einer institutionenökonomischen Sicht? Mit welcher Art von Vertrag haben wir es hier aus ökonomischer Sicht eigentlich zu tun? Wieso sind manche zwischenstaatlichen Problemfelder stärker und andere weniger verrechtlicht? Wie unparteiisch sprechen eigentlich internationale Gerichtshöfe und Schiedsgerichte Recht, und sind die verbreiteten Ängste im Zusammenhang mit internationalen Handelsabkommen begründet?

Prokrastination

„Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“ Diesen wohl gemeinten Ratschlag hat wohl jeder schon einmal gehört – aber auch beherzigt? Viele Menschen schieben unangenehme Tätigkeiten gerne bis zur letzten Minute auf und treten lieber Facebook-Gruppen wie „Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe.“ bei, als endlich für die nächste Klausur zu lernen – und das, obwohl sie wissen, dass ihr Verhalten ihnen langfristig nicht nur nichts nützt, sondern sogar schadet. Woher kommt dieses Motivationsproblem? Warum muss jede Arbeit so oft immer erst kurz vor der Deadline fertiggestellt werden. Und wie kann man sich davor schützen? Finden Sie eine mikroökonomische Antwort.

Pricing von Fitnessstudios

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie jeden Monat fünfzig Euro an ein Fitnessstudio bezahlen, das Sie nie besuchen? Oder gehen Sie pflichtbewusst jeden Dienstag dorthin, damit das Geld nicht umsonst weg ist? Natürlich steckt hinter dieser Preisgestaltung ein ökonomisches Kalkül: Das Fitnessstudio rechnet mit der dynamischen Inkonsistenz Ihrer Entscheidung. Wenn Sie sich anmelden, sind Sie noch voller Tatendrang und guter Vorsätze. Sie planen jede Woche mindestens dreimal zu trainieren und kalkulieren damit, dass die Mitgliedschaft wesentlich billiger ist, als jedes Mal den Eintritt für die einmalige Nutzung zu bezahlen. Doch im Alltagstrott geraten die guten Vorsätze nur zu schnell in Vergessenheit und ehe Sie sich versehen, trainieren Sie so selten, dass die Mitgliedschaft wohl eine Fehlentscheidung war – leider eine, die Sie nur mit Mühe revidieren können. Aber nächste Woche ist doch schon viel weniger Stress und dann gehen Sie ja bestimmt trainieren, oder? 

Angeberei

Viele Menschen prahlen mit Errungenschaften, die so nie von ihnen erreicht wurden. Doch da eine Aufklärung des tatsächlichen Zustandes meist mit erheblichen Kosten verbunden ist, wird eine solche Prahlerei meist nicht hinterfragt. Wie lässt sich dieses Verhalten erklären? Welche verhaltensökonomischen Muster ergeben sich dadurch in den Interaktionen zwischen Menschen und wie wird ein rationales Individuum in Zukunft Informationen bewerten

Moralisches Handeln

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Land, das auf die Durchsetzung von Recht verzichtet. Immer wieder ergeben sich die gleichen Probleme. Öffentliche Güter werden nicht bereitgestellt, Korruption lauert überall, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Andauernd ergeben sich Anreizprobleme und Gelder, die eigentlich für das Allgemeinwohl investiert werden sollten, werden eigennützig umgeleitet. Aber wie weit kann man sich eigentlich auf moralisches Handeln von Menschen verlassen? Wann leisten sie freiwillig Beiträge zu öffentlichen Gütern? Wann folgen sie Normen, ohne dazu gezwungen zu werden?

Kosten politischer Appelle

Immer wieder versuchen Politiker unser Verhalten durch schlichte Aufforderungen zu manipulieren und uns z.B. zu verstärktem Umweltschutz zu bewegen. Wenn solche Appelle ohne jeden ökonomischen Anreiz wirken, erscheinen sie auf den ersten Blick als first-best Lösung für nahezu jedes Problem. Die gewünschte Verhaltensänderung wird erreicht und die Kosten einer Informationskampagne sind vernachlässigbar. Doch sind damit wirklich schon alle relevanten Kosten beachtet? Oder ändern wir unser Verhalten nur, weil wir nun ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir weiterhin mit dem Auto zum Bäcker fahren? Berücksichtigt man solche Gewissensbisse, zeigt sich, dass politische Appelle unter Wohlfahrtsgesichtspunkten nicht immer eine gute Idee sind. 

Die Bedeutung von Emotionen in strategischen Entscheidungen

Emotionen in strategischen Entscheidungssituationen wurden in der Ökonomie lange Zeit ignoriert. In der modernen Forschung spielen sie eine zunehmende Bedeutung, u.a auch um zu untersuchen, ob es Anreize dafür gibt, sie überhaupt zu haben. Wann ist es aber individuell und gesamtwirtschaftlich sinnvoll, auf Emotionen zu setzen? Und wann ist es ineffizient? 

Steuerehrlichkeit

Man sollte meinen, dass es für das Ausmaß der Steuerehrlichkeit relativ irrelevant ist, ob Steuererhebung und Zahlungspflicht zeitlich zusammen oder auseinander fallen. Aus Sicht der Verhaltensökonomik trifft das nicht zwangsläufig zu. Geht der Nutzen der Ehrlichkeit den Kosten der Steuerzahlung voraus, werden Individuen mit einem „present bias“ nur dadurch schon ehrlicher. Womöglich ein einfacher Weg, das Steueraufkommen zu steigern!

Sin Taxes

„Non, je ne regrette rien.“ Wer kann das schon von sich behaupten? Viele bereuen ab und an durchaus Teile ihrer Konsumentscheidungen – nach einer durchzechten Nacht oder auf der Waage vielleicht. Aus ökonomischer Sicht haben Menschen, die von einem Gut mehr konsumieren, als ihnen selber lieb ist, ein Selbstkontrollproblem. Kann uns der Staat mit Steuern vor solchen kleinen Sünden bewahren? 

Zuckersteuer

Mit Aussagen wie „Zucker macht krank“ und „es gibt keinen Bedarf, Zucker ... als Lebensmittel aufzunehmen“ werben Krankenkassen und die Nicht-Regierungs-Organisation Foodwatch für die Wiedereinführung der Zuckersteuer in Deutschland und werden dabei von Mitglieder des Bundestags-Gesundheitsausschusses unterstützt. Eine Pigou-Steuer kann bei dem Vorhandensein von negativen externen Effekten zu einer höheren Wohlfahrt führen und dabei sogar Steuergelder generieren. Inwiefern lässt sich mikroökonomisch eine Zuckersteuer begründen und welche Konsequenzen ergeben sich?

Abstinenz

"Hermann war der Sohn eines zum Russen gewordenen Deutschen, der ihm ein kleines Kapital hinterlassen hatte. Fest überzeugt von der Notwendigkeit seine Unabhängigkeit zu festigen, berührte Hermann nicht einmal die Zinsen, sondern lebte ausschließlich von seinem Sold und gestattete sich nicht die kleinste Ausschweifung. [...] Er war extrem leidenschaftlich, mit feuriger Phantasie, aber seine Selbstbeherrschung rettete ihn vor den üblichen Verirrungen der Jugend. So war er zum Beispiel dem Wesen nach ein Spieler, aber er hatte nie eine Karte in die Hand genommen, weil er der Meinung war, daß seine Situation (wie er es ausdrückte) es ihm nicht erlaubte, Notwendiges zu opfern, um Überflüssiges zu erlangen, – und dabei verbrachte er ganze Nächte an den Kartentischen und verfolgte in fieberhafter Erregung die verschiedenen Wendungen des Spiels." So beschreibt Pushkin seinen Anti-Helden aus Pique Dame. Zeichnet er damit einen aus mikroökonomischer Sicht realistischen Charakter? Bei einem völlig rationalen Individuum fällt eine Erklärung für derartige Abstinenz schwer. Ist der Grenznutzen des ersten Spiels schon negativ oder zumindest geringer als der drohende Verlust, der bei nur einem Spiel nahe Null sein dürfte? Die Erklärung fällt leichter, wenn man dem Menschen kleine Schwächen in der Rationalität zugesteht: Womöglich offenbart das erste Spiel ja Hermann selbst erst, wie gerne er zockt – und dann gibt es kein Halten mehr auf dem Weg in die Spielsucht... Wer nie erfährt, ob Glücksspiel Spaß macht, ist dann womöglich besser dran und verzichtet – ganz rational – auf den Versuch.